teilhaben teilsein mit Cosmó, Hanna Niedrist und der Bundesjugendvertretung

teilhaben teilsein mit Cosmó, Hanna Niedrist und der Bundesjugendvertretung

Was Demokratie und Beteiligung für junge Menschen bedeuten

Mit dem Jahresschwerpunkt „teilhaben teilsein“ rückt das Parlament die demokratische Beteiligung von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Die Parlamentskorrespondenz hat in diesem Rahmen mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Demokratie und Teilhabe gesprochen. Im ersten Teil haben Schauspielerin Kristina Sprenger und Schauspieler Cornelius Obonya mit Blick zurück auf ihre Jugend berichtet (siehe Parlamentskorrespondenz Nr. 770), im zweiten Teil kommen nun junge Menschen selbst zu Wort. Der Sänger Cosmó, die Influencerin Hanna Niedrist alias austriasginger und die Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung erzählen, was ihnen Teilhabe bedeutet, wie sie sich engagieren, welche Rahmenbedingungen sie notwendig finden und wie sie sich Beteiligung in 50 Jahren vorstellen.

MITBESTIMMUNG UND VERANTWORTUNG

„Demokratie ist für mich die Freiheit, miteinander zu kommunizieren. Ich erlebe Demokratie, wenn Menschen zuhören, diskutieren, Kompromisse finden und einander ernst nehmen“, sagt Benjamin Gedeon alias Cosmó. Der 20-Jährige vertrat Österreich im Mai mit dem Lied „Tanzschein“ beim Eurovision Song Contest. Er wurde in Budapest geboren und übersiedelte im Alter von zwei Jahren ins Burgenland. Sein Künstlername Cosmó steht für „cosmopolitan“, also weltoffen. Teilhabe bedeute für ihn, nicht nur zuzuschauen, sondern mitzugestalten. Gerade als junger Mensch wolle er das Gefühl haben, dass seine Meinung relevant ist und er etwas bewegen kann, so der Sänger.

Hanna Niedrist ist in den sozialen Medien als austriasginger bekannt. Die Influencerin hat über 271.000 Follower und mehr als 20 Mio. Likes auf Tiktok und 50.000 Follower auf Instagram. Neben Mode- und Lifestyle-Content thematisiert sie unter anderem auch den Kontrast zwischen Stadt- und Landleben. Demokratie bedeutet für sie „Alle gemeinsam“ und nicht „Jeder einzeln“. „Es bedeutet für mich außerdem Mitspracherecht und Selbstbestimmtheit. Glücklicherweise darf ich das in meinem Alltag ständig erleben, mitbestimmen und für meine Ideale einstehen“, sagt die 25-Jährige. Demokratische Teilhabe heiße für sie, dass die Stimmen aller Menschen gehört werden und auch in Entscheidungen miteinfließen. Das bedeute aber auch, dass jeder Mensch Verantwortung trägt, sich einzubringen und am politischen Alltagsgeschehen teilzunehmen, so Niedrist.

Die Bundesjugendvertretung (BJV) vertritt die Interessen von allen Kindern und Jugendlichen in Österreich – rund 3 Mio. Menschen unter 30 Jahren. Das vierköpfige Vorsitzteam besteht aus Moritz Mittermann (Junge Volkspartei), Lejla Visnjic (Sozialistische Jugend), Anna Schwabegger (Pfadfinderinnen und Pfadfinder Österreichs) und Ahmed Naief (Muslimische Jugend Österreich). Für den 23-jährigen Moritz Mittermann ist Demokratie die Staatsform, die es ihm ermögliche, selbstbestimmt und frei in einem Rechtsstaat zu leben, aktiv seine Meinung zu äußern und sich in politische Prozesse einzubringen. Lejla Visnjic (26) bringt das Thema Vielfalt zur Sprache. „Wir müssen alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, Alter oder Einkommen, Teil unserer demokratischen Gesellschaft werden lassen. Gerade als nicht-österreichische Staatsbürgerin weiß ich, wie wichtig es ist, dass ehrenamtliche Arbeit genauso als Teilhabe verstanden wird, wie der Gang zur Wahl“, sagt sie.

ENGAGEMENT IM TÄGLICHEN SCHAFFEN

Politisches Engagement muss für Hanna Niedrist nicht immer offensichtlich sein. Es könne auch unterschwellig in das tägliche Schaffen einfließen. „Ich engagiere mich subtil, mache Menschen mit meinen Videos Mut, für sich selbst einzustehen, auch über unangenehme Themen offen zu sprechen und durch Kommunikation Tabuthemen zu brechen“, sagt sie.

Auch Cosmó versucht, Themen anzusprechen, die junge Menschen betreffen, und Räume zu schaffen, in denen sie sich gesehen und verbunden fühlen. Als Beispiel nennt er einen Besuch an einer Wiener Schule im Rahmen von „Frag das ganze Land – on tour“ mit Ö3.

Die 24-jährige Anna Schwabegger ist bei der Bundesjugendvertretung als Vorsitzende engagiert, um sich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Die Anliegen von Kindern und Jugendlichen müssten ernst genommen werden, sagt sie. „Auch in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern kann ich immer wieder sehen, dass man Demokratie im Kleinen und Großen erlebbar und sichtbar machen kann und sollte“, so Schwabegger.

WAS ES FÜR GELUNGENE TEILHABE BRAUCHT

Welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um Beteiligung zu fördern, und wo noch Luft nach oben ist, wollte die Parlamentskorrespondenz von den jungen Menschen ebenfalls wissen. Beteiligung brauche einfache Zugänge, echte Wertschätzung und das Gefühl, dass Mitreden auch wirklich etwas verändert, meint Cosmó. „Ich glaube, Politik und Beteiligung wirken oft zu kompliziert oder weit weg. Es braucht mehr verständliche Kommunikation, mehr direkte Formate und mehr Vertrauen in junge Menschen“, sagt er.

Ahmed Naief (30) von der BJV findet es wichtig, dass Beteiligungsformate für alle chancengerecht gestaltet sind. „Junge Menschen sind verschieden und brauchen deshalb auch unterschiedliche Rahmenbedingungen, um sich gut einbringen zu können“, sagt er. Es funktioniere besonders gut, junge Menschen genau da abzuholen, wo sie sind. Politische Bildung und Medienbildung sollten außerdem ein fester Bestandteil der Schullaufbahn sein, findet Naief. Für Lejla Visnjic ist beim Thema Beteiligung noch viel Luft nach oben. Ihr ist wichtig, dass der Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft einfacher wird, damit mehr junge Menschen wählen gehen können.

„Politik muss erlebbar und nahbar sein, es darf nicht verstaubt und alt und langweilig wirken. Menschen wollen mitbestimmen und dabei sein, aber oft nur, wenn es auch mit Spaß verbunden ist“, sagt Hanna Niedrist. Ihrer Meinung nach sollte man mehr Wert auf die Meinung von jungen Menschen legen und gegenüber neuen Ideen offen sein. Verbesserungspotenzial sieht sie in der Kommunikation und in der Transparenz. „Besonderen Handlungsbedarf sehe ich, wenn es darum geht, mehr online umzusetzen und die Menschen da zu erreichen, wo sie sich die meiste Zeit aufhalten: im Internet“, so Niedrist.

VISIONEN FÜR DIE ZUKUNFT

Und wie würden sich die Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung, Cosmó und Hanna Niedrist die Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen in der Zukunft wünschen? „50 Jahre in der Zukunft sehen wir eine Welt, in der junge Menschen mitbestimmen und sich einbringen können. Sie müssen sich nicht in Prozesse reinreklamieren, sondern sind fester Teil von politischen Entscheidungsfindungsstrukturen“, sagen die vier Vorsitzenden der BJV. In ganz Österreich gebe es dann Kindergemeinderäte, Schülerinnen- und Schülerparlamente und Jugendvertrauensräte. „Wenn junge Menschen ihre Stimmen einbringen, werden sie gehört und ihre Ratschläge und Ansichten werden ernst genommen“, so Mittermann, Visnjic, Schwabegger und Naief.

Cosmó würde sich in erster Linie wünschen, dass die Beteiligungsmöglichkeiten in Zukunft digitalisiert werden. Hanna Niedrist kann nicht abschätzen, wie die Beteiligung von jungen Menschen in 50 Jahren aussieht. „Wichtig ist mir nur, dass die Stimmen gehört werden und junge Menschen mehr in die aktive politische Rolle gebracht werden“, sagt sie. (Schluss) kar

HINWEIS: Unter dem Titel „teilhaben teilsein“ rückt das Parlament die gesellschaftspolitische Teilhabe von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Mehr Informationen zum Jahresschwerpunkt 2026 finden Sie unter www.parlament.gv.at/jahresschwerpunkt

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