Offener Brief an Minister Hattmannsdorfer: „Schluss mit Fake News zum Arbeitsmarkt – Wo bleibt Ihr runder Tisch?“

Offener Brief an Minister Hattmannsdorfer: „Schluss mit Fake News zum Arbeitsmarkt – Wo bleibt Ihr runder Tisch?“

vida-Hebenstreit kritisiert staatlich forcierten Arbeitskräfte-Import auf Kosten der Jugend – Attraktive Jobs schaffen, statt nach Dumpinglohn-Kräften rufen“

In einem heute, Montag, veröffentlichten Offenen Brief wendet sich Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, direkt an Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Anlass ist die zunehmend verzweifelte Lage junger Menschen am österreichischen Arbeitsmarkt, während die Politik zeitgleich den Import von Arbeitskräften über Instrumente wie die Rot-Weiß-Rot-Card forciert. Hebenstreit erinnert den Minister zudem an ein nicht eingelöstes Versprechen aus dem Vorjahr: Es gab noch immer keine Einladung an die Sozialpartner zu einem Runden Tisch mit dem Minister zu einem offenen, und faktenbasierten Dialog zum Thema Arbeitsmarkt.

Der Offene Brief im Wortlaut:

SEHR GEEHRTER HERR BUNDESMINISTER HATTMANNSDORFER!

Ein aktueller Bericht im Online Standard vom 21.6.2026 (_„300 Bewerbungen, null Rückmeldungen: Der Frust am Jobmarkt wird zum Gag“_) zeichnet ein dramatisches Bild der Realität unserer Jugend. Während junge, motivierte Menschen hunderte Bewerbungen abschicken, von automatisierten Systemen gehostet werden und am Berufseinstieg verzweifeln, hält Ihr Ministerium stur an einer Politik fest, die den staatlich forcierten und geförderten Import von Arbeitskräften vorantreibt. Das ist eine verkehrte Welt und ein Schlag ins Gesicht der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

HERR MINISTER, WIR WARTEN BIS HEUTE!

Der herbeigeredete Fachkräftemangel ist nicht die erste Informationsschieflage, mit der wir konfrontiert sind. Bereits im vergangenen Jahr haben wir uns mit Bezug auf nachweisliche Falschmeldungen der Wirtschaftskammer (WKO) – deren Generalsekretär Sie selbst kurzzeitig waren – in einem Offenen Brief an Sie gewandt. Damals wurden falsche Zahlen zu Krankenständen instrumentalisiert, um Stimmung gegen Beschäftigte zu machen. Sie haben daraufhin per OTS-Aussendung einen „offenen, faktenbasierten Dialog“ angekündigt und zu einem runden Tisch geladen, um angeblichen Missbrauch zu diskutieren.

AUF DIESEN RUNDEN TISCH UND DEN FAKTENBASIERTEN DIALOG WARTEN WIR BIS HEUTE! Stattdessen setzen sie auf das Prinzip Wegschauen, während die Propaganda der Wirtschaft ungestört weiterläuft.

AUSBILDEN STATT IMPORTIEREN: SCHLUSS MIT DER BILLIGLOHN-STRATEGIE

Dieses permanente Fluten der Öffentlichkeit mit Falschinformationen über den Zustand unseres Arbeitsmarktes muss endlich ein Ende haben. Wir haben in Österreich keinen generellen Arbeitskräftemangel. Wir haben einen eklatanten MANGEL AN ATTRAKTIVEN ARBEITSBEDINGUNGEN UND FAIREN LÖHNEN!

Wenn Unternehmen händeringend Arbeitskräfte suchen, dann gibt es ein einfaches, marktwirtschaftliches Rezept: SCHAFFEN WIR ARBEITSPLÄTZE, VON DENEN DIE MENSCHEN LEBEN KÖNNEN! Es kann und darf nicht Aufgabe des Staates sein, das unternehmerische Risiko zu minimieren, indem über die Aufweichung der Rot-Weiß-Rot-Card und erhöhte Saisonkontingente immer billigere Arbeitskräfte aus Drittstaaten geholt werden. Das drückt das Lohnniveau im Inland, nimmt den Betrieben jeglichen Druck, die Jugend selbst ausbilden zu müssen, und lässt unsere Jugendlichen mit einer „Job Search Depression“ im Regen stehen. Eine Wirtschaft, die ihre eigene Jugend nicht mehr integrieren will, verspielt ihre Zukunft.

Herr Minister, beenden Sie die soziale Geisterfahrt. Lösen Sie Ihr Versprechen ein und laden Sie die Sozialpartner an einen Tisch ein – zu einem ehrlichen Dialog über die echten Probleme: unbezahlte Überstunden, Lohnraub, mangelnde Ausbildung und faire Löhne. Die Beschäftigten und die Jugend dieses Landes haben es sich verdient.

Mit gewerkschaftlichen Grüßen,

ROMAN HEBENSTREIT

Vorsitzender der Gewerkschaft vida

Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Hansjörg Miethling
Telefon: 0664 / 6145 733
E-Mail: hansjoerg.miethling@vida.at

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