Parlament gedenkt der Opfer des NS-Völkermords an Roma und Sinti

Parlament gedenkt der Opfer des NS-Völkermords an Roma und Sinti

Kranzniederlegung der Parlamentsspitze zum nationalen Gedenktag

Zum diesjährigen Holocaust-Gedenktag für Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze gedachte das Parlament heute mit einer Kranzniederlegung im Weiheraum beim Äußeren Burgtor am Heldenplatz. Die Parlamentsspitze wurde dabei durch Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs, Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner und Dritter Nationalratspräsidentin Doris Bures vertreten. Die Kranzniederlegung erfolgte gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirates der Roma Emmerich Gärtner-Horvath und seinem Stellvertreter Andreas Sarközi.

ROSENKRANZ: ERINNERUNG AUFRECHT HALTEN UND FÜR DIE ZUKUNFT SORGEN

„In einem beispiellosen Zivilisationsbruch ist Roma und Sinti damals ihre Würde, ihre Heimat und ihr Leben genommen worden. Das Gedenken ist ein Auftrag an uns alle, menschlich und wachsam zu sein und alle jene zu schützen, die ausgegrenzt werden“, erklärte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz zu diesem Anlass heute. Damit sei der nationale Gedenktag ein stiller, aber eindringlicher Ruf an das Gewissen der Menschen. Das Parlament bekenne sich an diesem Tag zu seiner Verantwortung, die Erinnerung aufrecht zu halten und Sorge für die Zukunft zu tragen.

SCHWARZ-FUCHS: WÜRDE UND GLEICHBERECHTIGUNG MUSS JEDEN TAG VERTEIDIGT WERDEN

Die Namen und Lebensgeschichten der ermordeten Roma und Sinti dürften nicht hinter Zahlen verschwinden, forderte Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs. Erinnerung heiße auch, Ausgrenzung und Vorurteilen gegenüber Roma und Sinti heute klar entgegenzutreten. „Ihr Schicksal verpflichtet uns, Würde und Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft jeden Tag zu verteidigen“, so die Bundesratspräsidentin.

HAUBNER: ERINNERN IST AUFTRAG, MINDERHEITEN ZU ACHTEN

Von den rund 11.000 Angehörigen der Volksgruppe der Roma und Sinti in Österreich seien etwa 90 Prozent Opfer des nationalsozialistischen Terrors geworden, erklärte Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner. Hinter dieser Zahl würden ausgelöschte Familien, zerstörte Lebenswege und Menschen stehen, deren Namen und Geschichten verstummt sind. „Gerade deshalb ist Erinnerung mehr als Rückblick. Erinnern ist Auftrag, Minderheiten zu achten, ihre Stimmen zu hören und ihre Rechte zu wahren“, sagte Haubner. Diese Verantwortung ende nicht mit dem Gedenken an die Vergangenheit, sondern begleite die Menschen in der Gegenwart und Zukunft.

BURES: VERANTWORTUNG ZU ERINNERN

„Der Nationale Holocaust-Gedenktag für Roma und Sinti macht deutlich, dass unsere Verantwortung, an die Verfolgung und das Leid der Roma und Sinti im Nationalsozialismus zu erinnern, dauerhaft bestehen bleibt“, erklärte Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures. Die Geschichte der Roma und Sinti sei ein fester Teil der österreichischen und europäischen Geschichte. Besonders der Einsatz von Überlebenden wie Rudi Sarközi und Ceija Stojka würden ihr ihr Leben lang in würdevoller Erinnerung bleiben.

Das heutige Gedenken beinhaltete zudem eine Lesung über die Lebensgeschichte von Walpurga Horvath, künstlerisch vorgetragen von der Schauspielerin Mercedes Echerer. Zudem hielt Roma-Seelsorger Pfarrer Matthias Platzer ein Gebet. Er betonte, dass die Vergangenheit das sei, was die Gegenwart heute formt. Den Menschen werde heute jener Respekt zurück gegeben, auf den sie damals uneingeschränkt Anrecht gehabt hätten.

NATIONALRAT STIMMTE 2023 EINHELLIG FÜR HOLOCAUST-GEDENKTAG

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 4.300 Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze von der SS ermordet. 2015 verabschiedete das Europäische Parlament eine Entschließung, mit der der 2. August als Gedenktag für den Völkermord an den Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze während des Zweiten Weltkrieges anerkannt wurde. An die 500.000 Personen aus dieser Volksgruppe wurden von den Nationalsozialisten und ihren Verbündeten in Europa systematisch getötet. In einigen Ländern fielen über 80 Prozent der Roma-Sinti-Bevölkerung dem Holocaust zum Opfer. Auch Österreich hat diesen Gedenktag anerkannt. Im Jänner 2023 beschloss der Nationalrat einstimmig, den 2. August als Nationalen Gedenktag für die im Holocaust verfolgten und ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze einzurichten. (Schluss) pst

HINWEIS: Fotos der Kranzniederlegung finden Sie im Webportal des Parlaments .

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