Experimentelle Daten: Statistisches Bundesamt erprobt Frühindikator zur Wirtschaftsentwicklung / Destatis entwickelt BIP-Nowcast und weitere neue Verfahren

Wiesbaden (ots) – Das Statistische Bundesamt (Destatis) erprobt einen neuen gesamtwirtschaftlichen Frühindikator: Der sogenannte BIP-Nowcast soll die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland bereits 10 Tage nach Ablauf eines Quartals verlässlich einschätzen. Damit will das Statistische Bundesamt künftig noch schneller als bisher qualitativ hochwertige Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bereitstellen. Derzeit wird das Verfahren in einer Machbarkeitsstudie getestet. Über die methodischen Hintergründe dieses und weiterer experimenteller Verfahren in der amtlichen Statistik informiert das neue Angebot „EXDAT – Experimentelle Daten“ auf der Destatis-Website. EXDAT versteht sich als „Work in Progress“-Plattform für Werkstattberichte zu neuen digitalen Methoden in der amtlichen Statistik.

Mit dem Projekt zur Entwicklung eines BIP-Nowcast folgt das Statistische Bundesamt einem Nutzerinteresse aus der Forschung, Wirtschaftsanalyse und Politik an schnell verfügbaren Daten zur konjunkturellen Entwicklung. Der Frühindikator bezieht neben ersten amtlichen Basisdaten für ein abgelaufenes Quartal weitere digitale Daten sowie nichtamtliche Konjunkturindikatoren ein. Hinzu kommt ein vergleichsweise hoher Anteil an Schätzungen. Damit ist die Revisionsanfälligkeit im Nowcast höher als bei der sogenannten BIP-Schnellschätzung (Flash Estimate), die das Statistische Bundesamt aktuell 45 Tage nach Quartalsende und ab dem 2. Quartal 2020 bereits nach 30 Tagen veröffentlicht. Die Machbarkeitsstudie zum BIP-Nowcast, mit der das Statistische Bundesamt eine Vorreiterrolle unter den Statistikbehörden in Europa einnimmt, soll den Frühindikator verbessern und schrittweise revisionssicher machen, sodass er den hohen amtlichen Qualitätskriterien gerecht wird. Aktuelle Daten werden aufgrund der statistischen Unsicherheit des Frühindikators nicht veröffentlicht.

Weitere EXDAT-Projekte: Satelliten- und Mobilfunkdaten für die Statistik nutzen

Der BIP-Nowcast ist nur eines von aktuell drei Verfahren, die das Statistische Bundesamt im EXDAT-Angebot präsentiert. Daneben stellt das Statistische Bundesamt Einsatzszenarien von Satelliten- und Mobilfunkdaten in der amtlichen Statistik vor:

* Smart Business Cycle Statistics mit Satellitendaten: Satelliten
können die Erdoberfläche großflächig in kurzen zeitlichen Abständen
aufnehmen und kommen auch für die amtliche Statistik als Datenquelle
infrage. Hinter dem Projekt „Smart Business Cycle Statistics“ steht
die Idee, dass wirtschaftliche Aktivitäten erkennbare Spuren auf
Satellitenbildern hinterlassen und beziffert werden können: So lassen
zum Beispiel das Schiffsaufkommen und die Zahl der Container in Häfen
auf Handelsaktivitäten und Produktionszahlen schließen. Die Belegung
der Parkplätze vor Geschäften könnte Aufschluss über aktuelle
Umsatzzahlen geben.

* Bevölkerungsdarstellung mit Mobilfunkdaten: Detaillierte
Informationen über die Verteilung der Bevölkerung im Tagesverlauf
sind beispielsweise bei der Planung der regionalen Verkehrs- und
Bildungsinfrastruktur entscheidend. Eine aktuelle Herausforderung in
der Bevölkerungsstatistik besteht daher im Perspektivwechsel von
einer statischen hin zu einer dynamischen (d. h. zeitlich aktuellen)
Bevölkerungsabbildung. Diese Dynamik lässt sich mit traditionellen
Befragungen nicht erfassen. Mittels Mobilfunkdaten scheint dies
jedoch aufgrund ihrer zeitlich umfangreichen und räumlich genauen
Auflösung möglich – inwieweit, hat das Statistische Bundesamt mit
anonymisierten Datensätzen erprobt.
Erschließen von Datenquellen und Verfahren dient dem Auftrag der statistischen Ämter

Die statistischen Ämter haben den gesetzlichen Auftrag, sich technisch und methodisch weiterzuentwickeln. Derzeit entstehen auf der Basis neuer digitaler Daten und Methoden zahlreiche Studien, deren Resultate in die Statistikprodukte einfließen sollen. Ein weiteres Wesensmerkmal amtlicher Statistik ist ihre Transparenz: Eine Reihe von statistischen Ämtern in Europa veröffentlicht Ergebnisse von Machbarkeitsstudien in einem gesonderten Format (eine Übersicht hierzu bietet Eurostat) – so auch das Statistische Bundesamt mit seinem EXDAT-Angebot. Die Ergebnisse dieser Studien sind derzeit überwiegend noch experimentell und unterscheiden sich im Reifegrad und in der Qualität von amtlichen Statistiken. Nicht alle experimentellen Daten und Verfahren werden sich als sinnvoll erweisen. Die unter EXDAT vorgestellten Ergebnisse werden nur auf Zeit „experimentell“ sein. Einige werden ihren Weg in amtliche Statistikprodukte nehmen und diese bereichern, andere waren vielleicht am Ende „nur“ Experimente.

Die vollständige Pressemitteilung sowie weitere Informationen und Funktionen sind im Internet-Angebot des Statistischen Bundesamtes unter https://www.destatis.de/pressemitteilungen zu finden.

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