Ältere Menschen haben ein Recht auf Schutz vor Gewalt
Ältere Menschen haben ein Recht auf Schutz vor Gewalt
PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer fordert mehr Prävention, mehr Unterstützung für pflegende Angehörige und ein Gewaltschutz-Paket als Teil der Pflegereform
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an älteren Menschen am 15. Juni fordert Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), verstärkte Anstrengungen zum Schutz älterer Menschen vor Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung: „Gewalt im Alter ist ein oft verborgenes, aber weit verbreitetes Problem, das endlich stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden muss! Ältere Menschen haben ein Recht auf ein Leben in Würde, Sicherheit und Respekt.“ ****
Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge erlebt weltweit etwa jede sechste Person über 60 Jahre innerhalb eines Jahres Gewalt oder Misshandlung. Expertinnen und Experten gehen zudem davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, da viele Fälle nie gemeldet werden. „Gewalt an älteren Menschen hat viele Gesichter: Sie reicht von körperlicher und psychischer Gewalt über Vernachlässigung bis hin zu finanzieller Ausbeutung. Besonders betroffen sind Frauen mit erhöhtem Pflegebedarf oder Demenz. Wir dürfen hier nicht wegschauen“, betont Gerstorfer.
GEWALT IM ALTER PASSIERT OFT IM VERBORGENEN
Viele Betroffene suchen keine Hilfe – aus Angst, Scham oder weil sie von den Täterinnen oder Tätern abhängig sind. Andere sind aufgrund von Pflegebedürftigkeit oder demenziellen Erkrankungen nicht mehr in der Lage, selbst Unterstützung zu organisieren. „Gewalt im Alter muss endlich raus aus der Tabuzone. Nur wenn wir hinschauen, sensibilisieren und handeln, können wir Betroffene schützen. Das Umfeld, Angehörige, Nachbarinnen und Nachbarn, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Pflegekräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle“, so die PVÖ-Präsidentin. Gewalt hinterlässt nicht immer sichtbare Spuren. Gerade psychische Gewalt, Demütigungen, soziale Isolation oder finanzielle Ausbeutung bleiben oft lange unentdeckt.
ÜBERFORDERUNG VERHINDERN, BEVOR GEWALT ENTSTEHT
Der Pensionistenverband Österreichs weist darauf hin, dass Gewalt häufig auch aus Überforderungssituationen im Pflege- und Betreuungsalltag entsteht. „Pflegende Angehörige leisten Großartiges. Gleichzeitig stoßen viele an ihre körperlichen, psychischen und finanziellen Grenzen. Wer Gewalt verhindern will, muss deshalb auch Überforderung verhindern. Unterstützung und Entlastung sind hier häufig die beste Prävention“, erklärt Gerstorfer. Der PVÖ fordert daher den weiteren Ausbau von Tageszentren, mobilen Pflege- und Betreuungsangeboten sowie flächendeckende Informations- und Beratungsstellen für pflegende Angehörige.
GEWALTSCHUTZ MUSS TEIL DER PFLEGEREFORM WERDEN
Für den Pensionistenverband Österreichs ist klar: Eine zukunftsorientierte Pflegereform muss auch konkrete Maßnahmen zum Schutz älterer Menschen vor Gewalt enthalten.
Dazu gehören insbesondere:
· mehr Unterstützungs- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige
· der Ausbau mobiler Pflege- und Betreuungsdienste
· ausreichend Personal und gute Arbeitsbedingungen im Pflegebereich
· einheitliche Qualitätsstandards in Pflege und Betreuung
· gezielte Schulungen zur Früherkennung von Gewalt
· klare Handlungsabläufe bei Verdachtsfällen
· psychologische Begleitung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige
„Gewaltschutz darf kein Nebenthema sein. Er muss ein zentraler Bestandteil einer modernen Pflegepolitik sein“, fordert Gerstorfer.
PVÖ-LEBENSHILFE UNTERSTÜTZT BETROFFENE UND ANGEHÖRIGE
Der Pensionistenverband Österreichs bietet mit der PVÖ-Lebenshilfe zudem professionelle Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen an. Betroffene, Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld können sich dort beraten lassen und Hilfe in Anspruch nehmen. „Niemand sollte mit Gewalterfahrungen alleine bleiben. Oft ist ein vertrauliches Gespräch der erste Schritt, um Unterstützung zu erhalten und Auswege aus belastenden Situationen zu finden“, so Gerstorfer.
GEWALT VERHINDERN IST EINE GESAMTGESELLSCHAFTLICHE AUFGABE
Abschließend appelliert die PVÖ-Präsidentin an Politik und Gesellschaft, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken: „Gewalt verletzt Menschen körperlich und seelisch. Sie nimmt Betroffenen Lebensqualität, Sicherheit und Würde. Deshalb müssen wir alle Verantwortung übernehmen: informieren, sensibilisieren, unterstützen und im Verdachtsfall handeln. Ältere Menschen haben ein Recht auf Schutz vor Gewalt – und dieses Recht muss konsequent umgesetzt werden.“ (Schluss)
Unabhängiger Pensionistenverband Österreichs
Generalsekretär Christian Rösner, MSc
E-Mail: christian.roesner@pvoe.at
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