Österreichische Musikuniversitäten und -hochschulen reagieren auf angekündigte Budgetkürzungen
Österreichische Musikuniversitäten und -hochschulen reagieren auf angekündigte Budgetkürzungen
Sorge um die Zukunft Österreichs als Kunst- und Kulturnation
Die österreichischen Musikuniversitäten und -hochschulen – alle Neun, öffentlich wie privat – reagieren auf die angekündigten Budgetkürzungen, das in Frage stellen von Finanzierungsmodellen und die aktuellen Entwicklungen rund um die Hochschulstrategie mit Unverständnis und Sorge um die Zukunft unserer Kunst- und Kulturnation.
MADE IN AUSTRIA
Die österreichischen Musikuniversitäten und -hochschulen haben weltweit einen führenden Ruf in der musikalischen Ausbildung. Dieser Ruf bildet das Fundament für das Musikland Österreich. Er ist das Ergebnis jahrzehntelanger öffentlicher Investition in Infrastruktur, Lehrpersonal und internationale Vernetzung. Das QS World University Ranking 2026 bestätigt dies eindrücklich: Die mdw Wien erreicht mit Rang 6 in Performing Arts das beste Einzelergebnis aller österreichischen Universitäten und Hochschulen. Das Mozarteum Salzburg belegt Platz 17, die Kunstuniversität Graz und weitere heimische Einrichtungen leisten wesentliche Beiträge zu diesem Gesamtbild. Somit belegen die österreichischen Ausbildungsstätten für Musik und darstellende Kunst im internationalen Wettbewerb Spitzenpositionen, um die uns viele Staaten weltweit beneiden. Dieser Vorsprung ist nicht selbstverständlich und er ist vor allem nicht kostenlos zu haben. In einer Zeit in der Künstliche Intelligenz immer mehr Bereiche des Lebens durchdringt, kommt der künstlerischen Ausbildung eine zusätzliche Bedeutung zu. Kreativität, künstlerisches Urteilsvermögen und kulturelle Reflexionsfähigkeit werden für die Gesellschaft und Wirtschaft unersetzlich, je stärker Automatisierung zunimmt.
Die vorgesehenen Budgetkürzungen treffen Musikuniversitäten und Musikhochschulen strukturell härter als andere Bildungseinrichtungen. Einzelunterricht, Ensembleunterricht, Probeninfrastruktur, Auftritte und das Lernen von den Besten in ihrem Fach lassen sich nicht digitalisieren oder zusammenlegen. Das gilt ebenso für die darstellende Kunst wie Theater, Film oder Oper und verwandte Disziplinen. Einsparungen hier sind keine Effizienzgewinne, sondern massive Qualitätsverluste, die sich erst nach Jahren in der internationalen Wahrnehmung und in Rankingdaten niederschlagen, dann aber kaum mehr rückgängig zu machen sind.
Die Gesamtlage ist ernster, als politische Kommunikation bislang suggeriert. Es geht um essenzielle Einschnitte. Die aktuell kolportierten Zahlen bedeuten schon allein für die drei Musikbundesuniversitäten eine Reduktion von rund 20 Prozent des Personals. Auch mit den aktuellen Ankündigungen rund um die Privatuniversitätsfinanzierung erlebt man eine politische Logik, die nicht nachvollziehbar ist. Sie schwächt die Vielfalt des Hochschulsystems in der Musikausbildung österreichweit, gefährdet somit Einrichtungen mit regionaler Verankerung und sendet das falsche Signal an Standorte, die über Jahre von Ländern qualitätsgesichert aufgebaut wurden.
Für die Musikuniversitäten und -hochschulen ist das Eins-zu-eins-Verhältnis im Einzelunterricht das didaktische Herzstück der Ausbildung und für eine fundierte und exzellente Ausbildung junger Künstler_innen unerlässlich. Es geht hier um den Beginn eines massiven strukturellen Qualitätsverlustes.
Auch die gesellschaftliche Relevanz der Musik- bzw. Kunstausbildung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Die Absolvent_innen der österreichischen Musikuniversitäten und -hochschulen sind nicht nur Konzertsolist_innen. Sie sind Musikpädagoginnen und -pädagogen in Schulen und Musikschulen, sie leiten Chöre und Musikkapellen, sie arbeiten in sozialen Einrichtungen. Und sie leisten als Kulturträger_innen etwas, das in Krisenzeiten besonders zählt: Sie stärken durch die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zur künstlerischen Auseinandersetzung gesellschaftliche Resilienz gegenüber gesellschaftlichen Vereinfachungen. Kritisch denkende, kulturell gebildete Menschen sind eine Grundvoraussetzung für eine lebendige Demokratie.
Nicht zuletzt steht auch die künstlerische Forschung auf dem Spiel. Gerade Kunstuniversitäten verfügen über ein einzigartiges interdisziplinäres Potenzial. Sie verbinden künstlerische Praxis mit wissenschaftlicher Reflexion und entwickeln Fragestellungen, die keine andere Disziplin so stellt.
Wir fordern die Bundesregierung auf, die Finanzierung der Universitäten als das zu behandeln, was sie ist: eine Investition in Humankapital, Kultur und gesellschaftliche Resilienz.
Alle neun österreichischen Musikuniversitäten:
Anton Bruckner Privatuniversität
Presse mdw
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Telefon: 0171155-6003
E-Mail: presse@mdw.ac.at
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