„Herr Karl, Sie wurden um 75 Jahre zu spät geboren“

„Herr Karl, Sie wurden um 75 Jahre zu spät geboren“

Das Frauennetzwerk Medien verleiht Snowboarder Benjamin Karl ein „Rosa Handtaschl“.

„Finanziell bin ich der Verantwortliche für diese vier Mäuler. Wenn ich Termine habe, dann muss das Priorität haben. Weil das ist das, was unser Leben finanziert. Da muss sie schon zurückstecken. Da muss man so ehrlich sein.“ O-Ton des Snowboarders Benjamin Karl.

Nicht nur, dass der Begriff „Mäuler“ Familienmitglieder herabwürdigt: „DAS IST EIN FRAUENBILD, DAS JENEM DES ‚HERRN KARL‘ VON HELMUT QUALTINGER WÜRDIG WÄRE“, sagt MARTINA MADNER, Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins BUSINESSART und Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien: „Erschreckend, dass es 75 Jahre später noch immer Männer mit so einem hierarchischen Familienbild gibt.“

Für diese Antithese zur Gleichberechtigung, die Frauen in eine komplette Abhängigkeit von Männern drängt, verleiht das Frauennetzwerk Medien dem Sportler Benjamin Karl ein „Rosa Handtaschl“, also den österreichischen Schmähpreis, mit dem offenkundig sexistische Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens hervorgehoben werden. „Paaren steht es frei, wie sie Erwerbsarbeit und Care-Arbeit aufteilen. Problematisch wird es, wenn daraus ein Machtverhältnis entsteht – und daraus abgeleitet wird, dass Frauen sich unterzuordnen haben. Wer so spricht, betrachtet Abhängigkeit als Normalität. Diese Zeiten sollten längst vorbei sein“, sagt die ORF-Journalistin ALEXANDRA MARITZA WACHTER, ebenfalls Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien.

O-Ton aus dem Monolog von Helmut Qualtinger von 1961: „Die Frau ist der gebende Teil und der Mann der herrschende, das hab‘ ich ihr eh gesagt, wie ma gheiratet haben. Ähnlich Benjamin Karl, der rückblickend auf den Beginn des gemeinsamen Lebens meint: „Sie wollte dieses Leben, das wir jetzt haben, genau so haben.“ Was bei der Hochzeit noch freiwillig erscheint, kann sich im Falle einer Trennung schnell als unfreiwilliger Weg in die Armut entpuppen.

Herr Karl 1961: „I hab mirs halt a bissel gricht damals“. Benjamin Karl 2026: „Das ist mein Leben, das macht mich glücklich.“

DAS „ROSA HANDTASCHL“

Mit diesem Schmähpreis weist das Frauennetzwerk Medien auf Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens hin, deren Frauenbild von offensichtlichem Sexismus geprägt ist. Bewertet werden unterschwellige Angriffe, herabwürdigende Aussagen, klischeehafte Darstellungen oder Ignoranz gegenüber Frauen, ihren Leistungen sowie von Gleichberechtigung.

Mit dem „Rosa Handtaschl“ „ausgezeichnet“ wurden u.a. der heutige Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP), der heutige steirische Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ), Felix Baumgartner, die (ehemaligen) Journalisten Christian Ortner, Richard Schmitt und Werner Mück.

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