Hitzige Debatte im Nationalrat über Fairness im Frauensport

Hitzige Debatte im Nationalrat über Fairness im Frauensport

Zwei gleichlautende Entschließungsanträge der FPÖ abgelehnt

Gegen die Teilnahme von Transfrauen an Frauenwettkämpfen wandte sich die FPÖ mit zwei gleichlautenden Entschließungsanträgen, die sowohl vom Gleichbehandlungs- als auch vom Sportausschuss abgelehnt worden waren. Auch im Nationalrat unterstützte keine der anderen Fraktionen die Forderung der Freiheitlichen, nach „verbindlichen Regeln“, dass „biologische Männer“ nicht bei Frauenwettbewerben antreten dürften. Die anderen Fraktionen verwiesen auf die Autonomie des Sports und betonten, dass über die Teilnahme an Bewerben je nach Sportart von den jeweiligen Verbänden zu entscheiden sei.

Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt nannte Fairness, Chancengleichheit und vor allem die Sicherheit der Sportlerinnen und Sportler als „grundlegende Prinzipien“ des Sportsystems. Die Politik habe die Autonomie des Sports zu respektieren. Die Ausgestaltung von Teilnahmebedingungen liege grundsätzlich in der Verantwortung der zuständigen Verbände, so Schmidt. Viele Verbände würden bereits über differenzierte Regelwerke verfügen, um den Anforderungen der einzelnen Sportarten Rechnung zu tragen. Dort, wo es aufgrund biologischer Gegebenheiten zu Verzerrungen im Frauensport kommen könne, habe der Sport „auch schon Regeln gemacht“, sagte Schmidt. Das Ziel der Bundesregierung sei es, sowohl faire Wettbewerbsbedingungen für Frauen als auch einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang mit allen Menschen im Sport zu garantieren.

FPÖ: GEFÜHLE NICHT ÜBER REALITÄTEN STELLEN

Vor einer „endgültigen Abschaffung der Fairness im Frauensport“ warnte Markus Leinfellner (FPÖ) und meinte, dass „Gefühle nicht über Realitäten“ gestellt werden dürften. Ricarda Berger (FPÖ), Nicole Sunitsch (FPÖ) und Harald Schuh (FPÖ) betonten, dass die Teilnahme an Frauenbewerben nur nach dem „biologischen Geschlecht“ erfolgen solle, um Fairness sowie die Sicherheit der Athletinnen zu gewährleisten. Denn die Sicherheit von Frauen im Sport dürfe „kein ideologisches Experiment“ sein, unterstrich Berger. Rosa Ecker (FPÖ) warf Sportminister Andreas Babler und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner vor, in dieser Sache keine Verantwortung übernehmen zu wollen. Ihrer Ansicht nach bedürfe es gezielter Maßnahmen. So sollten laut Ecker beispielsweise Sportförderungen künftig an „klare Schutzregeln“ für Frauen geknüpft werden. Dagmar Belakowitsch (FPÖ) begrüßte es, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei den nächsten Olympischen Sommerspielen 2028 erstmals Gen-Tests zum Schutz von Athletinnen einsetzen wolle. Dies könnte man laut Belakowitsch auch auf nationaler Ebene „sofort einführen“, beispielsweise bei österreichischen Meisterschaften.

ÖVP: TEILEN DAS ZIEL DES ANTRAGS

Unterstützung für das Ziel des FPÖ-Entschließungsantrags gab es von der ÖVP. Allerdings seien „verbindliche Regeln“ seitens der Politik, wie von der FPÖ gefordert, der falsche Weg, sagte Heike Eder (ÖVP). Es dürfe nicht passieren, dass „biologische Männer“ den Wettbewerb im Frauensport verzerrten oder gar Sportlerinnen verletzten, so Eder. Da der organisierte Sport international sei, müsse die Teilnahme an Wettbewerben von internationalen Fachverbänden geregelt werden. Auch Gudrun Kugler (ÖVP) sah die Zuständigkeit nicht beim Parlament, sondern bei den Sportverbänden. Allerdings werde ihre Fraktion dafür kämpfen, dass der Frauensport für Frauen und Mädchen vorbehalten bleibe, sagte Kugler. Auf die Komplexität des Themas wies Christoph Zarits (ÖVP) hin. Er sagte, die Politik werde sich mit diesem Thema beschäftigen müssen. Allerdings gebe es dazu keine „einfachen Antworten“, da die Voraussetzungen je nach Sportart unterschiedlich seien. Er sprach sich für wissenschaftlich fundierte Entscheidungen und Regelungen aus, bei denen auch die Medizin einbezogen werden müsse.

SPÖ: NATIONALE UND INTERNATIONALE SPORTORGANISATIONEN ENTSCHEIDEN

Dieses Thema sei „kein Fall für das Parlament“, sondern eine Angelegenheit der nationalen und internationalen Sportorganisationen“, sagte auch Maximilian Köllner (SPÖ). Denn bei diesen liege die Entscheidung darüber, wer bei ihren Bewerben antreten dürfe. Als zentrale Werte nannte er „Fairness, Chancengleichheit und Integrität“ und unterstrich den verbindendenden Charakter des Sports. Wie seine Fraktionskollegin Petra Tanzler unterstrich er den Ausbau der „täglichen Bewegungseinheit“ an Schulen als Beitrag zur Förderung von Sport und Bewegung. Mario Lindner (SPÖ) warf der FPÖ vor, absichtlich „Angst und Hetze“ schüren zu wollen, Menschen gegeneinander auszuspielen, Feindbilder zu schaffen und Transpersonen „als Problem“ darstellen zu wollen.

NEOS UNTERSTREICHEN AUTONOMIE DES SPORTS

Auf die Autonomie des Sports verwiesen die NEOS. Das Letzte, was Sportverbände brauchen würden, seien „zentralpolitische Machtfantasien“, meinte Janos Juvan (NEOS). Auch Henrike Brandstötter (NEOS) betonte, dass den Sportverbänden nicht angeschafft werden könne, wie sie ihre Regeln zu gestalten hätten. Allerdings stehe man am Anfang einer Debatte, in der „einiges unter einen Hut“ gebracht werden müsse, da zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinanderprallten, wenn zunehmend Transfrauen an Frauensportarten teilnehmen. Somit gehe es einerseits um die Gewährleistung von Schutz und andererseits um das Ziel der „vollkommenen Gleichberechtigung“, so Brandstötter. NEOS-Klubobmann Yannick Shetty sah im FPÖ-Antrag eine „perfide Strategie“ der Freiheitlichen, die seiner Ansicht nach, darauf abziele, in eine „gesellschaftliche Steinzeit“ zurückzukehren. Denn der FPÖ würde es laut Shetty darum gehen, Österreich „rückentwickeln“ zu wollen und beispielsweise die „Ehe für alle“ wieder abschaffen zu wollen.

GRÜNE: KEINE „EINFACHE ANTWORT“ FÜR ALLE SPORTARTEN

Wenn über Frauensport gesprochen werde, müsse auch darüber geredet werden, dass es beispielswiese ungleiche Bezahlung und einen wesentlichen schwereren Zugang zu Sponsoren gebe, betonte Agnes Sirkka Prammer (Grüne). Sie unterstrich, dass es im Sport Fairness brauche und jeder Verband eigene Regelungen habe, wie diese hergestellt werde. Auch ihr Fraktionskollege David Stögmüller sah eine pauschale, gesetzliche Regelung als den falschen Weg. Jede Sportart sei anders, daher gebe es keine „einfache Antwort“. Um freie Wettbewerbe und Rechtssicherheit zu gewährleisten, müsse auf die Expertinnen und Experten in den Verbänden gehört werden. Denn diese wüssten, welche Regeln für welche Sportart sinnvoll und praktikabel seien. (Fortsetzung Nationalrat) bea

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