Private Träger*innen fordern Gerechtigkeit: Wiens Kinder dürfen kein Zwei-Klassen-System erleben

Private Träger*innen fordern Gerechtigkeit: Wiens Kinder dürfen kein Zwei-Klassen-System erleben

Die aktuellen Zahlen der Stadt Wien zur Finanzierung von Kindergartenplätzen bestätigen, was private Träger*innen seit Jahren aufzeigen: ein strukturelles Ungleichgewicht zulasten der privaten Träger*innen. Laut den veröffentlichten Daten kostet ein Platz in einem städtischen Kindergarten durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr, während private Träger*innen lediglich durchschnittlich 9.088 Euro pro Kind erhalten. Die als Begründung genannten knapp 1.500 Inklusionsplätze fallen bei über 30.000 von der Stadt Wien betreuten Kindern rechnerisch kaum ins Gewicht, sodass sich eine nicht zu rechtfertigende finanzielle Differenz ergibt. Bis 2020 war es privaten Träger*innen überhaupt nicht möglich, sogenannte „Integrationsgruppen“ zu führen. Ab 2020 wurden vereinzelt Integrationsgruppen seitens der Behörde genehmigt.

Erst seit dem Kindergartenjahr 2024/25 können in den Regelgruppen der privaten Träger*innen Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf offiziell aufgenommen werden. Um den erhöhten Bildungs- und Betreuungsbedarf abgegolten zu bekommen, braucht es eine ICD-Diagnose und es muss für jedes Kind ein Teilhabeplan erstellt und eingereicht werden. Die Begleitung der Kinder erfolgt bis zur Vorlage einer Diagnose auf Kosten der Träger*innen und erschwert sowohl die Finanz- als auch die Personalplanung.

Für Kinder in Wien (KIWI), die Diakonie Bildung, die Kinderfreunde Wien sowie die St. Nikolausstiftung ist klar: Diese Differenz ist politisch nicht länger vertretbar: „Wir leisten tagtäglich dieselbe pädagogische Arbeit mit deutlich weniger Mitteln – und halten dennoch höchste Qualität und Einsatz aufrecht. Dieses System ist weder fair noch nachhaltig.“

Der Bericht des Stadtrechnungshofs stellt klar, dass die Kostenrechnung der städtischen Kindergärten in den Jahren 2021, 2022 und 2024 unvollständig ist. Außerdem macht er deutlich, dass nicht alle Ausgaben der Stadt Wien in dieser Rechnung berücksichtigt wurden. Die vollständigen_ _Kosten sind somit noch höher. „Es sind Steuergelder, die hier eingesetzt werden. Diese müssen gleich und gerecht verteilt werden. Die Stadt kann sich nicht selbst höhere Mittel zuschreiben, während private Träger*innen strukturell benachteiligt werden“, so die Geschäftsführungen der privaten Träger*innen.

Sie kritisieren außerdem die ungleichen Rahmenbedingungen für Beschäftigte: Während in städtischen Einrichtungen das stadteigene Gehaltsschema gilt, werden Mitarbeiter*innen bei den meisten privaten Träger*innen nach dem Mindestlohntarif für private Bildungseinrichtungen bezahlt – gleicher Lohn für gleiche Arbeit kann mit den aktuellen Fördergeldern aber nicht realisiert werden. Somit ist diese Ungleichbehandlung weder gegenüber den Beschäftigten noch gegenüber den Kindern gerecht.

Die Organisationen fordern daher mit Nachdruck:

* ein rasches, transparentes und faires neues Fördersystem,
* gleiche Rahmenbedingungen für alle Träger*innen,
* kleinere Gruppen und einen besseren Personalschlüssel,
* sowie eine gleiche und faire Bezahlung aller Mitarbeiter*innen.

Darüber hinaus sprechen sich die Träger*innen klar für einen sofortigen und ernsthaften Dialog mit der Stadt Wien aus. „Wir wollen Lösungen – aber dafür braucht es endlich Gespräche auf Augenhöhe und den politischen Willen zur Veränderung.“

Besonders alarmierend ist die Situation der Horte: Diese dürfen nicht weiter zu reinen Betreuungseinrichtungen degradiert oder schleichend zurückgedrängt werden. Horte sind ein unverzichtbarer Teil der Bildungslandschaft und müssen abgesichert werden. Die Träger*innen fordern daher, dass auch Hortangebote, ebenso wie die Gratis-Ganztagsschule, für Eltern kostenfrei zugänglich sind.
Abschließend halten die Träger*innen fest:

Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien
Diakonie Bildung:
Julia Hager, T: 0664 88984971
julia.hager@diakonie.at
www.bildung.diakonie.at

Kinderfreunde Wien:
Julia Lenhard, T: 01 40125-20064
julia.lenhard@wien.kinderfreunde.at
www.wien.kinderfreunde.at

Kinder in Wien (KIWI):
Susanne Borth, T: 01 5267007-20
s.borth@kinderinwien.at
www.kinderinwien.at

St. Nikolausstiftung
Gabriele Zwick, T: 01 51552-3836
g.zwick@nikolausstiftung.at
www.nikolausstiftung.at

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