Analyse der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt: So viele Menschen wie jetzt sind noch nie krank zur Arbeit gegangen
Analyse der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt: So viele Menschen wie jetzt sind noch nie krank zur Arbeit gegangen
WÄHREND DIE ZAHL DER KRANKENSTÄNDE RÜCKLÄUFIG IST, GINGEN 2025 FAST DREI VIERTEL DER OÖ. BESCHÄFTIGTEN KRANK ARBEITEN. DIE GRÜNDE DAFÜR SIND VIELFÄLTIG. SIE REICHEN VOM PFLICHTGEFÜHL GEGENÜBER DEN KOLLEG:INNEN BIS HIN ZUR ANGST VOR KONSEQUENZEN IM BETRIEB. DIESE ENTWICKLUNG IST MIT ERHEBLICHEN GESUNDHEITLICHEN RISIKEN FÜR DIE BESCHÄFTIGTEN VERBUNDEN. DENNOCH WERDEN ARBEITNEHMER:INNEN IMMER WIEDER PAUSCHAL UNTER VERDACHT GESTELLT, IHREN KRANKENSTAND ZU MISSBRAUCHEN.
„Diese Debatte muss zurückgewiesen werden. Krankenstände sind häufig die Folge von steigenden Belastungen und schlechten Arbeitsbedingungen. Daher braucht es bessere Arbeitsbedingungen, wirksame Prävention und eine deutliche Verkürzung der Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitssystem“, so AK-Präsident Andreas Stangl der auch darauf hinweist, dass die Krankenstandstage sinken, obwohl sich die Gesundheitsversorgung deutlich verschlechtert hat und die Wartezeiten inakzeptabel lange sind.
In der öffentlichen Debatte werden immer wieder schärfere Maßnahmen gegen vermeintlichen Missbrauch von Krankenständen und Sozialleistungen gefordert. Dabei wird häufig der Eindruck erweckt, Beschäftigte würden Krankenstände in größerem Ausmaß missbräuchlich nutzen. Ein Blick auf die verfügbaren Daten zeigt jedoch, dass diese Darstellung nicht den Tatsachen entspricht.
Fakt ist: Die Zahl der Krankenstandstage ist rückläufig. Den Höchststand gab es 1980 mit 17,4 Tagen, während 2006 ein Tiefstand von 12 Tagen verzeichnet wurde. In Oberösterreich betrug die durchschnittliche Krankenstandsdauer der ÖGK-Versicherten im Jahr 2025 15,4 Tage, ein leichter Rückgang zu 2024 (15,5 Tage). Auffällig sind deutliche Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbranchen: Besonders hohe Werte zeigen sich in Berufen, die durch hohe körperliche Belastung oder psychische Anforderungen geprägt sind. Dabei weisen die Arbeitskräfteüberlassung mit durchschnittlich 21 Krankenstandstagen und der Bereich Post-, Kurier- und Expressdienste mit 20,7 Tage die höchste Anzahl auf. „Ein klarer Hinweis auf die belastenden Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen“, so Präsident Stangl.
Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt eine dramatische Verschärfung der Situation. Seit 2015 hat sich der Anteil der Menschen, die krank arbeiten, mehr als verdoppelt. Während 2015 noch rund 30 Prozent der Beschäftigten trotz gesundheitlicher Einschränkungen arbeiten ging, stieg dieser Wert bis 2020 auf mehr als 50 Prozent. Mittlerweile ist der Anteil jener, die krank zur Arbeit gehen, in Oberösterreich auf 72 Prozent angestiegen.
Mitverantwortlich für Präsentismus, so der Fachausdruck, wenn man krank zur Arbeit geht, ist die hohe Arbeitsbelastung. Darüber hinaus machen Personalmangel und hoher Termindruck den Beschäftigten große Sorgen. Mehr als ein Viertel (fast 27 Prozent) der Arbeitnehmer:innen fühlt sich einer (starken) Belastung durch Zeitdruck ausgesetzt und mehr als ein Fünftel (21 Prozent) gibt an, durch Arbeitsdruck (stark) belastet zu sein. Arbeitsdruck und Präsentismus stehen in engem Zusammenhang: 94 Prozent der Personen, die sich durch Arbeitsdruck (stark) belastet fühlen, gehen trotz Krankheit zur Arbeit. Bei Beschäftigten mit geringer oder keiner Belastung liegt dieser Anteil mit 66 Prozent deutlich niedriger.
Präsentismus hat auch gravierende Folgen für die Gesundheit. Fast die Hälfte der Beschäftigten (45 Prozent) in OÖ gibt an, öfter abgeschlagen zu sein, mehr als ein Viertel (29 Prozent) war bei der Arbeit unkonzentriert und mehr als ein Fünftel (22 Prozent) war länger krank als notwendig. Besorgniserregend ist, dass 13 Prozent der Betroffenen einen Rückfall hatten und 10 Prozent später mit stärkeren gesundheitlichen Problemen kämpften.
DIE FORDERUNGEN DER ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICH:
* Es braucht eine gerechte, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Oberösterreich.
* Wartezeiten auf Leistungen der öffentlichen Gesundheitsversorgung müssen in allen Bereichen drastisch reduziert werden. Es braucht eine faire und transparente Terminvergabe bei geplanten Operationen.
* Es darf keine Verschlechterungen im Bereich der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall geben. Überlegungen, die ersten Krankenstandstage als unbezahlte Urlaubstage oder Karenztage zu deklarieren, sind entschieden zurückzuweisen.
* Es braucht einen Kündigungsschutz während des Krankenstandes.
* Es müssen verstärkt Investitionen in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung sowie strukturelle Maßnahmen wie ausreichende Personalausstattung gesetzt werden.
Hier finden Sie die ausführliche Pressekonferenzunterlage sowie ein Foto von AK-Präsident Andreas Stangl und MMag. Dr. Dennis Tamesberger, Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik.
Arbeiterkammer Oberösterreich
Mag. Michael Petermair
Telefon: +43 (0)664 88 28 19 31
E-Mail: michael.petermair@akooe.at
Website: https://ooe.arbeiterkammer.at/impressum.html
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender