„Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll“ – Künstliche Intelligenz als Themenschwerpunkt beim DenkForum St. Lambrecht
„Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll“ – Künstliche Intelligenz als Themenschwerpunkt beim DenkForum St. Lambrecht
Sowohl in der Altenpflege als auch in der Amputationstechnik und bei neurologischen Beeinträchtigungen kann Künstliche Intelligenz unterstützend eingesetzt werden.
„Künstliche Intelligenz ist ein Tool,“ sagte Anette Jelen-Csokay, Chief Digital Officer Haus der Barmherzigkeit, in ihrem Vortrag beim diesjährigen DenkForum – und die Anwesenden stimmten ihr zu.
Beim diesjährigen Frühjahrsformat der Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge, das alljährlich auf Einladung der Bank Gutmann in deren Räumlichkeiten am Schwarzenbergplatz in Wien stattfindet, kamen Expert*innen aus Praxis und Wissenschaft zusammen. Unter der neuen Leitung von Präsident Günther Schiendl hat die Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge die eintägige Tagung in Wien neu ausgerichtet: Einerseits wird ein breiterer Themenkreis, über die reine Altersvorsorge hinaus, diskutiert. Andererseits wurde das Format internationalisiert. „Dieses Jahr steht das DenkForum unter dem Leitmotiv ‚Longevity‘, weil das ist ein Thema, wo alle Fäden zusammenlaufen“, sagte Günther Schiendl in seiner Einleitung.
KI NICHT OHNE DEN MENSCHEN
Univ.-Prof. Christoph Gisinger, Institutsdirektor des Haus der Barmherzigkeit, betonte: „Angesichts des demografischen Wandels braucht es neue Lösungen für ein zukunftsfittes Gesundheits- und Pflegesystem. Daher ist es wichtig, die Chancen technologischer Innovationen in den Bereichen KI und Robotik zu diskutieren und ihren Nutzen für die Versorgungssicherheit im Alter sowie für die Lebensqualität älterer Menschen sorgfältig abzuwägen.“
Ein Block der Veranstaltung war daher dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) und Medizin gewidmet. Gerade in direkter Anwendung mit und am Menschen, ist der Einsatz von KI besonders heikel und vorsichtig umzusetzen. Darin waren sich alle Vortragenden in dem Themenblock einig. Für das Haus der Barmherzigkeit betonte Jelen-Csokay, dass man „nicht technologiegetrieben, sondern lösungsorientiert“ sein will. Denn „nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll.“
Sie sieht in KI-Anwendungen ein großes Potenzial für das Gesundheitswesen: „Das Fundament muss tragfähig sein und mit Transparenz, Innovation und guten Datenstandards können gute Voraussetzungen für den Einsatz von KI geschaffen werden.“ In ihrem Vortrag brachte sie diverse Praxisbeispiele aus dem Alltag in den Betreuungseinrichtungen des Haus der Barmherzigkeit. Besonders vielversprechend sei etwa der Einsatz von KI beim Auswerten von umfassenden Patient*innen-Daten. „Die manuelle Delir-Sturz-Bewertung kostet unseren Kolleg*innen täglich mehrere Stunden und hier kann datengetriebene KI unterstützend und effizienzsteigernd wirken,“ erläutert Jelen-Csokay ein Pilotprojekt, das aktuell getestet wird.
In einem weiteren Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Thomas E. Dorner, der die Leitung der Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit innehat, wurde die Rolle von KI in der gerontologischen Prävention reflektiert: „Technische und Digitale Lösungen können bei der Bewältigung von funktionellen Einschränkungen im Alter, bei der Prävention von Unselbstständigkeit und bei der Versorgung älterer Menschen eine wertvolle Ressource sein. Wichtig ist jedoch, dass sich diese Lösungen am Bedarf der Menschen orientieren und mit Betroffenen gemeinsam entwickelt werden.“ Diese Erfahrung zeigte sich bei mehreren Forschungsprojekten der Akademie für Altersforschung: etwa bei einem humanoid wirkenden Roboter, der mit Bewohner*innen interagierte, einem „elektronischen Mitteilungsheft“ zwischen Stationen, Bewohner*innen und deren Angehörigen, oder der Lebensstil-App „KliMate“, mit der ältere Menschen trotz klimawandel-bedingter Umweltprobleme durch soziale Unterstützung die Bewegungsempfehlungen erfüllen können. Sinnvoll sei es bei technischen Lösungen anzusetzen, die aus dem Alltag generiert sind.
POTENZIALE DER KI NUTZEN
Für Hans-Peter Arzberger, Sales Director Austria bei Otto Bock, wird es „immer wichtig bleiben, dass sich Menschen persönlich treffen.“ Aber gerade in seinem Bereich der Prothesen und technische Unterstützungshilfen wie Orthesen oder Exoskelette, könne die KI sowohl zum Wohl der Betroffenen als auch jenes des Gesundheitssystems eingesetzt werden. „Aktuell wird die richtige Prothese mit einer oft langwierigen Bewilligungsphase gefunden, die derzeit oft auch ein sehr emotionaler Prozess ist,“ eine Einspeisung von Daten in eine KI-Lösung könne hier helfen, die tatsächlich passende Versorgungslösung für die Bedürfnisse von Betroffenen zu finden.
Aber auch denjenigen, die im OP die Amputation durchführen könnte mehr Wissen zur benötigten Prothese helfen, Entscheidungen über die Art der Entfernung von Körperteilen zu treffen. „Ziel ist es, möglichst effizient die richtige Lösung für die Betroffenen zu finden; damit diese den Alltag wieder bewältigen können.“ betont Arzberger. „Denn nicht die Benutzung einer Prothese ist teuer für das Gesundheitssystem, sondern die Nicht-Nutzung.“
„Die Themenvielfalt war extrem spannend und in dieser Disziplinenübergreifenden Kombination einzigartig. Die Beiträge der internationalen Referenten eröffneten eine globale Sicht auf die Bandbreite von Überlegungen zu KI und Medizin“, sagte Schiendl. „Wir werden diese Themen mitsamt ihren gesellschaftlichen und finanziellen Auswirkungen im Rahmen unserer Herbstkonferenz DenkWerkstatt St. Lambrecht in der Steiermark fortsetzen und vertiefen.“_ __Denkwerkstatt St. Lambrecht – Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge_
DENKWERKSTATT ST. LAMBRECHT
Die DenkWerkstatt St. Lambrecht tritt 2026 unter einem Leitmotiv an, das weit über Fachgrenzen hinausreicht: „Longevity – Demography – Ethics“ – ein Dreiklang, der die großen Fragen unserer gemeinsamen Zukunft berührt.
DATUM: 07.10.2026 – 09.10.2026
ART: Konferenzen und Tagungen
ORT: Benediktinerstift St. Lambrecht
Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge – Denkwerkstatt
St. Lambrecht
Mag. Petra Pichler
Telefon: 0664 821 00 87
E-Mail: p.pichler@denkwerkstatt-stlambrecht.org
Website: https://denkwerkstatt-stlambrecht.org
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender