Regionalbanken am Scheideweg – konsequentes Handeln gefragt (FOTO)

Regionalbanken am Scheideweg – konsequentes Handeln gefragt (FOTO)

_NACH ZWEI REKORDJAHREN DEUTEN DIE AKTUELLEN WIRTSCHAFTSPROGNOSEN FÜR ÖSTERREICHS REGIONALBANKEN AUF MINDESTENS ZWEI HERAUSFORDERNDE JAHRE HIN. IM KONTEXT GEOPOLITISCHER UND KONJUNKTURELLER RISIKEN MÜSSEN SICH REGIONALBANKEN INTENSIV MIT RISIKOSZENARIEN AUSEINANDERSETZEN UND IHRE BETRIEBSMODELLE KONSEQUENT WEITERENTWICKELN. _

Für Österreichs Regionalbanken, die hierzulande mehr als 90 Prozent der Bankinstitute umfassen, war 2024 erneut ein starkes Jahr. Vor allem das weiterhin sehr hohe Niveau beim Zinsüberschuss hat die Ergebnisse angetrieben. Das zeigt die aktuelle Regionalbankenstudie Österreich der zeb.Austria, die alljährlich durchgeführt wird. Dass sich die Situation jedoch gravierend geändert hat, verdeutlicht das zeb-eigene Simulationsmodell, basierend auf den Daten von 357 Regionalbanken: Der Rückenwind der vergangenen Jahre lässt spürbar nach – steigende Risikokosten, sinkende Zinsmargen und ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld verändern die Spielregeln.

„Wir sehen, dass die Institute insgesamt solide aufgestellt sind, doch die bisherigen Erfolgsmodelle müssen adaptiert werden. Daher gilt es, jetzt die kommenden Jahre aktiv zu gestalten und strategische Weichenstellungen vorzunehmen“, sagt, Michaela Schneider, Partnerin bei zeb.Austria.

Rückläufiges Zinsergebnis drückt auf den Gewinn

Die sehr guten Ergebnisse der Jahre 2023 und 2024 waren vor allem dem günstigen Marktumfeld geschuldet. Steigende Zinsen sorgten für hohe Erträge, während Kosten und Risiken vergleichsweise stabil blieben. Das Jahr 2025 war neben sinkenden Zinsmargen geprägt von steigenden Insolvenzen und geopolitischen Unsicherheiten. All das hat die Ertragslage belastet und wird auch in den kommenden Jahren das Betriebsergebnis der Banken schmälern. Auf Basis der Zinsprognosen erwarten die Experten der zeb erst ab 2028 eine deutliche Erholung beim Zinsüberschuss und damit verbunden beim Betriebsergebnis der Banken (siehe Grafik 1).

HÖHERE RISIKOKOSTEN TREFFEN REGIONALBANKEN BESONDERS

Die steigende Zahl der Unternehmensinsolvenzen – vor allem in der Bau- und Immobilienbranche – hat die Banken besonders belastet. Da sich Regionalbanken überwiegend aus Kundeneinlagen und nicht über den Kapitalmarkt refinanzieren, treffen sie wirtschaftliche Abschwünge besonders direkt. „Ein weiterer Ausfall von Kundenforderungen würde die Risikokosten erheblich erhöhen und hätte auch negative Auswirkungen auf die Kapitalausstattung der Banken“, erklärt Andreas Sumper, Managing Partner zeb.Austria. Der Simulation folgend würde bei einem zusätzlichen Anstieg der Wertberichtigungen um 5 Prozentpunkte die Kernkapitalquote von 21,4 Prozent (2024 im Median) auf 14,7 Prozent zurückgehen. Die Mehrheit von rund 53 Prozent der untersuchten Banken hätte dann eine Kernkapitalquote von weniger als 15 Prozent, 2024 lagen 97 Prozent der österreichischen Regionalbanken oberhalb einer Kernkapitalquote von 15 Prozent (siehe Grafik 2). „Um ihr Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen müssen Österreichs Regionalbanken Gewinne schreiben. Fällt das Betriebsergebnis unter die Marke von 0,5 Prozent, so fehlt der Bank die eigenständige Refinanzierungskraft um das RWA-Wachstum (risikogewichtete Aktiva) mit Eigenkapital zu unterlegen“, erläutert Sumper.

NACHLASSENDE WACHSTUMSDYNAMIK ERFORDERT KLARE STRATEGISCHE ENTSCHEIDUNGEN

Insgesamt betrachtet sind Österreichs Regionalbanken solide aufgestellt. Vor allem die Eigenkapitalausstattung ist derzeit noch ausreichend. Dennoch wird die Zukunft herausfordernd. Das Wachstum des Ertragspotenzials im Firmenkunden- als auch im Privatkundengeschäft wird bis 2030 deutlich geringer ausfallen als in der Periode von 2019 bis 2024. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren nur schwach positiv bleiben wird (Grafik 3), „sofern die aktuellen Prognosen der Wirtschaftsforscher halten“, ergänzt Sumper.

„Angesichts der kommenden Herausforderungen und der nachlassenden Wachstumsdynamik sind die Banken besonders gefordert, um ihre Ertragssituation zu verbessern. Dazu braucht es klare strategische Entscheidungen, die rasch umgesetzt werden“, sagt Schneider. „Eine widerstandsfähige Regionalbank muss sich durch Ertragsoptimierung, ein effizientes Betriebsmodell sowie den Aufbau einer ganzheitlichen Steuerung auszeichnen.“

Die Studie identifiziert drei zentrale Handlungsfelder:

* MARKT/KUNDENGESCHÄFT: u.a. Differenzierung der Betreuungsmodelle, Optimierung der Kundensegmentierung, Optimierung der Filialnetze, KI-unterstütztes Digital Marketing & CRM, Smart Pricing im Kredit- und Einlagengeschäft
* BETRIEBSMODELL: u.a. Prozessvereinfachung und Digitalisierung im End-to-End-Bereich (E2E), Cloud- und Plattform-Architektur als Backbone, eine Stärkung der operativen Resilienz und Drittparteiensteuerung, datengetriebene Operating Models und KI-gestützte Steuerung
* STEUERUNGSMODELL: Zinsergebnisplanung und Steuerung, ESG in der Risikosteuerung und Transitionsplanung, Risikokultur und interne Governance, Anti-Korruptions- und Geldwäsche-Maßnahmen wie das EU Anti-Money-Laundering Paket

ÜBER ZEB.ROLFES.SCHIERENBECK.ASSOCIATES GMBH

Als führende Strategie-, Management- und IT-Beratung bietet zeb Österreich seit 2001 Transformationskompetenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Bereich Financial Services in Europa. Mit dem Hauptsitz in Deutschland (Münster) unterhält zeb insgesamt 15 weitere Büros an internationalen Standorten europaweit. Zu den Kunden zählen neben europäischen Groß- und Privatbanken auch Regionalbanken und Versicherungen sowie Finanzintermediäre aller Art. Bereits mehrfach wurde zeb in Branchenrankings als „Bester Berater“ der Finanzbranche klassifiziert und ausgezeichnet.

_Hinweis: zeb Austria legt großen Wert auf Diversität und die Gleichberechtigung aller Geschlechter. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher, weiblicher und diverser Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter._

Mag. Sandra Holzschuh
zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh
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