Wietersdorfer Gruppe behauptet sich 2025 in schwierigem Umfeld

Wietersdorfer Gruppe behauptet sich 2025 in schwierigem Umfeld

Kärntner Familienunternehmen hält Umsatzbasis trotz eines volatilen Marktumfelds, hohem Wettbewerbsdruck und handelspolitischer Unsicherheiten nahezu stabil.

DIE WIETERSDORFER GRUPPE BLICKT AUF EIN HERAUSFORDERNDES GESCHÄFTSJAHR 2025 ZURÜCK. TROTZ GEDÄMPFTER WELTKONJUNKTUR, SCHWACHER BAU- UND INDUSTRIEIMPULSE SOWIE VOLATILER INTERNATIONALER PROJEKTMÄRKTE HIELT DAS KÄRNTNER FAMILIENUNTERNEHMEN SEINE UMSATZBASIS WEITGEHEND STABIL. DER WELTWEITE GRUPPENUMSATZ LAG 2025 BEI 1,09 MILLIARDEN EURO UND DAMIT UM 1,3 PROZENT UNTER DEM VORJAHR. NACH MEHREREN INTERNATIONALISIERUNGSSCHRITTEN STANDEN IM ABGELAUFENEN GESCHÄFTSJAHR DIE INTEGRATION NEUER GESELLSCHAFTEN, DIE AKTIVE PORTFOLIO-STEUERUNG SOWIE EIN KONSEQUENTES KOSTENMANAGEMENT UND EINE INTENSIVE MARKTBEARBEITUNG IM FOKUS.

KONSOLIDIERUNG NACH INTERNATIONALER EXPANSION

Die Wietersdorfer Gruppe hat ihre internationale Präsenz in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut. Nach dem Markteintritt in Afrika, dem Aufbau der Geschäftsaktivitäten in Lateinamerika und dem Eintritt in den australischen Markt lag der Fokus 2025 auf der operativen Konsolidierung. Die Integration neuer Gesellschaften wurde vorangetrieben, Strukturen und Prozesse wurden geschärft und internationale Projektchancen mit Fokus auf Kostendisziplin und intensiver Marktbearbeitung gesteuert. „Das Jahr 2025 war keine Fortschreibung des linearen Wachstums. Nach mehreren Internationalisierungsschritten war es entscheidend, neue Gesellschaften organisatorisch und operativ zu integrieren, Prozesse weiterzuentwickeln und internationale Projektchancen bei gleichzeitig konsequenter Kostenkontrolle und Risikosteuerung zu realisieren“, erklärt Michael Junghans, CEO der Wietersdorfer Gruppe.

EUROPA BLEIBT STÄRKSTER MARKT DER UNTERNEHMENSGRUPPE

Europa blieb auch 2025 der umsatzstärkste Markt der Wietersdorfer Gruppe, die in den fünf Geschäftsfeldern Zement und Beton, Kalk, GFK-Rohrsysteme, PP-Rohrsysteme und Industriemineralien tätig ist. Der Umsatz in Europa belief sich auf 830,7 Millionen Euro. Damit wurden rund 76 Prozent des Gruppenumsatzes in Europa erwirtschaftet. Besonders die Alpe-Adria-Region blieb ein stabiler Faktor der Unternehmensgruppe, die dort vor allem mit den Geschäftsfeldern Zement & Beton, Kalk und Industriemineralien historisch stark verankert ist.

Umsatzstärkstes Land innerhalb der Wietersdorfer Gruppe war 2025 Österreich mit einem Anteil von 15,3 Prozent am Gruppenumsatz und einem Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Umsatzsteigerung ist auf erfolgreiche Marktbearbeitung, Inflationsentwicklungen sowie die Wietersdorfer-Beteiligung am Halbleiterzulieferer Sico Technology zurückzuführen. Die USA blieben mit einem Umsatzanteil von 15 Prozent weiterhin einer der bedeutendsten Einzelmärkte, verzeichneten jedoch nach einem starken Vorjahr einen Rückgang von 7,7 Prozent. Am US-Markt verkaufte die Wietersdorfer Gruppe 2025 zwar mehr Laufmeter an GFK-Rohren, jedoch wurde der Verkaufspreis durch sinkende Rohstoffpreise gedrückt. Italien entwickelte sich mit einem Umsatzanteil von 13,5 Prozent und einem Plus von 37,9 Prozent besonders positiv. Hier spielte die Übernahme des italienischen Zementwerkes Fanna eine besondere Rolle. Deutschland trug 13,1 Prozent zum Gruppenumsatz bei, Slowenien 12,6 Prozent. Spanien legte um 59,7 Prozent zu und profitierte insbesondere von Bewässerungsprojekten und dem Ausbau des Industriegeschäftes. Der Gruppenumsatz lag mit rund 1,09 Milliarden Euro nur leicht unter dem Vorjahr. „Europa blieb trotz herausfordernder Rahmenbedingungen der relevanteste Markt, während internationale Projektmärkte stärker von öffentlichen Investitionszyklen, Preis- und Währungsschwankungen geprägt waren“, betont Hannes Gailer, CFO der Wietersdorfer Gruppe.

ROHRSYSTEME BLEIBEN STRATEGISCHE INTERNATIONALISIERUNGSPLATTFORM

GFK- und PP-Rohrsysteme erzielten zusammen einen Umsatz von 519,7 Millionen Euro und standen damit für knapp die Hälfte des Gruppenumsatzes. Sie sind eng mit globalen Zukunftsthemen wie Trink- und Abwasser, Bewässerung, Entsalzung, Energieversorgung und Infrastrukturausbau verbunden.

Gleichzeitig zeigte sich 2025 erneut die hohe Volatilität internationaler Projektmärkte. Das Auslaufen einzelner Großprojekte aus dem Vorjahr, Preis- und Margendruck, erhöhter Wettbewerbsdruck, Währungseffekte sowie regionale Ausschläge beeinflussten die Entwicklung insbesondere im Geschäftsfeld GFK-Rohrsysteme. „Der weltweite Bedarf an leistungsfähiger Wasser-, Abwasser-, Bewässerungs- und Energieinfrastruktur bleibt weiterhin hoch. Das zeigt sich zum Beispiel am US-amerikanischen Markt: 2025 haben wir mehr Laufmeter GFK-Rohre verkauft als im Vorjahr. Genau hier liegen langfristige Chancen für unsere Rohrsysteme“, so Junghans.

ZEMENT UND BETON MIT DEUTLICHEM WACHSTUM

Die Geschäftsfelder der Wietersdorfer Gruppe entwickelten sich 2025 unterschiedlich. Besonders stark wuchs das Geschäftsfeld Zement und Beton mit einem Umsatz von 323,4 Millionen Euro und einem Plus von 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum wurde unter anderem durch die Übernahme des Zementwerks Fanna sowie durch die starke Position in der Alpe-Adria-Region – Österreich, Italien und Slowenien – getragen.

Das Geschäftsfeld Industriemineralien erwirtschaftete 193,0 Millionen Euro und legte um 4,5 Prozent zu. Der Bereich Kalk entwickelte sich mit 44,3 Millionen Euro und einem Plus von 0,9 Prozent stabil. Die PP-Rohrsysteme erzielten 87,5 Millionen Euro, die GFK-Rohrsysteme 432,1 Millionen Euro. „Die breite Aufstellung über Zement und Beton, Rohrsysteme, Kalk und Industriemineralien ist ein wesentlicher Stabilitätsfaktor. Unterschiedliche Geschäftsmodelle, Regionen und Projektzyklen helfen uns, Ausschläge in einzelnen Märkten besser abzufedern“, so Gailer.

INVESTITIONEN IN STANDORTE, EFFIZIENZ UND DEKARBONISIERUNG FORTGESETZT

Trotz Konsolidierungsjahr investierte die Wietersdorfer Gruppe weiter. Das weltweite Investitionsvolumen belief sich 2025 auf 105,6 Millionen Euro. Davon entfielen 20,7 Millionen Euro auf Österreich und 13,3 Millionen Euro auf Kärnten. Rund 14 Prozent der Gesamtinvestitionen wurden als GreenInvest-Projekte umgesetzt. Zu den gruppenweit größten Investitionsprojekten zählten unter anderem der Ausbau des Standorts Houston (USA) mit einem neuen Bürogebäude im Geschäftsfeld GFK-Rohrsysteme mit einem Investitionsvolumen von 11,2 Millionen Euro sowie im Geschäftsfeld Zement & Beton eine neue Siloanlage am Standort Wietersdorf in Österreich mit einem Volumen von drei Millionen Euro. Diese dient der Entwicklung weiterer nachhaltiger Produkte im Geschäftsfeld Zement und Beton und stärkt die Zukunftsfähigkeit des Kärntner Standorts. „Dass wir in einem Konsolidierungsjahr 105,6 Millionen Euro investiert haben, zeigt unseren langfristigen Anspruch. Wir investieren in effiziente Standorte, nachhaltigere Produkte, Dekarbonisierung und die Zukunftsfähigkeit der Gruppe“, betont Michael Junghans.

GEMEINSAMES FÜHRUNGSVERSTÄNDNIS UND WERTE FÜR 3.783 MITARBEITENDE

Im Geschäftsjahr 2025 beschäftigte die Wietersdorfer Gruppe weltweit 3.783 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon waren 748 in Österreich und 328 in Kärnten tätig. Rund drei Viertel der Beschäftigten arbeiteten in Europa. Die Kärntner Unternehmensgruppe investiert gezielt in die Entwicklung künftiger Management- und Expertenrollen. Das zweijährige Talent-Management-Program wird seit 2024 international angeboten. Insgesamt haben rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Programm absolviert. 2026 wurde der zweite internationale Durchgang gestartet. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen geschäftsfeldübergreifende Zusammenarbeit, internationale Projektarbeit und der Aufbau gemeinsamer Führungsstandards. „Internationalisierung bedeutet nicht nur neue Märkte und Standorte, sondern auch eine Vielfalt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie erfordert damit auch ein gemeinsames Führungsverständnis, klare Werte und eine Zusammenarbeit über Geschäftsfelder und Ländergrenzen hinweg. Genau daran haben wir 2025 weitergearbeitet“, sagt Hannes Gailer.

Innovation und Digitalisierung wurden 2025 weiter vorangetrieben. Ein gruppenweiter KI-Ideenwettbewerb in allen fünf Geschäftsfeldern führte zu acht strategisch relevanten Innovationsprojekten. Im Rahmen einer Learning Journey ins Silicon Valley wurden Projektideen mit internationalen Technologieentwicklungen gespiegelt, Pilotmaßnahmen definiert und die Umsetzung von KI-Projekten in den jeweiligen Geschäftsfeldern gestartet.

AUSBLICK 2026: WACHSTUM ERWARTET, UNSICHERHEITEN BLEIBEN

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet die Wietersdorfer Gruppe weiterhin ein anspruchsvolles Umfeld. Geopolitisch induzierte Kostensteigerungen, hohe Energiepreise, handels- und zollpolitische Unsicherheiten sowie volatile internationale Projektmärkte bleiben herausfordernd. Gleichzeitig verläuft die aktuelle Geschäftsentwicklung wie geplant, wobei positive Impulse in der Geschäftsentwicklung fast nur über M&A und intensive Marktbearbeitung zu erzielen sind.

Aus Sicht der Wietersdorfer Gruppe braucht die Industrie in Europa bessere Rahmenbedingungen, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein. „Europas Industrie braucht verlässliche Rahmenbedingungen, offene Märkte, leistbare Energie und deutlich weniger Bürokratie. Wer Transformation, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit will, muss auch die dafür notwendige Infrastruktur rasch ermöglichen“, betont Gailer. „Für 2026 bleiben wir in der Planung bewusst vorsichtig. Geopolitische Unsicherheiten, volatile Energiepreise sowie handels- und zollpolitische Risiken werden uns weiter stark beschäftigen“, so Junghans abschließend.

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Management.jpg: (Copyright: Wietersdorfer/ Sabine Biedermann): Trotz schwieriger Rahmenbedienungen blicken Michael Junghans (CEO) und Hannes Gailer (CFO) auf ein stabiles Geschäftsjahr 2025 zurück.

Brasilien.jpg: (Copyright: Wietersdorfer): Die Wietersdorfer Gruppe baut weltweit Trinkwasserversorgungssysteme wie hier in Brasilien.

Deutschland.jpg: (Copyright: Amiblu): GFK-Rohrsysteme der Wietersdorfer Gruppe kommen auch beim Bau eines LNG-Terminals in Deutschland zum Einsatz.

Italien.jpg: (Copyright: Alpacem): Zement aus der Wietersdorfer Gruppe kam bei Bau der Bob- und Rodelbahn in Cortina d’Ampezzo in Italien zum Einsatz.

Mag. Michaela Hebein
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