SPÖ startet Schulterschluss mit Zivilgesellschaft – Babler/Herr: „Gemeinsam gegen Gewalt an Kindern!“
SPÖ startet Schulterschluss mit Zivilgesellschaft – Babler/Herr: „Gemeinsam gegen Gewalt an Kindern!“
Scharfe Kritik an FPÖ-Chef, der Gewalt an Kindern verharmlost – Babler: „Entschuldigen Sie sich bei Kindern, Herr Kickl!“ – Jetzt Petition gegen Gewalt an Kindern unterschreiben
Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Gewalt an Kindern“ hat die SPÖ heute, Mittwoch, einen Schulterschluss mit der Zivilgesellschaft gestartet. Anlass ist eine Bierzelt-Rede von FPÖ-Chef Kickl, in der er Gewalt an Kindern verharmlost hat. Im Rahmen einer gemeinsamen Medienaktion haben SPÖ-Vorsitzender, Vizekanzler Andreas Babler und SPÖ-Klubvize Julia Herr die Aussagen des FPÖ-Chefs scharf verurteilt und eine Entschuldigung von Kickl gefordert. Gemeinsam mit Thomas Graf vom Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren, Daniela Gruber-Pruner von den Kinderfreunden und Ruben Pfundner von den Roten Falken haben Andreas Babler und Julia Herr bekräftigt, dass Kinder gut behütet und in Sicherheit aufwachsen müssen, um sich frei entfalten zu können. „Allen Kindern alle Rechte – Gewalt darf in Österreich keinen Platz haben!“, so Babler und Herr, die Kickl direkt adressierten: „Distanzieren Sie sich von Ihren Aussagen und entschuldigen Sie sich bei den Familien in Österreich, Herr Kickl. Entschuldigen Sie sich bei den Kindern!“ Wer den Schulterschluss unterstützen möchte, kann jetzt die Petition gegen Gewalt an Kindern unterschreiben. ****
Anlass für den „Schulterschluss gegen Gewalt an Kindern“ sind Aussagen von FPÖ-Chef Kickl bei einer FPÖ-Kundgebung am 1. Mai in Linz. Kickl verherrlichte darin frühere Zeiten, in denen noch „nachgeholfen“ werden konnte, wenn ein Kind „nicht gespurt“ habe. Gleichzeitig deutete Kickl mit seiner Hand eine Watsche an. „Ich sage es in aller Klarheit: Kickl hat eine rote Linie überschritten!“, so Babler, der betonte, dass die SPÖ „Gewalt an Kindern ein Stopp-Schild aufstellt“.
Babler bezeichnet Kickls Aussagen und Gesten als Verhöhnung: „Kickl verhöhnt geltende Gesetze, internationale Konventionen und jahrzehntelange Initiativen der Zivilgesellschaft“, so der SPÖ-Chef, der festhielt, dass sich Kickl damit in eine Reihe mit Staaten wie Botswana, Eritrea, Saudi-Arabien und Pakistan reiht, wo Gewalt gegen Kinder nicht verboten ist. „Die FPÖ muss schleunigst auf den Boden der Menschlichkeit, der Vernunft und der Verfassung zurückkehren. Das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit ist eines unserer höchsten Güter“, so Babler, der betonte: „Wer dieses Recht in Frage stellt, hat in einem öffentlichen Amt nichts verloren!“
Anspruch der SPÖ ist es, allen Kindern alle Chancen zu geben, sich frei entfalten zu können, betonte Babler. Darum habe die SPÖ konkrete Schritte im Regierungsprogramm wie die Kindergrundsicherung verankert. „Allen Kindern alle Rechte zu geben, heißt, die Zukunftssicherung für Kinder umzusetzen“, sagte Babler. „Wir bekämpfen Kinderarmut durch den Unterhaltsgarantiefonds, wir bauen die Kinderbetreuung aus und wir schützen Frauen und Kinder vor Gewalt. Keine Frau, kein Kind soll Angst vor Gewalt haben müssen, darum haben wir den Nationalen Aktionsplan beschlossen“, so Babler.
SPÖ-Klubvize Julia Herr betonte, dass die SPÖ Kickls Aussagen auf die Tagesordnung von Nationalrat und Bundesrat gesetzt hat. „Wir lassen solche Aussagen nicht unwidersprochen stehen. Wir haben den FPÖ-Abgeordneten die Chance gegeben, sich von Kickls gewaltverherrlichenden Aussagen zu distanzieren“, so Herr über den Antrag zu einem Bekenntnis für gewaltfreie Erziehung. „Wir haben diesen Antrag zweimal eingebracht – im Nationalrat und im Bundesrat. Zweimal hätte die FPÖ klarstellen können, dass Kickls Aussagen falsch waren und sich zum Schutz von Kindern bekennen können. Zweimal hat es die FPÖ nicht getan, die FPÖ steht noch immer hinter dieser Aussage“, so Herr. Scharfe Kritik äußerte Herr auch am Abstimmungsverhalten der FPÖ im Parlament: Als es nach dem schrecklichen Amoklauf von Graz darum ging, das Waffengesetz zu verschärfen, war die FPÖ dagegen – „auch hier geht es um den Schutz von Kindern, auch hier hat die FPÖ nicht mitgestimmt“, so Herr.
Der Psychologe und Leiter eines Kinderschutzzentrums Thomas Graf betonte: „Das Gewaltverbot in Bildung und Erziehung zählt zu wichtigsten gesellschaftspolitischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Kinder haben ein Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen.“ Gewalt erhöhe das Risiko, dass Kinder später Konflikte ebenfalls mit Gewalt austragen und habe langfristig gesundheitliche Folgen für die betroffenen Kinder. „Kinderschutz ist Gewaltprävention für die Zukunft!“, so Graf. „Eine Bagatellisierung von Gewalt an Kindern relativiert das Leid der Betroffenen. Eltern, Pädagog*innen und politische Entscheidungsträger haben eine massive Vorbildwirkung. Wer Gewalt relativiert oder rechtfertigt, sendet das absolut falsche Signal. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, so einen Sager nicht einfach stehenzulassen und gemeinsam gegen Gewalt an Kindern aufzustehen“, so Graf.
Kinderfreunde-Bundesgeschäftsführerin Daniela Gruber-Pruner betonte, dass Österreich bei den Kinderrechten viel erreicht habe und oftmals weltweiter Vorreiter in Sachen Kinderschutz war: vom gesetzlichen Verbot von Gewalt im Unterricht in den 1970er-Jahren, dem Gesetz zur gewaltlosen Erziehung 1989 und der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention und der Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung. „Gewalt an Kindern ist in Österreich verboten, über diese gesetzlichen Grundlagen kann man nicht diskutieren“, so Gruber-Pruner. Die Kinderfreunde vermitteln Kindern, wie man Konflikte respektvoll und gewaltlos löst. Die Verharmlosung von Gewalt durch Erwachsene in Entscheidungsfunktionen „torpedieren pädagogische Bemühungen. Damit ist eine Linie überschritten“, fordert auch die Kinderfreunde-Geschäftsführerin eine Entschuldigung von FPÖ-Chef Kickl ein.
Der Bundessekretär der Roten Falken Ruben Pfundner, der ehrenamtlicher Freizeitpädagoge ist, sagte, dass es nichts Schöneres gebe als zu sehen, wie aus Kindern selbstbewusste und solidarische Erwachsene werden. „Das geht nur, wenn man das Vertrauen der Kinder in sich und die Welt stärkt. Wer sich Tipps von Kickl holt, schafft nur Angst – und es gibt keinen sichereren Weg als Gewalt, das Vertrauen der Kinder in sich und ihre Bezugspersonen zu zerstören“, so Pfundner.
SERVICE: Hier geht’s zur Petition: https://www.spoe.at/keine-gewalt-an-kindern/
(Schluss) ls/bj
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