Skandal um Textilfabrik: Huber-Chef schuldet Arbeiter:innen Millionen

Skandal um Textilfabrik: Huber-Chef schuldet Arbeiter:innen Millionen

Vorstandsvorsitzender von österreichischer Unterwäschemarke in Lohndiebstahl in Thailand verwickelt. Trotz Gerichtssprüchen bleiben Schulden in Millionenhöhe unbezahlt.

Südwind liegen Informationen über Lohnschulden in Höhe von rund 5.5 Millionen Euro vor, die in Zusammenhang mit dem Chef des Textilunternehmens Huber Holding AG mit Sitz in Österreich stehen. Eine aktuelle Recherche des Worker Rights Consortium (WRC), einer unabhängigen Arbeitsrechteorganisation, mit der Südwind im Austausch steht, dokumentiert schwerwiegende Verstöße gegen die Rechte von rund 900 Arbeiter:innen sowie gegen das thailändische Arbeitsrecht bei der Firma Body Fashion (Thailand) Ltd.

Body Fashion ist Teil des Textilimperiums von Unternehmer Robert Ng – auch bekannt unter dem Namen Ng Man Choong – und belieferte Huber. Seit 2017 ist Ng zudem Vorstandsvorsitzender der Huber Holding AG. Seit 2010 ist das Vorarlberger Traditionsunternehmen im alleinigen Eigentum der Hongkonger Benger Brands Ltd. und gehört damit zum Firmenimperium von Robert Ng. Unter dem Dach der Huber Holding AG finden sich die Marken Huber Bodywear, Skiny, Hanro und HOM. Auch Marken wie Victoria’s Secret, Lane Bryant und die Triumph AG ließen bei Body Fashion produzieren.

„AUCH ÖSTERREICHISCHE KONSUMENT:INNEN, DIE IN DEN LETZTEN JAHREN BEI HUBER-MARKEN GEKAUFT HABEN, KÖNNEN NICHT SICHER SEIN, OB DIE ARBEITER:INNEN DAFÜR BEZAHLT WURDEN“, SAGT GERTRUDE KLAFFENBÖCK, SÜDWIND-KOORDINATORIN DER CLEAN CLOTHES KAMPAGNE IN ÖSTERREICH. Denn laut dem Bericht des WRC hat Body Fashion bei seiner Schließung im Jahr 2020 die gesetzlichen Abfindungen und auch vertraglich festgeschriebene Boni für Dezember 2019 und für März 2020 nicht bezahlt. Außerdem stellte Body Fashion die Arbeiter:innen während der Pandemie vor der Schließung der Fabrik frei und enthielt ihnen die Löhne vor, die ihnen während der Freistellung gesetzlich zustehen.

Trotz mehrerer Gerichtsurteile zugunsten der Arbeiter:innen aus dem Jahr 2022 wurden die Schulden in Höhe von 5.5 Millionen Euro bis dato nicht beglichen. Und das, obwohl der Unternehmenskomplex von Robert Ng laut WRC über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügt, um die Arbeiter:innen von Body Fashion vollständig zu entschädigen.

SÜDWIND: „WIR SPRECHEN HIER KLAR VON LOHNDIEBSTAHL!“

„Bei dieser Sachlage sprechen wir ganz klar von Lohndiebstahl!“, sagt Gertrude Klaffenböck, von Südwind. „DIE PANDEMIEJAHRE WAREN FÜR ALLE EINE SCHWERE ZEIT, ABER DAS RECHTFERTIGT NICHT, DASS EIN UNTERNEHMEN SEINE SCHULDEN AUF DEM RÜCKEN DER ARBEITER:INNEN ABLÄDT. Wir fordern Herrn Ng auf, sich an die Gesetze zu halten und den Arbeiter:innen umgehend zu bezahlen, was ihnen zusteht“, so Klaffenböck. Südwind appelliert auch an die heimische Politik: „ÖSTERREICHS ARBEITSMINISTER MARTIN KOCHER MUSS DIE VORARLBERGER HUBER HOLDING AG AUFFORDERN, SICH FÜR DIE RÜCKZAHLUNG DER LOHNSCHULDEN BEI DEN ARBEITER:INNEN EINZUSETZEN. AUCH HUBER MUSS VERANTWORTUNG FÜR SEINE LIEFERKETTE ÜBERNEHMEN.“ Zudem ist die österreichische Regierung, als Vertragsstaat des internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte in der Pflicht Menschenrechte auch im internationalen Zusammenhang zu schützen.
Die Causa Body Fashion in Thailand im Detail

Gertrude Klaffenböck
Südwind-Koordinatorin Clean Clothes Kampagne Österreich
+43 (0) 676 4460833
gertrude.klaffenboeck@suedwind.at

Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
vincent.sufiyan@suedwind.at
+43 (0) 0650 96 77 577

Stefanie Marek
Pressesprecherin Südwind
stefanie.marek@suedwind.at
+43 (0) 6801583016

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