Wohnungslosigkeit erhöht Suizidrisiko bei Frauen massiv

Wohnungslosigkeit erhöht Suizidrisiko bei Frauen massiv

Psychiatrische Fachgesellschaft warnt: Soziale Unsicherheit kann psychische Krisen massiv verstärken

Wohnungslosigkeit kann nicht nur Folge psychischer Erkrankungen sein, sondern selbst ein erheblicher Risikofaktor für Suizidalität. Darauf weist die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) anlässlich des Internationalen Aktionstags für Frauengesundheit am 28. Mai hin. Aktuelle internationale Daten zeigen insbesondere bei wohnungslosen Frauen ein deutlich erhöhtes Risiko für Suizid und Selbstverletzung.

Eine aktuelle Studie mit Datenanalysen von mehr als 5,1 Millionen Menschen über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren zeigte einen klaren Zusammenhang zwischen Wohnungslosigkeit und Suizidalität: Männer mit Erfahrung von Wohnungslosigkeit hatten ein mehr als doppelt so hohes Suizidrisiko als die Allgemeinbevölkerung, bei Frauen lag das Risiko fast viermal höher. Auch Selbstverletzungen traten bei wohnungslosen Menschen deutlich häufiger auf. Besonders alarmierend war die Situation bei aktuell wohnungslosen Frauen: Ihr Suizidrisiko war bis zu achtmal höher als jenes von Frauen, die bis dato noch keine Wohnungslosigkeit erlebt hatten. Die Studiendaten zeigten weiters, dass Wohnungslosigkeit neben psychiatrischen Erkrankungen und anderen sozialen Faktoren als eigenständiger Risikofaktor für Suizidalität anzusehen ist.

„Besonders alarmierend ist, wie stark das Suizidrisiko bei aktuell wohnungslosen Frauen ansteigt. Die vorliegenden Daten zeigen deutlich, dass Wohnungslosigkeit selbst zu einer massiven psychischen Belastung werden kann“, erklärt Prim. Dr. Christian Korbel, Präsident der ÖGPP.

Auch in Österreich gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Laut aktuellen Daten waren im Jahr 2024 mehr als 21.000 Menschen in Österreich als wohnungs- oder obdachlos registriert, rund 31 Prozent davon Frauen. Gleichzeitig bleibt Suizid eine der häufigsten vermeidbaren Todesursachen: Im Jahr 2024 starben in Österreich 1.219 Menschen durch Suizid – etwa dreieinhalbmal so viele wie im Straßenverkehr. Rund 20 Prozent der Suizidtoten waren Frauen.

Die ÖGPP weist darauf hin, dass Wohnungslosigkeit häufig mit sozialer Isolation, chronischem Stress, Gewalterfahrungen und erschwertem Zugang zu medizinischer und psychosozialer Versorgung verbunden ist. Gerade Frauen sind oftmals mehrfach belastet – etwa durch Armut, Betreuungsarbeit, Gewalterfahrungen oder prekäre Lebenssituationen. Internationale Daten zeigen zudem, dass sich das Risiko für Suizidalität nochmals erhöht, wenn Wohnungslosigkeit gemeinsam mit psychischen Erkrankungen auftritt.

„Wirksame Suizidprävention beginnt viel früher als die psychiatrische Behandlung – bei Wohnsicherheit, sozialer Stabilität, Gewaltprävention und erreichbarer Unterstützung in Krisensituationen“, so Prim. Dr. Christian Korbel. „Wer über Frauengesundheit spricht, muss daher auch über soziale Sicherheit und Gewaltprävention sprechen!“

Zur Studie: Link

Büro der ÖGPP
E-Mail: office@oegpp.at
Website: https://www.oegpp.at

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