Unseriöse Preisvergleiche zu „Österreich-Aufschlag“ bei Lebensmitteln führen Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre
Unseriöse Preisvergleiche zu „Österreich-Aufschlag“ bei Lebensmitteln führen Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre
Unbegrenzte Billigstimporte aus dem Ausland gefährden heimische Lebensmittelproduktion
„Preisvergleiche bei Lebensmitteln zwischen Ländern erfordern fundiertes Wissen und handwerklich einwandfreie Recherche. Andernfalls sind solche Vergleiche irreführend und vermitteln ein falsches Bild eines vermeintlichen ‚Österreich-Aufschlags‘“, erläutert MAG. KATHARINA KOSSDORFF, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, anlässlich eines aktuellen Preisvergleichs österreichischer Markenprodukte in unterschiedlichen EU-Ländern durch einen Verein. Dazu zählt laut Koßdorff nicht nur, zwischen Brutto- und Nettopreisen zu unterscheiden, sondern vor allem die unterschiedlichen Marktbedingungen pro Land zu kennen und diese zu berücksichtigen.
KEINE EU-EINHEITSKOSTEN – KEIN EU-EINHEITSPREIS
„Es gibt in Europa weder einheitliche Produktionskosten noch einheitliche Marktbedingungen. Daher kann es auch keine einheitlichen Lebensmittelpreise geben. Unterschiedliche Kostenstrukturen, Lohnniveaus und nationale Vorgaben pro Land und Markt führen zwangsläufig zu Preisunterschieden, wie dies bei nahezu allen Konsumgütern und Dienstleistungen der Fall ist. Preisunterschiede zwischen einzelnen Ländern sind Ausdruck unterschiedlicher Marktbedingungen und kein Beleg für Fehlentwicklungen am Markt“, so Koßdorff.
In der EU variieren nicht nur nationale Steuern und Abgaben, rechtliche Vorgaben oder Kosten für Energie, Löhne, Gehälter, Lohnnebenkosten oder Pfand- und Recyclingsysteme. Auch die Anforderungen der lokalen Händler an Logistik und Vertrieb, Promotion- und Werbestrategien, Aktionsanteile, die Konzentration des Handels und die Filialdichte vor Ort sowie regionale Qualitätsansprüche, Sonderabfüllungen oder die lokalen Konsumpräferenzen unterscheiden sich oft deutlich von Land zu Land. Den Preis eines Lebensmittels am Regal eines Supermarkts legen die Händler für Markenprodukte und für ihre eigenen Handelsmarken fest; Lebensmittelhersteller dürfen den Händlern rechtlich keine Preise vorgeben.
Gerade in Österreich liegt der Anteil an Lebensmitteln, die „in Aktion“ etwa über Rabattmarken oder Kundenkarten etc. verkauft werden, bei mittlerweile über 40 Prozent. „Das ist ein Spitzenwert in Europa. Der am Regal ausgewiesene Preis spielt in Österreich praktisch keine Rolle mehr, es zählt vielmehr der tatsächlich bezahlte Aktionspreis, der regelmäßig deutlich unter dem angegebenen Verkaufspreis liegt. Das wird in Preisvergleichen zwischen Deutschland mit einem Aktionsanteil von rund 20 Prozent und Österreich mit einem Aktionsanteil von über 40 Prozent meistens übersehen“.
Ein Einheitspreis für Lebensmittel ist auch zwischen Österreichs Nachbarländern – Deutschland, die Schweiz, Italien, Slowenien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien – angesichts der verschiedenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich nicht umsetzbar. „Konsumentinnen und Konsumenten etwa aus den Grenzregionen der Schweiz oder aus Ungarn, wo die Lebensmittelinflation zeitweise bis zu 45 Prozent betrug, nutzen und schätzen seit vielen Jahren den Lebensmitteleinkauf in Österreich. Auch das kommt in der Debatte über einen ,Österreich-Aufschlag‘ oft zu kurz“, so Koßdorff.
REGIONALE WERTSCHÖPFUNG STÄRKEN STATT UNBEGRENZTER BILLIGSTIMPORTE AUS DEM AUSLAND FÖRDERN
Kritisch sieht die Lebensmittelindustrie daher Forderungen nach einem generellen Verbot territorialer Lieferbeschränkungen. Dahinter steht vereinfacht gesagt die Erwartung des hochkonzentrierten Lebensmittelhandels, Produkte EU-weit unbegrenzt und unabhängig von nationalen Marktgegebenheiten in jenen Ländern einzukaufen, in denen die niedrigsten Produktions- und Standortkosten gelten. Ein solcher Ansatz würde jedoch die wirtschaftlichen Realitäten der Produktion innerhalb des Binnenmarktes ignorieren. Österreich zählt zu den zu Standorten mit den höchsten Produktionskosten in Europa. Höhere Lohn- und Lohnnebenkosten, strengere Qualitätsanforderungen sowie zusätzliche gesetzliche Vorgaben erhöhen die Produktionskosten im Vergleich zu Ländern mit niedrigen Produktionskosten deutlich. „Zählt bei Lebensmitteln nur mehr der billigste Preis, hat Österreich mit seiner Qualitätsstrategie alles falsch gemacht. Werden Billigstimporte aus Ländern mit den niedrigsten Standortkosten wie Bulgarien oder Rumänien zum Maßstab, verlieren wir schleichend unsere heimische Lebensmittelproduktion und damit letztlich unsere Versorgungssicherheit“, warnt Koßdorff.
VERSORGUNGSSICHERHEIT BRAUCHT EINE STARKE INLANDSPRODUKTION
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine leistungsfähige Lebensmittelproduktion im eigenen Land für die Versorgung der Bevölkerung ist. „Wer die heimische Produktion schwächt, macht Österreich langfristig stärker von Importen abhängig. Das kann weder im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten noch des Wirtschaftsstandorts Österreich sein. Daher müssen Lebensmittelhersteller auch künftig die Freiheit haben, ihre Vertriebswege und Vertriebspartner selbst zu wählen. Nur so können Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und die Vielfalt hochwertiger Lebensmittel und Getränke ,Made in Austria‘ nachhaltig gesichert werden“, so Koßdorff abschließend.
STELLENWERT DER LEBENSMITTELINDUSTRIE IN ÖSTERREICH
Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie) zählt mit ihren 27.500 direkt Beschäftigten zu den Schlüsselbranchen in Österreichs Wirtschaft. Sie garantiert verlässlich die tägliche Versorgung von Millionen Menschen mit sicheren, qualitativen und leistbaren Produkten. Die rund 200 Unternehmen erwirtschaften jährlich ein Produktionsvolumen von rund 12 Mrd. Euro. Rund 10 Mrd. Euro davon werden im Export in über 180 Länder abgesetzt. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.
Mag. Katharina Koßdorff
Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie
T: +43 1 712 21 21 – 14
E: k.kossdorff@dielebensmittel.at
DI Oskar Wawschinek MAS MBA
Food Business Consult
Pressesprecher für den Fachverband der Lebensmittelindustrie
M: +43 664 545 63 50
E: office@foodbusiness.at
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