UNICEF Österreich: Social Media Verbot darf nicht Ausrede für mangelnden Schutz sein

UNICEF Österreich: Social Media Verbot darf nicht Ausrede für mangelnden Schutz sein

ANLÄSSLICH DES SAFER INTERNET DAY BETONT UNICEF ÖSTERREICH, DASS SOCIAL MEDIA VERBOTE ALS LÖSUNGSANSATZ KRITISCH ZU HINTERFRAGEN SIND UND KEINESFALLS DIE PLATTFORMBETREIBER IHRER VERPFLICHTUNG FÜR GEEIGNETE SCHUTZMASSNAHMEN FÜR KINDER UND JUGENDLICHE ENTBINDEN DÜRFEN.

Die aktuellen Pläne, junge Menschen unter 14 Jahren von Social Media Plattformen auszuschließen spiegeln eine berechtigte Besorgnis wider: Kinder und Jugendliche sind derzeit auf Social Media Plattformen nicht sicher – angefangen von Gewalt bis Desinformation und mangelhaftem Datenschutz.

KINDERRECHTE MÜSSEN BEACHTET WERDEN

Ein generelles Social Media Verbot unter einem gewissen Alter birgt auch Risiken und könnte nach hinten losgehen. Wenn Kinderrechte missachtet werden, könnte das etwa dazu führen, dass Kinder von Informationen, Freundschaften und Unterstützung abgeschnitten werden, die sie anderswo nicht finden können – besonders bereits ohnehin marginalisierte Kinder. Junge Menschen könnten in unsichere, unregulierte Räume gedrängt werden und viele Kinder umgehen Altersgrenzen ohnehin.

Klara Krgovic-Baroian,Stv. Leitung Advocacy & Kinderrechte bei UNICEF Österreich, betont: „Es ist eine genaue Abwägung und ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Kinder bis zu einem gewissen Alter von Social Media auszuschließen kann zum Schutz beitragen, darf aber keine Ausrede dafür sein sonst keine weiteren Schutzmaßnahmen auf Plattformen zu setzen. Zudem muss sichergestellt sein, dass Kinder den Umgang mit Plattformen lernen, bevor sie Zugang zu diversen sozialen Netzwerken erhalten.”

DATENSCHUTZ

Darüber hinaus braucht es bessere Moderation von Inhalten, altersgerechte Designs und vorgegebene Kinderschutzeinstellungen, die ihre Daten schützen. Bei der Umsetzung von Altersüberprüfungen müssen Kinderrechte wie Datenschutz und Nicht-Diskriminierung beachtet werden – es gilt genau hinzuschauen: wie wird die Überprüfung durchgeführt? Welche Informationen über die Kinder erhalten die Plattformen? Haben alle Kinder die Möglichkeit, ihr Alter nachzuweisen, oder sind manche Kinder davon ausgeschlossen, weil etwa Dokumente fehlen oder nur eine einzige zu komplizierte Methode zugelassen ist?

AKTION DES UNICEF ÖSTERREICH JUGENDBEIRATS FÜR MEHR „DIGITALEN SCHUTZ IM KINDERZIMMER“

Der UNICEF Österreich Jugendbeirat hat sich heute anlässlich des Safer Internet Day mit einer öffentlichen Aktion für mehr „Digitalen Kinderschutz im Kinderzimmer“ stark gemacht.

Sarah, 20 Jahre, dazu: „Mit der Aktion wollen wir deutlich machen: Digitaler Kinderschutz ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen heute in dieser digitalen Welt auch online auf – doch Schutz, Aufklärung und klare Regeln halten damit oft nicht Schritt. Unser Ziel ist es, Bewusstsein für die Risiken digitaler Räume zu schaffen, Gespräche mit Passant:innen, Eltern und Großeltern anzuregen und gleichzeitig konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Wir wollen zeigen, dass echte Sicherheit nicht durch oberflächliche oder rein technische Maßnahmen entsteht, sondern durch Bildung, Aufklärung und klare politische Rahmenbedingungen.“

Jugendbeiratsmitglied Michael, 19 Jahre, betont die Wichtigkeit von Jugendpartizipation bei der Erarbeitung von Lösungen: „Junge Menschen wollen bewegen und mitgestalten. Egal ob es um moralische Fragen von Datenschutz und Kontrolle, um die Regulierung von Inhalten oder um den Schutz von Meinungen geht. Wir müssen eine digitale Welt schaffen, fernab von für Kinder schädliche Inhalte und mit Blick auf die mentale Gesundheit aller. Wir müssen den digitalen Raum aktiv mitgestalten dürfen und ihn gemeinsam mit anderen Generationen und Kulturen so einfordern wie wir ihn wünschen.“

PROMINENTE UNTERSTÜTZUNG

Barbara Meier, UNICEF Österreich Ehrenbeauftragte, ließ sich nicht entgehen, die Aktion selbst aus nächster Nähe mitzuerleben, und erklärt warum ihr das Thema am Herzen liegt: „Als Mama mache mir Sorgen wie es künftig für meine beiden Töchter einmal in der digitalen Welt sein wird. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass wir Kinder mit den online Gefahren nicht alleine lassen und dass wir sie als Eltern und als Gesellschaft zu Hause und in der Schule bei diesem Thema begleiten.“

WISSENS- UND KOMPETENZFÖRDERUNG IM FOKUS

Warum es essentiell ist, Kindern digitale Kompetenzen zu vermitteln und ihnen nicht jeglichen Zugang zu verbieten, bringt Jugendbeiratsmitglied Jad, 18 Jahre, auf den Punkt: „Anstatt sich aus der Verantwortung zu stehlen oder auf Überwachungstools zu setzen, muss der Fokus auf Bildung liegen. Wir wollen nicht, dass sich die Kinder durch Verbote in digitale Analphabeten entwickeln. Wir wollen und müssen lernen, uns in dieser Welt durchzusetzen und sicher zu bewegen. Die Antwort auf digitale Gefahren ist Medienkompetenz und die Befähigung von Kindern und Jugendlichen, Gefahren selbst zu erkennen und zu meistern.“

UNICEF Österreich fordert Regierungen, Regulierungsbehörden und Unternehmen auf, über einfache Slogans und pauschale Verbote hinauszugehen und gemeinsam mit Kindern, Familien und Fachexpert:innen daran zu arbeiten, Social-Media-Umgebungen zu schaffen und zu regulieren, die von Grund auf sicher, inklusiv und rechtskonform sind.

UNICEF ÖSTERREICH FORDERUNGEN

* DIGITALE KOMPETENZEN für jedes Kind, die auch verantwortungsvolles Onlineverhalten beinhalten
* JUGENDPARTIZIPATION bei der Erarbeitung von Lösungen: In den Arbeitsgruppen zur Erarbeitung von Maßnahmen und Gesetzen müssen neben fachlichen Expert:innen aus verschiedenen Bereichen wie Psychologie, Pädagogik, (Kinder)Recht und IT, Jugendliche als Betroffene und Expert:innen ihrer Lebensrealität mit am Tisch sitzen und mitentscheiden dürfen
* EVIDENZ UND WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG: Um konkrete Maßnahmen festzulegen, brauchtes eine fundierte Basis und Forschung, auch betreffend Monitoring etwaiger Auswirkungen auf die Betroffenen. Junge Menschen sind individuell in Bedürfnissen und Entwicklung, Plattformen und deren Funktionen sind auch vielfältig. Es braucht daher passende unterschiedliche Schutzmaßnahmen und abgestufte Lösungen.
* KINDERRECHTE bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen wahren: bei Maßnahmen wie der Altersverifikation müssen Datenschutz und Nicht-Diskriminierung eingehalten werden. Für die Entwicklung von digitalen Maßnahmen muss vorab die Auswirkung auf Kinderrechte bewertet werden. UNICEF hat mit D-CRIA (Digital Child Rights Impact Assessment) ein entsprechendes Tool geschaffen, um potentielle Risiken für Kinder einschätzen und Maßnahmen ableiten zu können.

JETZT EINFACH EIN ZEICHEN SETZEN

Zur Unterstützung der Forderungen von UNICEF Österreich an die Regierung einfach die PETITION „ONLINE SICHER – FÜR JEDES KIND“ für mehr Kinderschutzmaßnahmen auf Plattformen, digitale Bildung für jedes Kind sowie Einbeziehung junger Menschen in die Maßnahmen jetzt unterschreiben.

Zur Stellungnahme von UNICEF zu KI-generierten sexualisierten Bildern von Kindern.

Mehr Informationen zum Safer Internet Day finden sich unter https://www.saferinternet.at/ und #sid2026at.

FÜR REDAKTIONEN:

Pressefotos: https://login.yoursecurecloud.de/d/601907201d7d4cb1bb54/

Copyright: Barbara Wirl

Mag. Lisa Heidegger-Haber, MA
Telefon: +43 660 34 83 653
E-Mail: presse@unicef.at
Website: https://unicef.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender