JöH fordern in offenem Brief Handlung der österreichischen Regierung und Aufnahme von geflüchteten Menschen aus Moria

JöH fordern in offenem Brief Handlung der österreichischen Regierung und Aufnahme von geflüchteten Menschen aus Moria

Die Co-Präsidentinnen der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen, Lara Guttman und Sashi Turkof, fordern von der Bundesregierung eine menschliche Asylpolitik.

Wien (OTS) – Die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) haben mit Unterstützung anderer jüdischer Organisationen einen offenen Brief an den Bundeskanzler Sebastian Kurz und an die österreichische Bundesregierung geschrieben. In diesem Brief wird ein menschliches Handeln, sowie die Rettung und Aufnahme der geflüchteten Menschen aus Moria gefordert.

Co-Präsidentin Sashi Turkof kritisiert: „Der Brand in Moria war das Ergebnis von monatelangem, aktivem Wegschauen der europäischen Union. Wir Menschen, aus dieser europäischen Union müssen endlich verstehen, dass wir die Verantwortung tragen, den Schritt nach vorne zu machen und Menschen zu retten.“

Mit einem Verweis auf ihre Familiengeschichte verdeutlicht Co-Präsidentin Lara Guttmann: „Während des Holocausts hatte meine Großmutter, anders als die meisten Anderen, das große Glück von einem Land Asyl gewährt zu bekommen. Obwohl die beiden Situationen nicht vergleichbar sind, ist es nun trotzdem unsere Aufgabe als Juden und Jüdinnen dafür zu sorgen, dass geflüchtete Menschen die Chance bekommen, aufgenommen zu werden. Österreich hat die Mittel, was fehlt ist nur der Wille!“

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Bundesregierung, Sehr geehrter Bundeskanzler Sebastian Kurz!

Mit Schrecken verfolgen wir, Mitglieder der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen gemeinsam mit weiteren jüdischer Organisationen, seit Dienstag Nacht die grauenvolle Situation des Flüchtlingslagers Moria auf der Insel Lesbos. Seit Monaten hatten humanitäre Hilfsorganisationen die prekären und inhumanen Bedingungen des Lagers kritisiert, die dieses noch anfälliger für eine rasche Ausbreitung des Covid-19 Virus machten. Erst kürzlich kam es zum Ausbruch des Virus und einem damit einhergehenden Lockdown des Lagers. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch begannen weite Teile des Lagers zu brennen. Zehntausende Menschen, darunter viele Kinder, Alte und Kranke mussten sich vor den Flammen retten und haben jetzt das Wenige, das sie davor zum Leben hatten, komplett verloren. Diese Menschen sind nun mehr denn je auf internationale Solidarität und Rettung angewiesen.

Die menschenverachtende Grenzpolitik der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten verhindert seit Jahren die adäquate Hilfeleistung für Bedürftige, Vertriebene und Menschen in Notsituationen. Die Beendigung des Grauens im Flüchtlingslager Moria muss über dem politischen Kalkül stehen. Der Notstand von Menschen und das Leben Anderer dürfen keiner politischen Agenda oder Wahlkampf Zielen zum Opfer fallen.

Als Mitglieder der jüdischen Gemeinde Wiens fordern wir die Rettung und Beherbergung der Menschen aus Moria. Als Jüdinnen und Juden haben wir alle Familienmitglieder, die während der Shoah darauf angewiesen waren, dass andere Länder, Gemeinden und einzelne Personen sie aufnahmen und somit ihr Leben retteten. Durch diese – leider viel zu seltenen – mutigen und unerschrockenen Taten wurde die weitergehende Existenz des jüdischen Lebens gewährleistet. Jetzt sind wir an der Reihe anderen Menschen einen sicheren Zufluchtsort zu bieten.

Wir appellieren an die Österreichische Regierung und Bundeskanzler Sebastian Kurz das Flüchtlingslager Moria schnellstmöglich zu evakuieren, schutzsuchende Menschen aufzunehmen und die mörderische Grenzpolitik abzuschaffen. Wir können nicht wegschauen und das Elend hinter dem Zaun ignorieren, denn es ist höchste Zeit, solidarisch zu handeln und Menschenleben durch offene Grenzen zu retten.

Wir lassen niemanden zurück!

Unterzeichnet: Jüdische österreichische HochschülerInnen – Schalom Aleikum – Hashomer Hatzair – BBYO

Jüdische österreichische HochschülerInnen
office@joeh.at

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