Nach Anfragen Informationsfreiheitsgesetz: Tierversuche sollen Staatsgeheimnis bleiben
Nach Anfragen Informationsfreiheitsgesetz: Tierversuche sollen Staatsgeheimnis bleiben
Keine inhaltlichen Antworten der Landesregierungen; ca 500.000 Versuchstiere sterben jedes Jahr in Ö, 7184 Versuchstiere zur Effizienzsteigerung von Tierfabriken 2025 genehmigt
Anlässlich des Welttags für Versuchstiere am 24. April hat der VGT versucht, mittels Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz Näheres über Tierversuche in Österreich zu erfahren. Das Ergebnis ist mager. Wo die ca 200.000 Tiere im Jahr 2024 in Tierversuchen verwendet wurden und die zusätzlich ca. 300.000 Überschusstiere gezüchtet und getötet wurden, soll ein Staatsgeheimnis bleiben. Dafür haben fast alle der Bezirkshauptmannschaften zumindest mitgeteilt, wie viele Anzeigen gegen Tierexperimentator:innen es seit dem neuen Tierversuchsgesetz 2012 gegeben hat: in Vorarlberg, Tirol, der Steiermark, OÖ, Kärnten und dem Burgenland gab es gar keine, in Salzburg 1, in Wien 2 und in NÖ sogar 14. Also 17 Anzeigen in 14 Jahren! Das heißt, entweder die Kontrollen versagen oder die Menschen, die Tierversuche durchführen, halten sich durchgehend vorbildlich an alle Auflagen – was bezweifelt werden darf!
Darauf hat der VGT heute mit einer Aktion am Wiener Stephansplatz aufmerksam gemacht. 9 Versuchs“tiere“ in einem Käfig prangerten an und erinnerten die Öffentlichkeit an das Leiden und Sterben der insgesamt 500.000 (!) Versuchstiere, die allein 2024 in Österreichs Tierversuchslabors gestorben sind. Mit einer gigantischen Lupe wurde darauf aufmerksam gemacht, was für ein Staatsgeheimnis Tierversuche in Österreich sind. Wo und auf welche Weise welche Tiere sterben, darf man offenbar nicht wissen.
Aus dem Jahr 2025 sind lediglich die neu genehmigten Tierversuche bekannt, die Statistik über durchgeführte Tierversuche wird erst in einigen Monaten erwartet. 2025 wurden 599 Tierversuchsprojekte mit insgesamt 977.844 Tieren genehmigt! Da diese Tierversuche aber zumeist über einige Jahre laufen, sind das nicht die für 2025 zu erwartenden Versuchstierzahlen. Erschreckend dabei: 421.150 Versuchstieren soll nach Angaben der Antragsteller:innen selbst mittleres Leid und 95.667 sogar schweres Leid zugefügt werden.
49 im Jahr 2025 genehmigte Tierversuchsprojekte haben den Zweck, die „Nutztier“-Industrie effizienter zu machen. Dazu gehören Futtermittelversuche mit Milchkühen, um das von den Tieren ausgestoßene Methan zu reduzieren, genauso dazu, wie die künstlich hervorgerufene Blutvergiftung bei 48 Hühnern, um den Krankheitsverlauf zu beobachten, oder das Stressen von 192 Hühnern durch u.a. Fixierung in einem Sack oder nächtlichen Nahrungsentzug. Insgesamt sollen 7184 „Nutztiere“ derartigen Tierversuchen ausgesetzt werden.
Einige Beispiele aktuell genehmigter Tierversuche sind:
* An 2.664 Mäusen werden Angststörungen bei Autismus untersucht. Genetisch manipulierten Mäusen, die Autismuspatient:innen entsprechen sollen, werden Elektroden ins Gehirn implantiert.
* 2.410 Zebrafische werden mit pharmazeutischen Wirkstoffen injiziert und dann mit Gel fixiert, um ihre Organe zu scannen.
* 110 Ratten werden durch Trennung von der Mutter depressiv gemacht und durch Tests wie erzwungenes Schwimmen wird geprüft, wie depressiv sie wirklich sind.
* 14.513 Axlotl werden Extremitäten amputiert, um die Regeneration zu beobachten.
* 300 Fledermäusen werden Viren in die Augen gespritzt. Anschließend erkundet man mit Verhaltenstests ihr Sehvermögen.
* 1200 Mäusen und 950 Ratten werden Messsonden ins Gehirn operiert. Nach einer Heilungsphase werden Substanzen verabreicht und ihre Wirkung im Gehirn untersucht.
* 380 Ratten werden die rechten Hinterpfoten operativ gelähmt, um dann über 12 Wochen eine mögliche Nervenregeneration zu beobachten.
* 4.200 Mäusen und 900 Ratten werden Gehirnimplantate einoperiert. Mit Verhaltenstests soll die Aktivität von Neuronen bei der Gedächtnisbildung geprüft werden.
VGT-Obperson DDr. Martin Balluch ist seit 2012 Mitglied der Bundestierversuchskommission und war heute am Stephansplatz dabei: „Diese Beispiele zeigen, warum Tierversuche aus Sicht der Behörden und der Tierversuchsindustrie lieber im Verborgenen ablaufen sollen. Das meiste davon ist für normale Menschen nicht nachvollziehbar. Am meisten machen mich die Tierversuche zur Effizienzsteigerung der Tierfabriksindustrie betroffen. Niemand will Tierfabriken, sie sind schädlich für Gesundheit, Umwelt und Klima, und trotzdem werden 7184 Tiere pro Jahr gequält, um noch mehr Profit aus sogenannten Nutztieren heraus zu pressen. Wie kann bei diesen Versuchen der Nutzen den Schaden überwiegen? Das ist aber für eine Genehmigung des Versuchs unabdingbare Voraussetzung! Es braucht eine weitgehende Reform des Tierversuchsgesetzes, um den ethischen Anforderungen unserer Gesellschaft zu entsprechen!“
Auch in Innsbruck und in Vorarlberg wurden anlässlich des Welttags für Versuchstiere vergangene Woche Aktionen abgehalten.
VGT – VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
DDr. Martin Balluch
Telefon: +43(1) 929 14 98
E-Mail: medien@vgt.at
Website: https://vgt.at
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