IV: Lohntransparenz braucht europäische Überarbeitung statt nationaler Alleingänge
IV: Lohntransparenz braucht europäische Überarbeitung statt nationaler Alleingänge
Kaum ein Mitgliedstaat konnte Richtlinie fristgerecht umsetzen – auf europäischer Ebene zurück an den Verhandlungstisch
Die Industriellenvereinigung (IV) bekennt sich klar zum Ziel gleicher und diskriminierungsfreier Bezahlung. Dass jedoch nur drei von 27 EU-Mitgliedstaaten die Lohntransparenzrichtlinie fristgerecht umgesetzt haben, ist ein unübersehbares Warnsignal: Aus einer richtigen Zielsetzung ist ein kaum administrierbares Regelwerk mit komplexen Bewertungs-, Berichts- und Dokumentationspflichten entstanden. Wenn nahezu die gesamte Europäische Union an der Umsetzung einer Richtlinie scheitert, liegt das Problem nicht bei einzelnen säumigen Staaten, sondern in der Konstruktion der Vorgaben selbst. Zusätzliche Bewertungssysteme, überschießende Berichtspflichten und weitreichende Haftungsrisiken schaffen Rechtsunsicherheit und erhebliche Belastungen – ohne automatisch für mehr Lohngerechtigkeit zu sorgen.
Es braucht daher eine Rückkehr an den Verhandlungstisch auf europäischer Ebene. Die Richtlinie muss grundlegend überarbeitet, vereinfacht und mit bestehenden nationalen Entgeltsystemen vereinbar gemacht werden – Österreich hat 98% Kollektivvertragsabdeckung. Bis dahin darf Österreich nicht durch Gold Plating vorpreschen und seine Unternehmen mit zusätzlichen Wettbewerbsnachteilen belasten. Gute Absichten brauchen Regeln, die auch in der betrieblichen Praxis funktionieren.
Industriellenvereinigung
Marlena Mayer
Pressesprecherin
Telefon: +43 (1) 711 35-2315
E-Mail: marlena.mayer@iv.at
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