Gewerkschaften PRO-GE und GPA: Österreich zur Bahnfabrik Europas entwickeln
Gewerkschaften PRO-GE und GPA: Österreich zur Bahnfabrik Europas entwickeln
Betriebsrätinnen und Betriebsräte der heimischen Bahnindustrie fordern Fachkräfteoffensive und Industriecluster für die Mobilitätswende
Die österreichische Bahnindustrie ist in vielen Bereichen führend. In keinem anderen Land werden pro Kopf so hohe Investitionen in die Forschung der Bahnindustrie getätigt, so viele Patente angemeldet und so viele Produkte exportiert. „Die Bahnindustrie erwirtschaftet eine jährliche Bruttowertschöpfung von rund 2,7 Milliarden Euro und ihre 34.000 Beschäftigten sind die Heldinnen und Helden dieses Erfolges. Um diese rot-weiß-rote Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, müssen jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Es geht darum, Österreich zur Bahnfabrik Europas zu entwickeln“, sagen Reinhold Binder, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft PRO-GE, und Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA.
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA sowie die Arbeiterkammer Österreich luden daher am 7. Mai Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus der Bahnindustrie zu einer Zukunftskonferenz in die voestalpine Donawitz. Im Mittelpunkt der Diskussion standen konkrete Maßnahmen für den Ausbau der industriellen Stärke. In einem „Donawitzer Strategiepapier“ fordern die Belegschaftsvertreter:innen unter anderem eine aktive Industriepolitik, eine Qualifizierungsoffensive sowie die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Lieferketten und der regionalen Wertschöpfung.
So fordern die Betriebsrätinnen und Betriebsräte etwa die Schaffung eines Industrieclusters für die Mobilitätswende, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der heimischen Bahnindustrie zu stärken. Zudem könnte eine engere Kooperation auch die Fachkräfteausbildung unterstützen. Für eine Umsetzung der Mobilitätswende in Österreich und der EU seien mehr gut ausgebildete Beschäftigte erforderlich, heißt es im Strategiepapier dazu. Bestehende Ausbildungswege sollen daher ausgebaut und neue Zugänge zur Facharbeit in der Branche geschaffen werden. „Damit Österreich zum Weltmeister in der Bahnindustrie werden kann, muss ein Fokus auf der Aus- und Weiterbildung gelegt werden. Schließlich sind es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die High-Tech-Züge oder modernste Weichensysteme bauen. Berufliche Qualifizierungschancen stellen zudem Produktqualität und Innovationskraft sicher“, betonen Binder und Ferrari.
Eine zentrale Rolle für die Stärkung der Bahnindustrie liege außerdem in der regionalen Wertschöpfung. „Ein wichtiger Hebel für die Entwicklung von Schlüsselindustrien im Bereich der Mobilitätswende ist die öffentliche Beschaffung. Durch eine bessere Einbeziehung von ökologischen, sozialen und regionalen Kriterien, kann eine strategische Vergabepolitik die Bahnindustrie gezielt unterstützen“, sagen Binder und Ferrari. Dies betreffe zum Beispiel Aufträge im Fahrzeugbau, in der Infrastrukturmodernisierung oder bei digitalen Systemen.
Die Forderungen der Gewerkschaften und Betriebsrätinnen, Betriebsräte der Bahnindustrie im Detail:
+ FÖRDERUNGEN GEZIELT AUF DIE BAHNINDUSTRIE AUSRICHTEN
Die Bahnindustrie ist auch ein Motor für andere Zukunftsbereiche, beispielsweise für grünen Stahl, Leichtbau, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Deshalb sollen der im Zusammenhang mit der Industriestrategie aufgelegte FTI-Pakt (Forschung, Technologie und Innovation) sowie andere Förderungen gezielt auf die Bahnindustrie ausgerichtet werden.
+ ZUKUNFTSINVESTITIONEN VON DEN EU-FISKALREGELN AUSNEHMEN
Das kommende EU-Budget (2028–2034) muss für die „Connecting Europe Facility” genügend Mittel vorsehen (mindestens 100 Milliarden Euro), um die EU-Verkehrsziele erreichen zu können. Zudem müssen Investitionen in Ausbau und Sanierung der Schiene als Zukunftsinvestitionen von den EU-Fiskalregeln ausgenommen werden.
+ REGIONALE WERTSCHÖPFUNG UND WIDERSTANDSFÄHIGE LIEFERKETTEN
Um die industriellen Potenziale Österreichs und Europas zu sichern und langfristig zu erhöhen, müssen Zulieferketten regionaler und widerstandsfähiger gestaltet werden. Der Einsatz öffentlicher Mittel muss dabei strategisch genutzt werden. Die öffentliche Beschaffung und die Direktvergabe von Schienenpersonenverkehren sind ein zentraler Hebel dazu. Daher müssen auf nationaler und europäischer Ebene soziale, ökologische und regionale Wertschöpfungskriterien vorgesehen werden.
+ INDUSTRIECLUSTER FÜR DIE MOBILITÄTSWENDE
Für die Transformation der Industrie hin zu klimaneutralen Technologien braucht es eine aktive Industrie- und Investitionspolitik. Unter anderem soll ein Entwicklungsplan sowie ein Industriecluster für die Mobilitätswende sicherstellen, dass Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft gestärkt werden. Auch müsse der Verkauf oder die Schließung wichtiger Betriebe verhindert werden. Ein Ziel von strategischem öffentlichem Eigentum muss daher der Erhalt der industriellen Basis und die Entwicklung von Schlüsselindustrien im Bereich der Mobilitätswende sein.
+ QUALIFIZIERUNGS- UND BESCHÄFTIGUNGSPOLITIK FÜR DIE BAHNINDUSTRIE
Für die Umsetzung der Mobilitätswende in Österreich und der EU sind mehr gut ausgebildete Beschäftigte erforderlich. Gewerkschaften und Belegschaftsvertreter:innen fordern daher eine umfassende Fachkräfteoffensive, die neue technische und ökologische Kompetenzen stärkt, bestehende Ausbildungswege ausbaut und neue Zugänge zur Facharbeit in der Branche schafft. Die Sozialpartner der Metallindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie haben sich bereits auf eine Qualifizierungsoffensive geeinigt, die hier wertvolle Beiträge leisten kann. Gleichzeitig gilt es, Frauen und ältere Arbeitnehmer:innen verstärkt für die Branche zu gewinnen und zu halten.
PRO-GE Öffentlichkeitsarbeit
Mathias Beer
Telefon: 0664 6145 920
E-Mail: mathias.beer@proge.at
Website: www.proge.at
Gewerkschaft GPA – Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Gürtler
Telefon: 05 0301-21 225 / Mobil: +43 676 817 111 225
E-Mail: daniel.guertler@gpa.at
Website: https://www.gpa.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender