Hitzefrei am Bau auf Rekordkurs – aber noch immer erhalten nicht alle Bauarbeiter den Schutz, den sie verdienen

Hitzefrei am Bau auf Rekordkurs – aber noch immer erhalten nicht alle Bauarbeiter den Schutz, den sie verdienen

GBH fordert: Gesundheit der Beschäftigten muss immer Vorrang haben

WIEN (OTS). DIE AKTUELLEN ZAHLEN DER BAUARBEITER-URLAUBS- UND ABFERTIGUNGSKASSE (BUAK) ZEIGEN: DIE HITZEFREI-REGELUNG AM BAU WIRD SO INTENSIV GENUTZT WIE NOCH NIE. IN DEN ERSTEN BEIDEN SOMMERMONATEN 2026 GEWÄHRTEN 1.792 BETRIEBE IHREN BESCHÄFTIGTEN BEI TEMPERATUREN ÜBER 32,5 GRAD HITZEFREI – 40.718 BAUARBEITER PROFITIERTEN DAVON. DAMIT PROFITIERTEN HEUER BEREITS NACH NUR ZWEI MONATEN MEHR BAUARBEITER VON DER HITZEFREI-REGELUNG ALS IN JEDEM JAHR SEIT DEREN EINFÜHRUNG 2013. AUCH BEI DER ZAHL DER BETRIEBE LIEGT 2026 BEREITS AUF REKORDKURS.

Mit 122.300 bisher verrechneten Schlechtwetterstunden ist 2026 schon jetzt auf Rekordkurs. Auffällig: Diese Rekordwerte entstanden heuer an nur 13 Hitzetagen, verglichen mit 22 im gesamten Jahr 2025 – die Belastung war heuer also deutlich konzentrierter.

Hitzewellen sind längst keine Ausnahme mehr, sondern eine Folge des Klimawandels. Damit wird wirksamer Hitzeschutz zu einer dauerhaften Aufgabe für Arbeitgeber, Auftraggeber und Politik.

BAU IST EINZIGE BRANCHE MIT HITZEFREI

„Die Hitzefrei-Regelung ab 32,5 Grad haben wir als einzige Branche in Österreich gesetzlich durchgesetzt. Aktuell ist das aber nur eine Kann-Bestimmung – die Entscheidung liegt beim Arbeitgeber. Wir fordern, dass daraus eine Muss-Bestimmung wird, die verpflichtend gilt und die Gesundheit unserer Beschäftigten wirklich schützt“, sagt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH), Abg. z. NR Josef Muchitsch.

PROGNOSEMODELL ERMÖGLICHT JETZT SCHON VORAUSSCHAUENDEN HITZESCHUTZ

Seit dem Vorjahr gibt es zusätzlich das Prognosemodell: Sagt die Vorhersage mehr als 34 Grad voraus, können Betriebe bis zu drei Tage vorher Schlechtwetter anmelden und die Arbeit rechtzeitig organisieren. Auch dieses Instrument wird genutzt. Im Juni 2026 planten 271 Betriebe für 2.765 Arbeitnehmer an acht Tagen vorausschauend Hitzeschutz ein – rund 6.668 Schlechtwetterstunden wurden verrechnet.

HITZESCHUTZ MUSS ÜBERALL KONSEQUENT ANGEWENDET WERDEN

Trotz der Rekordzahlen sieht die GBH noch erheblichen Handlungsbedarf. Die Realität auf vielen Baustellen zeigt: Noch immer müssen tausende Bauarbeiter auch an extremen Hitzetagen weiterarbeiten. Die Rekordzahlen zeigen, dass immer mehr Betriebe Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass die Hitzefrei-Regelung noch nicht überall dort angewendet wird, wo sie möglich wäre.

Die GBH war in den vergangenen Wochen auf Baustellen in ganz Österreich unterwegs: Viele Betriebe setzen den Hitzeschutz um. Gleichzeitig habe man auch Beschäftigte getroffen, die trotz extremer Temperaturen bis in die Abendstunden gearbeitet haben. Genau deshalb dürfe man sich auf den Rekordzahlen nicht ausruhen – das Ziel müsse sein, dass jeder Bauarbeiter den Schutz erhält, den das Gesetz vorsieht.

„Wer wegen extremer Hitze früher Schluss macht, schützt Menschen – das darf niemals zum wirtschaftlichen Nachteil werden. Die Gesundheit der Beschäftigten steht über jedem Fertigstellungstermin. Es muss überall gelten: Mensch vor Termin“, betont Muchitsch.

GBH FORDERT WEITERE SCHRITTE

Auch Auftraggeber stehen in der Verantwortung. Hitzeschutz beginnt nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits bei Ausschreibungen und Bauzeitplänen. Wer Hitzeschutz von Anfang an berücksichtigt, darf dafür nicht durch Pönalen oder unrealistischen Zeitdruck benachteiligt werden. Das neue Vergaberecht ermöglicht bereits, Hitzeschutz als Qualitätskriterium bei öffentlichen Vergaben zu berücksichtigen – davon soll künftig stärker Gebrauch gemacht werden.

Jene Unternehmen, die Hitzeschutz ernst nehmen, dürfen gegenüber Betrieben, die trotz extremer Temperaturen einfach weiterarbeiten, keinen Wettbewerbsnachteil haben.

Zusätzlich fordert die GBH, eine gesetzliche tägliche Höchstarbeitszeit an extremen Hitzetagen einzuführen. Bis 2027 soll eine praktikable und rechtssichere Lösung erarbeitet werden. Wer Bauaufträge vergibt, trägt auch Verantwortung für jene Menschen, die diese Arbeit leisten.

DIE INSTRUMENTE SIND VORHANDEN

Seit 1. Jänner 2026 gilt die Hitzeschutzverordnung: Ab Hitzewarnstufe 2 der GeoSphere Austria (30 Grad) müssen Betriebe Trinkwasser, Schatten, zusätzliche Pausen oder organisatorische Anpassungen bereitstellen. Am Bau kommt die gesetzliche Hitzefrei-Regelung dazu: Ab 32,5 Grad an der nächstgelegenen GeoSphere-Messstation greift das Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz (BSchEG) – die Entscheidung trifft der Arbeitgeber. Ergänzt wird das System durch das Prognosemodell und die kostenlose Hitze.App der GBH, die per Postleitzahl in Echtzeit anzeigt, ob die Grenztemperatur erreicht wurde (Download: gbh-news.at/hitze-app).

DIE WICHTIGSTEN PUNKTE FÜR SCHNELLEN HITZESCHUTZ

* Prognosen nutzen und früh beginnen, wo möglich: Große Hitze ist meist Tage vorher absehbar – das BUAK-Prognosemodell macht rechtzeitige Planung möglich
* Hitzefrei ab 32,5 Grad konsequent und verbindlich über Betriebsvereinbarungen regeln – im Ernstfall zählt das Handeln, nicht das Diskutieren.
* Ausreichend trinken und Pausen im Schatten: Regelmäßig Wasser trinken und Pausen in kühlen, schattigen Bereichen einlegen – das empfiehlt auch die Arbeiterkammer.

„Die Instrumente sind vorhanden. Jetzt geht es darum, sie auf jeder Baustelle konsequent anzuwenden, zu kontrollieren und dort, wo sie missachtet werden, auch durchzusetzen. Der Klimawandel verändert unsere Arbeitswelt. Deshalb müssen wir den Schutz der Beschäftigten laufend weiterentwickeln – denn kein Bauprojekt ist wichtiger als die Gesundheit der Menschen, die unser Land bauen“, so Muchitsch abschließend.

GBH Presse
Thomas Trabi, MA
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