„Tanganjikasee – Das blaue Herz Afrikas“: Neue „Universum“-Doku von Harald Pokieser am 24. Mai um 20.15 Uhr in ORF 2

„Tanganjikasee – Das blaue Herz Afrikas“: Neue „Universum“-Doku von Harald Pokieser am 24. Mai um 20.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Der Tanganjikasee ist ein Gigant, der im Verborgenen lebt. Er zählt zu den größten und tiefsten Seen der Erde. Dennoch ist dieses Naturjuwel kaum bekannt und wenig besucht. Dabei tummeln sich in den türkisfarbenen Buchten Flusspferde, Elefanten, Paviane und Krokodile. Unter Wasser offenbart sich eine Welt aus bunten Fischen, Schwämmen und Krebsen. Für viele Menschen ist der Tanganjikasee Lebensgrundlage. Abholzung und Überfischung, aber auch der Klimawandel hinterlassen jedoch Spuren in diesem einzigartigen Naturparadies, wie die neue „Universum“-Dokumentation „Tanganjikasee – Das blaue Herz Afrikas“ von Harald Pokieser am Dienstag, dem 24. Mai 2022, um 20.15 Uhr in ORF 2 zeigt. Der Film entstand als Koproduktion von ORF, ZDF/ARTE, Cosmos Factory und ORF-Enterprise.

Der Tanganjikasee ist seit seiner Entstehung vor 15 Millionen Jahren niemals ausgetrocknet. Die Evolution hatte also alle Zeit der Welt, um eine bunte Vielfalt an Lebewesen entstehen zu lassen. Wie in einem tropischen Meer leben im warmen Wasser des Tanganjikasees Schwämme, Krebse, Garnelen und Schnecken. Wissenschafter/innen aus aller Welt kommen aber zum See, um an den mehr als 200 meist sehr unterschiedlichen Arten von Buntbarschen zu forschen. Manche Buntbarsche brüten ihre Eier im Maul aus, andere in leeren Schneckenhäusern, der kleinste Buntbarsch ist gerade so groß wie ein Fingernagel. Der größte dieser Familie ist ein Raubfisch und gut 70 Zentimeter lang. Biologen der Universität Graz, die seit Jahrzehnten am Südufer in Sambia arbeiten, verfügen mittlerweile über eine vollständige Gendatenbank aller bekannten Arten. Darin können sie wie in einer Bibliothek über die Evolution der Buntbarsche lesen und auf diese Weise alle Gene isolieren. So finden die Forscher/innen heraus, wie eine neue Art entsteht. Ein weiteres Naturwunder im Tanganjikasee sind riesige Schwärme von Süßwassersardinen – die Lebensgrundlage Hunderttausender Menschen an den Seeufern. Auch ihr Abenteuer begann vor Urzeiten, als sie vom Meer in die Flüsse Afrikas wanderten.

Geologisch betrachtet ist der Tanganjikasee der größte Canyon der Welt, 670 Kilometer lang und bis zu 1.400 Meter tief. An den Ufern ragen Felswände und Bergketten in den Himmel. Das schönste und höchste Gebirge liegt im Mahale-Mountains-Nationalpark. In den unberührten Bergwäldern von Mahale leben mehr als 1.000 Schimpansen und eine Vielzahl anderer Primaten wie Steppenpaviane und Uganda-Stummelaffen. Mahale ist von einer noch größeren Wildnis umgeben und ebenso unzugänglich wie der Nsumbu-Nationalpark in Sambia. Der Park im Süden des Sees schützt türkisfarbige Buchten mit Flusspferden und Krokodilen, Sümpfe, Auwälder und eine 2.000 Quadratkilometer große Trockensavanne. Anders als Mahale wurde Nsumbu in der Vergangenheit von Wilderern praktisch leergeschossen. Dank einer Initiative des sambischen Ökologen Craig Zytkow konnte das Schutzgebiet im letzten Augenblick gerettet werden. 2021 wurden in einer abenteuerlichen Aktion 200 Kaffernbüffel und 40 Zebras in den Park transportiert und dort freigelassen. Dank Unterstützung der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft gibt es zudem neue Fahrzeuge und gut ausgebildete Ranger. Seither können Büffel, Zebras und Antilopen wieder ungestört durch die Savanne ziehen und auch die letzte Elefantenherde des Tanganjikasees wagt sich wieder an die Ufer.

Den Schutz hat der See dringend nötig. Die Bevölkerung wächst, die Fischbestände gehen dramatisch zurück. Zudem ist der Wasserstand des Tanganjikasees auf Rekordniveau, ganze Strände sind verschwunden und viele Dörfer überschwemmt. Eine Ursache ist die Erosion durch das Abholzen der Uferwälder. Aber auch der Klimawandel und immer stärkere Regenfälle könnten eine Rolle spielen. Das berühmteste Schutzgebiet am Tanganjikasee ist der Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania im Nordosten des Sees. Hier verbrachte Jane Goodall ihr Forscherinnenleben, hier beobachtete sie seit den 1960er Jahren Schimpansen und schrieb ihre berühmten Bücher. Weniger bekannt, aber ebenso spannend sind die Anubispaviane von Gombe, die ebenfalls seit Jahrzehnten erforscht werden.

Regisseur Harald Pokieser: „Wenn ich gefragt werde, wo es mir am besten gefällt, sage ich meistens ‚am Tanganjikasee‘. Man steht vor dieser riesigen Wasserfläche auf einem weißen Sandstrand, das Wasser ist warm und klar wie in der Karibik. Da denkt man sich, anderswo würde hier ein Hotel neben dem anderen stehen, aber hier hast du Mühe, ein Quartier zu finden. Nirgendwo siehst du Bananenboote, Paraglider oder Windsurfer. Es ist, als hätten die Reisbüros einen der schönsten und größten Seen der Welt einfach übersehen.“

Christian Sturmbauer, Institut für Zoologie, Universität Graz: „Für uns Evolutionsforscher ist der See mindestens so bedeutend wie die berühmten Galapagosinseln. Dort haben sich in Isolation über Millionen Jahre aus einer Art elf Arten von Galapagos-Finken entwickelt. Am Tanganjikasee hat die Evolution aber 240 Buntbarscharten hervorgebracht. Das ist einzigartig.“

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