KI ersetzt keine Beziehung: ÖBVP warnt vor psychischen Risiken durch Chatbots und digitaler Vereinsamung

KI ersetzt keine Beziehung: ÖBVP warnt vor psychischen Risiken durch Chatbots und digitaler Vereinsamung

Psychotherapeut:innen sehen wachsenden Handlungsbedarf bei Jugendlichen, sozialen Medien und emotionaler Bindung an KI-Systeme

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Alltag aller Menschen, auch dort, wo es um emotionale Unterstützung, Einsamkeit und psychische Belastungen geht. Immer mehr Jugendliche und Erwachsene wenden sich an Chatbots, um Trost, Orientierung oder sogar psychotherapeutisch anmutende Gespräche zu erhalten. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) sieht diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit und mahnt zu einer differenzierten gesellschaftlichen Debatte.

„Psychotherapie basiert auf echter menschlicher Beziehung, auf Resonanz, Verantwortung und einem sicheren psychotherapeutischen Rahmen. Eine KI kann menschliche Begegnung nicht ersetzen“, betont BARBARA HAID, Präsidentin des ÖBVP.

Gerade junge Menschen verbringen heute einen erheblichen Teil ihrer sozialen Zeit online. Aktuelle internationale Studien zeigen, dass soziale Medien zwar als Ort von Unterhaltung und Zugehörigkeit erlebt werden, gleichzeitig aber auch mit Schlafproblemen, sozialem Druck, Cybermobbing und emotionaler Überforderung verbunden sind. Eine aktuelle Erhebung des Pew Research Center unter Jugendlichen in den USA zeigt etwa, dass viele Jugendliche sozialen Druck erleben, ständig online erreichbar zu sein, während Eltern den Einfluss sozialer Medien auf psychische Gesundheit zunehmend kritisch sehen.

Aus psychotherapeutischer Sicht entsteht dadurch eine neue Form emotionaler Abhängigkeit: Menschen wenden sich in Momenten von Einsamkeit oder psychischer Belastung verstärkt digitalen Systemen zu, die Aufmerksamkeit simulieren, aber keine echte Beziehung anbieten können.

„Wenn Chatbots zu primären Gesprächspartnern werden, besteht trotz möglicher unterstützender Potenziale die Gefahr, dass zwischenmenschliche Beziehungen weiter zurückgedrängt werden. Gerade vulnerable Menschen können emotionale Bindungen zu Systemen entwickeln, die weder Verantwortung tragen noch echte Empathie empfinden“, erklärt MARKUS BÖCKLE, Präsidiumsmitglied des ÖBVP und Leiter des Department Forschung im ÖBVP. Der ÖBVP weist darauf hin, dass insbesondere im Bereich „KI und psychische Gesundheit“ noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Viele Entwicklungen verlaufen derzeit schneller als wissenschaftliche Langzeitstudien oder regulatorische Rahmenbedingungen. „Wir brauchen dringend mehr Forschung zu den Risiken und Chancen sowie den psychischen Auswirkungen von KI-gestützten Kommunikationssystemen – insbesondere auf Kinder, Jugendliche und Menschen in Krisensituationen. Derzeit fehlen in vielen Bereichen belastbare Zahlen und langfristige Erkenntnisse“, so BÖCKLE.

Auch der zunehmende Einsatz KI-generierter Inhalte auf sozialen Plattformen verändert die Wahrnehmung von Realität, Nähe und Selbstbild. Psychotherapeut:innen beobachten bereits heute steigenden Druck durch permanente Vergleichbarkeit, digitale Idealisierung und das Gefühl, ständig verfügbar sein zu müssen. Der ÖBVP betont daher die Bedeutung echter sozialer Beziehungen, psychotherapeutischer Versorgung und digitaler Gesundheitskompetenz. KI könne in einzelnen Bereichen unterstützend wirken, bei organisatorischen Abläufen, beim Strukturieren eigener Gedanken und in der Psychoedukation. Gleichzeitig sollte die KI aber niemals den Eindruck vermitteln, professionelle Psychotherapie oder menschliche Beziehung ersetzen zu können.

„Gerade in einer Zeit zunehmender Digitalisierung braucht es Räume echter Begegnung. Psychische Gesundheit entsteht nicht durch Algorithmen, sondern durch Beziehung, Sicherheit und menschliches Verstehen“, so HAID abschließend.

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Fabienne Patek, MSc
Telefon: +43 676 306 59 41
E-Mail: oebvp.patek@psychotherapie.at
Website: https://www.psychotherapie.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender