HV & WIFO Konjunkturreport: Konsumerholung gerät ins Stocken. Einzelhandel stagniert im 1. Halbjahr, Umsatz steigt minimal um 0,1%.
HV & WIFO Konjunkturreport: Konsumerholung gerät ins Stocken. Einzelhandel stagniert im 1. Halbjahr, Umsatz steigt minimal um 0,1%.
Hitzewellen, hoher Erdölpreis und geopolitische Verunsicherung belasten Konjunktur und Konsum. Positiv: Inflation sinkt, Beschäftigung steigt und Stimmung verbessert sich.
Die zu Jahresbeginn sichtbare Stabilisierung der österreichischen Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 einen Dämpfer erhalten. Laut dem aktuellen Konjunkturreport Einzelhandel, den das WIFO quartalsweise im Auftrag des Handelsverbands erstellt, stagnierte die heimische Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal. Auch die Konsumnachfrage der privaten Haushalte entwickelte sich im 2. Quartal schwächer. Der infolge des Iran-Krieges deutlich gestiegene Erdölpreis und die damit verbundene geopolitische Verunsicherung haben die konjunkturelle Erholung vorerst unterbrochen.
EINZELHANDEL IM 1. HALBJAHR REAL +0,1%
Im österreichischen Einzelhandel blieb die Entwicklung verhalten. Im ersten Halbjahr stiegen die Umsätze (kalenderbereinigt) nominell um +2,1%, preisbereinigt blieb mit +0,1% real nur ein minimales Wachstum übrig.
_„Die Bilanz des ersten Halbjahres fällt für den heimischen Einzelhandel durchwachsen aus. Ein reales Umsatzplus von 0,1% bedeutet de facto Stagnation. Im zweiten Quartal hat die Dynamik, die sich rund um den Jahreswechsel noch gezeigt hatte, wieder nachgelassen. Gleichzeitig sehen wir weiterhin eine deutliche Spreizung zwischen Food und Non-Food. Von einer nachhaltigen Erholung des privaten Konsums können wir leider noch nicht sprechen“,_ bilanziert RAINER WILL, Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands.
_„Der durch den Iran-Krieg deutlich angestiegene Erdölpreis belastet die heimische Wirtschaft und hat die konjunkturelle Erholung unterbrochen. Gleichzeitig entwickelt sich die Konsumnachfrage der privaten Haushalte träge. Gemäß den bisher vorliegenden Daten dürfte sich diese träge Entwicklung auch im Juli fortgesetzt haben“_, erklärt WIFO-Ökonom JÜRGEN BIERBAUMER, Autor des Konjunkturreports.
INFLATION BREMST SICH EIN, LEBENSMITTELPREISE DÄMPFEN TEUERUNG
Einigermaßen positiv entwickelte sich zuletzt die Inflation. Die österreichische Inflationsrate sank im Juli auf 2,8%, nach 3,2% im Juni. Rund die Hälfte dieses Rückgangs ist laut Statistik Austria auf die sinkenden Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke gingen im Jahresabstand um -0,4% zurück. Wesentlich dazu beigetragen hat die mit 1. Juli erfolgte Senkung der Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel von 10% auf 4,9%. Diese ist vom österreichischen Lebensmitteleinzelhandel wie versprochen vollumfänglich an die Konsument:innen weitergegeben worden. Auch in den Vorjahren hatte der österreichische Lebensmittelhandel nachweislich inflationsdämpfend gewirkt.
_„Der Rückgang der Inflation ist ein wichtiges Signal für die Konsumentinnen und Konsumenten und den Handel. Aktuell sind die Lebensmittelpreise sogar rückläufig und tragen damit wesentlich zur Dämpfung der Gesamtinflation bei. Jetzt muss sich diese Entlastung schrittweise auch in einer Stabilisierung des privaten Konsums niederschlagen“_, so WILL.
Andere Ausgabenbereiche verteuerten sich hingegen weiterhin deutlich. Besonders stark stiegen die Preise in den Bereichen Verkehr mit +6,4%, Gastronomie und Beherbergung (+4,6%), Gesundheit (+4,5%) sowie Versicherungs- und Finanzdienstleistungen (+4,2%).
BESCHÄFTIGUNG STABILISIERT SICH, INSOLVENZZAHLEN SINKEN
Im Juli waren im österreichischen Einzelhandel 332.087 Menschen beschäftigt, rund 5.300 mehr als zu Jahresbeginn. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Beschäftigung leicht im Minus (-0,3%), der Rückgang hat sich jedoch deutlich abgeschwächt. Gleichzeitig waren im Juli 9.124 offene Stellen im Einzelhandel nicht zeitnah zu besetzen. Das sind rund 700 mehr als zu Jahresbeginn – ein Indiz für den weiterhin hohen Personalbedarf der Branche.
Auch bei den Unternehmensinsolvenzen zeigt sich zuletzt eine leichte Entspannung. Im zweiten Quartal 2026 wurden österreichweit 960 Insolvenzen eröffnet, um 7,6% weniger als im Vorjahresquartal. Damit ging die Zahl der Insolvenzen bereits zum dritten Mal in Folge zurück. Im Handel wurden 151 Fälle verzeichnet. Aufgrund einer Systemumstellung ist ein direkter Vorjahresvergleich für den Handel allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig.
STIMMUNG VERBESSERT, DOCH KONSUM BLEIBT VERHALTEN
Trotz der schwachen realwirtschaftlichen Entwicklung zeigen die aktuellen Umfragedaten erste Anzeichen einer Stimmungsaufhellung. Der WIFO-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli leicht auf -3,8 Punkte. Die unternehmerischen Einschätzungen bleiben aufgrund der Preiseffekte und Unsicherheiten des Iran-Krieges allerdings skeptisch.
Im Einzelhandel stieg der WIFO-Konjunkturklimaindex zuletzt sogar deutlich an (Juli: -5,7 Punke; Juni: -11,5 Punkte). Sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich. Auch bei den Konsument:innen hat sich das Stimmungsbild zuletzt verbessert. Eine breite Belebung der tatsächlichen Konsumnachfrage ist daraus bislang jedoch nicht entstanden.
_„Im Einzelhandel ist der WIFO-Konjunkturklimaindex zuletzt deutlich gestiegen und hat damit den Pessimismus der vergangenen Monate nahezu wettgemacht. Sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich verbessert. Auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten hat sich das Stimmungsbild aufgehellt. Die hohen Preissteigerungen belasten jedoch weiterhin die verfügbaren Einkommen, weshalb sich die private Konsumnachfrage weiterhin verhalten entwickeln dürfte“_, so WIFO-Experte BIERBAUMER.
SOMMERHITZE BREMST NON-FOOD ZUSÄTZLICH
Die ersten Indikatoren für Juli deuten ebenfalls noch nicht auf eine kräftige Belebung des Konsums hin. Zusätzlich zu den geopolitischen Unsicherheiten und den gestiegenen Energiepreisen war der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer aus Sicht des Handels für einzelne Non-Food-Segmente belastend. Vor allem im Modehandel können lang anhaltende Hitzeperioden den Saisonwechsel und damit den Kauf von Übergangs- und Herbstware verzögern.
WIFO ERWARTET NUR VERHALTENE KONSUMENTWICKLUNG, SPARQUOTE GEHT ZURÜCK
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das WIFO ein reales Wirtschaftswachstum von +0,9%, für 2027 von +1,1%. Die privaten Konsumausgaben dürften allerdings sowohl 2026 als auch 2027 lediglich um +0,4% real zulegen. Für den Handel wird 2026 eine Ausweitung der realen Wertschöpfung um nur +0,3% erwartet, 2027 um +1,0%.
Gleichzeitig dürften die Lohnsteigerungen pro Kopf 2026 gut drei Viertelprozentpunkte unter der Inflationsrate bleiben. Der dadurch entstehende Realeinkommensverlust wird teilweise durch einen Rückgang der Sparquote von 9,9% auf 8,7% ausgeglichen.
_„Wenn die Bevölkerung ihre Sparquote reduzieren muss, um den Konsum aufrechtzuerhalten und laufende Kosten zu decken, kann von einer nachhaltigen Konsumerholung noch keine Rede sein. Entscheidend ist jetzt, die Verunsicherung zu reduzieren, Kaufkraft zu stabilisieren und die Kostenbelastung für Haushalte und Betriebe zu senken. Österreich braucht weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und eine konsequente Entlastung des Wirtschaftsstandorts“_, so Handelssprecher RAINER WILL abschließend.
DEN VOLLSTÄNDIGEN KONJUNKTURREPORT EINZELHANDEL FINDEN SIE HIER
Handelsverband
Mag. Gerald Kühberger, MA
Pressesprecher
Telefon: +43 (1) 406 22 36 77
E-Mail: gerald.kuehberger@handelsverband.at
Mag. Manuel Friedl
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