Leistungstarif 2027: Das ändert sich für Stromkunden
Leistungstarif 2027: Das ändert sich für Stromkunden
Ab 2027 soll für Haushalte eine neue Strom-Tarifstruktur eingeführt werden. Die Netzbetreiber empfehlen, sich schon jetzt über das eigene Verbrauchsverhalten zu informieren.
Tiefgreifende Änderungen stehen schon demnächst bei den Stromnetzentgelten bevor: Ab Jänner 2027 soll die bisherige Tarifstruktur durch einen sogenannten Leistungstarif abgelöst werden, wie es ihn für Industrie und Gewerbe in ähnlicher Form schon heute gibt. Für die Höhe des Entgelts wird dann nicht mehr nur die verbrauchte Strommenge maßgeblich sein, sondern auch die maximal in Anspruch genommene Leistung. Die Netzbetreiber begrüßen die aktuellen Pläne. „Der Leistungstarif führt zu mehr Fairness und stärkt die Versorgungssicherheit“, erklärte der Geschäftsführer von Netz Niederösterreich, Werner Hengst, beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am 17. April 2026.
Die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, Brigitte Ederer, hob die neuen Möglichkeiten hervor, die dadurch für Konsumenten und Konsumentinnen entstehen:
„„Wer darauf achtet, nicht allzu viele Geräte gleichzeitig in Betrieb zu nehmen und seinen Verbrauch gleichmäßig verteilt, soll profitieren. Das sehe ich auch verteilungspolitisch positiv, denn Haushalte mit höheren Einkommen haben in der Regel auch mehr Elektrogeräte und nehmen daher die Netze stärker in Anspruch. Konkret wird das allerdings davon abhängen, wie der Tarif im Detail gestaltet wird.“
FAIRNESS UND EFFIZIENZ
Der Leistungstarif ist eine Antwort auf die steigenden Herausforderungen an die Netzinfrastruktur. Die Beanspruchung der Netze steigt durch die natürlichen Schwankungen bei der Produktion von Wind- und Sonnenstrom ebenso wie durch die E-Mobilität oder durch die Zunahme von Wärmepumpen. „Der Umbau unseres Energiesystems ist grundsätzlich sehr zu begrüßen“, betont Hengst, „die Netze sehen es auch als ihre Aufgabe, die Transformation in Richtung Klimaschutz weiter zu beschleunigen. Dabei müssen aber alle Möglichkeiten genutzt werden, um das System effizient und vor allem fair zu gestalten.“
Bisher war die einzig variable Größe beim Strompreis die verbrauchte Menge. Für die Beanspruchung der Netze wird derzeit noch lediglich eine fixe Pauschale eingehoben. Künftig soll auch die maximal beanspruchte Leistung mit einbezogen werden, denn davon hängt es ab, wie stark die Netze belastet werden. Das beste Beispiel liefert das Laden eines E-Mobils: Wer sein Auto mit einer Strommenge von 50 Kilowattstunden beladen will, kann das langsam über Nacht tun oder aber im Schnellverfahren innerhalb von 2 Stunden. Im einen Fall würde er über eine längere Zeit nicht mehr als 5 kW Leistung anfordern, im anderen Fall eine Leistungsspitze von 25 kW benötigen. Derzeit wäre der Strompreis in beiden Fällen der gleiche. Künftig sollen die Schnell-Lader für die höhere Beanspruchung der Infrastruktur auch einen höheren Beitrag leisten. Hengst: „Damit schaffen wir mehr Fairness im System. Haushalte, die ihren Stromverbrauch gleichmäßig verteilen, sollen profitieren.“
Der Leistungstarif soll Anreize für flexibles Verbrauchsverhalten schaffen, wodurch Lastspitzen reduziert werden und der Netzausbau effizienter gestaltet werden kann.
SMART METER ALS VORAUSSETZUNG
Technische Grundlage für den Leistungstarif sind Smart Meter, digitale Stromzähler, die den Stromverbrauch in Viertelstundenintervallen messen. Für die Abrechnung soll die höchste gemessene gemittelte Viertelstunden-Leistung innerhalb eines Monats herangezogen werden. Die Werte sind für die Kundinnen und Kunden transparent nachvollziehbar. Sie können also ihr Nutzungsverhalten aktiv steuern und so gezielt Kosten beeinflussen. So könnte es sinnvoll sein, Waschmaschine, Geschirrspüler, Wäschetrockner und Backrohr nur zeitversetzt in Betrieb zu nehmen.
Hengst empfiehlt allen Stromkunden und -kundinnen, sich schon jetzt mit den eigenen Verbrauchsdaten auseinanderzusetzen, was über die Online-Portale des jeweils zuständigen Netzbetreibers möglich ist: „Für eine typische Wohnungskunden mit einem gleichmäßigen Stromverbrauch wird es laut unserem Wissensstand zu keinen Mehrkosten kommen. Für Haushalte, die ein E-Mobil, eine Wärmepumpe oder sonst ein Gerät mit hoher Leistung besitzen, könnte es hingegen interessant sein, das eigene Verbrauchsverhaltens genauer zu prüfen.“ Zusätzlich entwickeln Wiener Netze und Netz NÖ derzeit eine App, die das Beobachten des eigenen Verbrauchs erleichtert.
Die konkrete Ausgestaltung des Leistungstarifs ist noch offen. Das neue E-Wirtschaftsgesetz (ElWG) hat die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen. Am Zug ist jetzt die Regulierungsbehörde E-Control, die im Wege von Verordnungen die neue Tarifstruktur festlegen wird. Ziel ist eine praxistaugliche und transparente Umsetzung, die sowohl die Interessen der Kundinnen und Kunden als auch die Anforderungen eines stabilen Energiesystems berücksichtigt.
Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.
Netz Niederösterreich
Mag. Michael Kovarik
Telefon: +43 676 810 32062
E-Mail: michael.kovarik@netz-noe.at
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