Einsamkeit als Herausforderung für psychische Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Einsamkeit als Herausforderung für psychische Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt
ÖBVP fordert stärkere gesundheitspolitische Maßnahmen gegen Einsamkeit – Barbara Haid thematisiert den Teufelskreis Einsamkeit beim AHF in Schladming
Einsamkeit entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderung. Der ÖSTERREICHISCHE BUNDESVERBAND FÜR PSYCHOTHERAPIE (ÖBVP) fordert daher eine stärkere gesundheitspolitische Verankerung von Maßnahmen zur Prävention und Reduktion von Einsamkeit sowie den weiteren Ausbau niederschwelliger psychotherapeutischer Versorgungsangebote.
Anlässlich des Austrian Health Forums in Schladming widmet sich Barbara Haid, Präsidentin des ÖBVP, in einem Workshop gemeinsam mit namhaften Referent:innen dem Thema „Der Teufelskreis der Einsamkeit“ und beleuchtet Einsamkeit aus psychotherapeutischer Perspektive. Im Mittelpunkt stehen jene psychischen Prozesse, die soziale Isolation verstärken und Einsamkeit langfristig aufrechterhalten.
Einsamkeit beschreibt nicht das bloße Fehlen sozialer Kontakte. Psychotherapeutisch gesehen handelt es sich vielmehr um das subjektive Erleben mangelnder Verbundenheit und Zugehörigkeit. Die Anzahl zwischenmenschlicher Beziehungen ist weniger entscheidend als deren Qualität und das individuelle Erleben von Nähe, Sicherheit und sozialer Einbindung. „Der Mensch ist auf Beziehung und soziale Verbundenheit angewiesen. Das ist seine conditio humana“, betont ÖBVP-Präsidentin BARBARA HAID. „Einsamkeit ist kein individuelles Defizit, sondern ein zutiefst menschliches Erleben, das auf grundlegende Bedürfnisse nach Beziehung, Zugehörigkeit und sozialer Teilhabe verweist. Frühzeitige Unterstützung und gut zugängliche psychotherapeutische Angebote sind zentrale Voraussetzungen, um psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken.“
In der psychotherapeutischen Praxis zeigt sich häufig ein sich selbst verstärkender Prozess: Menschen ziehen sich aufgrund negativer sozialer Erwartungen, Scham oder belastender Erfahrungen zurück, soziale Kontakte nehmen ab und das Erleben von Einsamkeit verstärkt sich. Psychotherapeutische Erfahrungen zeigen zudem, dass chronische Einsamkeit häufig mit depressiver Symptomatik, Angstbelastungen, psychosomatischen Beschwerden oder Suchterkrankungen einhergeht. „Einsamkeit darf daher nicht als individuelles Belastungserleben, sondern auch als gesundheitspolitische und gesellschaftliche Herausforderung verstanden werden“, so HAID.
Psychotherapie leistet einen wesentlichen Beitrag, belastende Denk- und Beziehungsmuster zu reflektieren, soziale Erfahrungen wieder zu ermöglichen und neue Formen von Verbundenheit zu entwickeln. Die psychotherapeutische Beziehung schafft dabei einen geschützten Rahmen, in dem Vertrauen und korrigierende Beziehungserfahrungen entstehen können.
Für WOLFGANG SCHIMBÖCK, Vizepräsident des ÖBVP, braucht die Auseinandersetzung mit Einsamkeit neben individueller Unterstützung vor allem strukturelle Antworten: „Psychische Gesundheit entsteht nicht losgelöst vom sozialen Umfeld. Prävention, soziale Teilhabe und eine gut ausgebaute psychotherapeutische Versorgung sind wesentliche Voraussetzungen, um Einsamkeit wirksam zu begegnen und gesellschaftlichen Zusammenhalt langfristig zu stärken.“
Der ÖBVP spricht sich daher für eine verstärkte öffentliche Sensibilisierung für Einsamkeit sowie für den weiteren Ausbau psychotherapeutischer Versorgungsstrukturen aus. Psychische Gesundheit und soziale Verbundenheit bilden wesentliche Voraussetzungen für individuelle Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Fabienne Patek, MSc
Telefon: +43 676 306 59 41
E-Mail: oebvp.patek@psychotherapie.at
Website: https://www.psychotherapie.at/
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