Neue Gentherapie am St. Anna Kinderspital: Hoffnung für Kinder und Jugendliche mit Sichelzellkrankheit und schwerer Beta-Thalassämie
Neue Gentherapie am St. Anna Kinderspital: Hoffnung für Kinder und Jugendliche mit Sichelzellkrankheit und schwerer Beta-Thalassämie
Innovative CRISPR/Cas9-Therapie künftig auch in Wien verfügbar
Das St. Anna Kinderspital erweitert sein medizinisches Angebot um eine der innovativsten Therapieformen: Künftig wird auch eine Gentherapie für Kinder und Jugendliche mit schweren Formen der Sichelzellkrankheit und schwerer Beta-Thalassämien angeboten. Die ersten Patient*innen könnten bereits im Herbst behandelt werden. Die Therapie wird in Österreich nur an wenigen spezialisierten Zentren verfügbar sein – darunter Wien und Innsbruck.
Zum Einsatz kommt die Gentherapie CASGEVY®, die auf der CRISPR/Cas9-Technologie basiert. Die 2024 von der Europäischen Kommission zugelassene Therapie ist die erste Gentherapie dieser Art in Europa. Dabei werden körpereigene Stammzellen genetisch verändert, um die Bildung von gesundem Hämoglobin (rotem Blutfarbstoff) wieder zu ermöglichen.
„Mit dem Ausbau innovativer Therapien schaffen wir neue Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit schweren Erkrankungen. Unser Ziel ist es, betroffenen Familien Zugang zu hochspezialisierter Medizin auf modernstem Niveau zu bieten“, so Univ.-Prof.in DDr.in Caroline Hutter, Ärztliche Direktorin des St. Anna Kinderspitals.
NEUE PERSPEKTIVEN FÜR SCHWER BETROFFENE PATIENT*INNEN
Sichelzellkrankheit und schwere Beta-Thalassämie sind genetisch bedingte Erkrankungen der Blutbildung. Betroffene leiden unter einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität und benötigen wiederholt Krankenhausaufenthalte. Krankhaft veränderte rote Blutkörperchen führen bei Sichelzellkrankheit zu Gefäßverschlüssen mit Schmerzkrisen, Schlaganfällen und anderen schwerwiegenden Organschäden, und ohne heilende hämatopoetische Stammzelltransplantation ist die Lebenserwartung auch in der industrialisierten Welt um etwa 20 Jahre reduziert. Patient*innen mit schwerer Beta-Thalassämie benötigen lebenslang regelmäßige Erythrozytentransfusionen (Gabe roter Blutkörperchen). Ein Hauptproblem sind dabei Organschäden durch Eisenüberladung, weshalb eine zum Teil mit Nebenwirkungen behaftete Eiseneliminationstherapie durchgeführt werden muss. Leider stehen nur bei einem Teil der Betroffenen passende Stammzellspender*innen für eine potenziell heilende Therapie zur Verfügung.
„Für Kinder und Jugendliche mit schweren Krankheitsverläufen, für die keine passende Stammzellspende verfügbar ist, eröffnet die Gentherapie erstmals eine neue heilende therapeutische Perspektive“, erklärt Prof. Dr. Leo Kager, Leiter der Ambulanz für Hämatologie und Onkologie am St. Anna Kinderspital und Diagnoseverantwortlicher für die Gentherapie.
Die Behandlung richtet sich an in Österreich versicherte Patient*innen ab zwölf Jahren mit schweren Krankheitsverläufen. Aufgrund der strengen medizinischen Kriterien wird die Zahl der geeigneten Patient*innen zunächst klein sein.
WIE FUNKTIONIERT DIE GENTHERAPIE?
Für die Behandlung werden im Zuge einer Stammzellapherese körpereigene Blutstammzellen entnommen und mittels CRISPR/Cas9-Technologie genetisch so verändert, dass anschließend wieder ein intaktes Hämoglobin produziert werden kann. Nach Verabreichung einer Chemotherapie erhalten die Patient*innen ihre bearbeiteten Stammzellen zurück. Insgesamt dauert der stationäre Aufenthalt mehrere Wochen.
„Die bisherigen Studienergebnisse sind sehr vielversprechend. Im Idealfall verschwinden Schmerzkrisen nahezu vollständig, was für Patient*innen mit Sichelzellerkrankung eine massive Verbesserung der Lebensqualität bedeutet. Patient*innen mit schwerer Beta-Thalassämie benötigen im Idealfall nach einer Gentherapie keine Transfusionen mehr“, so PD Dr. Herbert Pichler, Leiter der Stammzelltransplantation am St. Anna Kinderspital und verantwortlich für die Durchführung der Gentherapie.
Ein wesentlicher Vorteil gegenüber der klassischen allogenen Stammzelltransplantation mit Spenderstammzellen besteht darin, dass durch die Verwendung körpereigener Stammzellen kein Risiko für eine sogenannte Graft-versus-Host-Erkrankung besteht. Dabei handelt es sich um eine schwere Immunreaktion, die durch eine Immunsuppression (Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems) verhindert werden soll. Im Unterschied dazu ist nach einer Gentherapie im Regelfall keine Immunsuppression erforderlich.
ÜBER DAS ST. ANNA KINDERSPITAL
Das St. Anna Kinderspital zählt insbesondere in der Behandlung kindlicher Blut- und Tumorerkrankungen zu den führenden Zentren Österreichs. Das St. Anna Kinderspital ist gemeinsam mit der Abteilung für Hämostaseologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien zudem das einzige Expertisezentrum für pädiatrische nicht-maligne Hämatologie und Hämostaseologie in Österreich.
St. Anna Kinderspital
Kommunikation
Mag.a Brigitte Reisenberger
Telefon: 06648439258
E-Mail: pr@stanna.at
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