HTU Graz ad uniko-Präsidentin Seidler: Populistische Meinungsmache oder wirkliche Probleme?

Graz (OTS) – Und wieder grüßt das Murmeltier: Im Interview mit Der Presse liebäugelt die Präsidentin der Universitätenkonferenz, TU Wien-Rektorin Sabine Seidler, mit starken Verschärfungen im Studienrecht.

Ein riesiger Dorn im Auge ist uns die geforderte Reduktion der Prüfungsantritte. In der studienrechtlichen Beratung erhalten wir mehrmals im Monat Fragen zum letzten Prüfungsantritt im Studium, meist haben diese Personen ansonsten hohe Prüfungsaktivität und einen guten Studienfortschritt. “Es kann nicht sein, dass Studierenden ständig Versuchen ohne Lernen unterstellt wird. Kein Studierender strebt an, das Schicksal seines Studiums bei einem kommissionellen Antritt besiegelt zu bekommen.”, so Robert Schwarzl, Referent für Bildungspolitik. “Im Gegenteil erreichen uns oft Meldungen über Blackouts und psychische und physische Erkrankungen, manchmal auch aufgrund des steigenden Leistungsdrucks.”

Wie die Zeitung selbst schreibt, betrifft die Mehrfachinskription 15% der Studierenden. Die Gründe können vielfältig sein, z.B. Interesse in mehreren Fachgebieten, das Universitäten auch als Quelle zur Gestaltung ihrer Studien dienen könnte oder überzogene Voraussetzungsketten. “Deswegen, aber auch ob der Tatsache, dass viele unserer Lehrenden selbst erfolgreich mehrere Studien abgeschlossen haben, sind wir strikt gegen eine Einschränkung dieser Möglichkeit.”, stellt Simon Malacek, Vorsitzender der HTU Graz fest.

Seit Türkis-Blau führen alle Universitäten Diskussionen über prüfungsaktive Studien. Seidler leitet im Interview daraus die Notwendigkeit ab, inaktive Studierende von der Uni zu werfen. Dazu Lia Magdalena Fink aus dem Vorsitzteam: “Ohne Rücksicht auf Konsequenzen für die betroffenen Studierenden wird hier der Versuch übernommen, sich Statistiken schönzurechnen.”

Zuletzt betrachten wir auch die Fokussierung auf Leistungsstipendien kritisch. In ihrer jetzigen Ausformung setzen sie sowohl hohe Studienleistungen als auch sehr gute Noten voraus. Obwohl wir prinzipiell begrüßen, wenn Unis ihre besten Studierenden belohnen, muss ein erweitertes System auch jene berücksichtigen, die nicht zu diesen Spitzenleistungen fähig sind. Diese breite Masse trägt ebenfalls in hohem Maße zum Erfolg von Universität, Gesellschaft und Wirtschaft bei.

Zusammenfassend fordern wir von der uniko und ihrer Präsidentin ein Überdenken der Einstellungen und das Angehen wirklicher Probleme, statt die Lage von Studierenden mit populistischen Forderungen weiter zuzuspitzen.

Simon Malacek
vorsitz@htu.tugraz.at
0316 873 5100

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