Vision und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte
Vision und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte
Die MQ Jubiläumsausstellung | 30.06. – 25.01.2027 | MQ Freiraum
Wie kaum ein anderes Projekt hat das MuseumsQuartier Wien als größtes Kulturbauvorhaben der Zweiten Republik polarisiert und zugleich die Stadt Wien so verändert. Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums blickt das MQ auf seine Erfolgsgeschichte zurück. Bis zum größten Kunst- und Kulturareal Europas war es ein konfliktreicher Weg, der von Diskussionen, politischen Richtungswechseln und medialen Debatten geprägt war, die weit über Fragen der Architektur hinausgingen. Was für viele Wienerinnen und Wiener heute selbstverständlich ist, drohte lange Zeit an Querelen und Boulevard zu scheitern.
Die Ausstellung „Vision und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ im MQ Freiraum erzählt die spannende Transformationsgeschichte des MQ: Von kühnen Architekturentwürfen, erbitterten Debatten und einem Projekt, das immer wieder am Rand des Scheiterns stand. Anhand von Skizzen, Original-Architekturmodellen, Plänen, historischen Dokumenten und Schlagzeilen veranschaulicht sie die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen und zeigt, dass das MQ inhaltlich sowie architektonisch nie als „fertig“ gedacht war.
DER STALL DES KAISERS
Der Kaiserliche Marstall für 600 Pferde und 200 Karossen sollte am Rand des Glacis, aber in Sichtweite der Hofburg errichtet werden. Die Pläne für das damals größte Gebäude Wiens lieferte der Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach, der für den Kaiser Karl VI wenige Jahre zuvor bereits die Karlskirche entworfen hatte. 1719 wird mit dem Bau begonnen, doch nach dem Tod Fischer von Erlachs bleibt der Großteil des grandiosen Projekts Papier. Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Komplex nochmals erweitert.
DIE GROSSE VISION: EIN MUSEUMSQUARTIER FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
Die als Hofstallungen genutzte Anlage wurde ab 1921 zum „Messepalast“ für Großausstellungen, Messen, sowie später für Sport- und Populärkultur umfunktioniert. 1945 lagen Teile des Messepalastes in Trümmern und die im 7. Bezirk präsente amerikanische Militärmacht nutzte den Messepalast für zahlreiche Sportveranstaltungen und Großausstellungen. In den 50er und 60er Jahren fanden hier Konzerte und Bälle statt, die populärste war die „Jochen Rindt Show“, die ab 1967 Rennwagen und motortechnische Innovationen präsentierte.
Ab den späten 1970er-Jahren verfestigte sich die Idee, den Ort zu einem Kulturareal weiterzuentwickeln. Was folgte, war ein politischer Marathon: die erste Stufe des Wettbewerbs im Jahr 1986, wechselnde Zuständigkeiten, neue kulturpolitische Konstellationen und schließlich ein inhaltlicher Neustart mit einem Konzept, das die Kunst der Moderne und der Gegenwart, eine Kunst- und Veranstaltungshalle sowie ein Medienzentrum beinhaltete. Die Vision: ein „österreichisches Centre Pompidou“, wie der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk aufhorchen ließ.
Das in der zweiten Stufe des Wettbewerbs ermittelte Siegerprojekt von Laurids und Manfred Ortner setzte ein kraftvolles architektonisches Statement und löste eine der heftigsten Kulturkontroversen der Zweiten Republik aus.
DER LESETURM – SYMBOL EINER HEFTIGEN AUSEINANDERSETZUNG
Kaum ein Bauprojekt hat Wien so polarisiert wie der Entwurf für das MuseumsQuartier. Die Kronen Zeitung sprach vom „Museumsmonster“, Bürgerinitiativen liefen Sturm, internationale Expertinnen und Experten meldeten sich kritisch zu Wort. Im Zentrum der Debatte stand der 67 Meter hohe Leseturm, ein markantes Wahrzeichen ohne klare Funktion.
Bald wurde das Konzept als Ganzes in Frage gestellt, der Leseturm sollte fallen, die Museen wurden deutlich redimensioniert. 1998 begann der Bau nach weitgehend neuer Planung, am 29. Juni 2001 wurde das MuseumsQuartier eröffnet mit einer programmatischen Offenheit, die das MQ bis heute prägt.
DIE NÄCHSTEN 25 JAHRE
Die Ausstellung schlägt auch eine Brücke in die Zukunft: Das MQ erscheint dabei nicht als abgeschlossenes Projekt, sondern als ein Areal in Transformation. Mit der bereits 2023 gestarteten umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie „MQ goes Green“ wird die Vision eines energieeffizienten und umweltbewussten Areals vorangetrieben, um bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen. Neben der Begrünung im Außenraum zählen auch die Umstellung auf LED-Beleuchtung, ein umfassendes Müllkonzept und künstlerische Projekte zu den zentralen Säulen der Nachhaltigkeitsstrategie.
Das größte kulturelle Bauprojekt des 21. Jahrhundert, das Haus der Geschichte Österreich (hdgö), ist die erste inhaltliche Erweiterung des MuseumsQuartiers seit seiner Eröffnung 2001. Das Siegerprojekt des Berliner Büros O&O Baukunst sieht einen nachhaltigen Neubau in Holzbauweise vor, der sich harmonisch in den freigespielten Klosterhof einfügt. Das Projekt befindet sich zur Zeit in der Phase der Baueinreichung.
Die Architekten Manfred und Laurids Ortner haben auch nach der Eröffnung 2001 immer wieder Projekte für eine Weiterentwicklung des MuseumsQuartier vorgelegt. 2020 wurde die „MQ Libelle“ auf dem Dach des Leopold Museums verwirklicht. In der Ausstellung sind darüber hinaus großformatige Kreidezeichnungen für weitere Vorschläge für die Zukunft zu sehen. für eine Überdachung des Staatsratshofes mit einer Photovoltaik-Anlage, für einen neuen Zugang zur Kunsthalle und nicht zuletzt für den berühmt-berüchtigten Leseturm.
Für den Fischer-von-Erlach-Trakt des MQ wurden im Rahmen eines Themendiploms an der TU Wien 2025 Entwürfe zum Umgang mit dem historischen Bestand konzipiert und ausgearbeitet. Im Dialog mit der MQ-Direktion entwickelten die Studierenden neue Raumkonzepte Orte innerhalb des Fischer-von-Erlach-Trakts und formulierten zugleich Vorschläge für mögliche künftige Nutzungen. Die Arbeiten machen räumliche Potenziale der Vorhandenen und übersehenen Zeitspuren sichtbar. Gleichzeitig wurden sie auf ihre architektonische, denkmalpflegerische sowie bauökologische Relevanz untersucht.
Betreut wurden die Studierendenarbeiten von Prof. Heike Oevermann (Denkmalpflege und Bauen im Bestand), Prof. Wilfried Kuehn und Basma Abu-Naim (Raumgestaltung und Entwerfen) sowie Prof. Kristina Orehounig (Building Science and Human Ecology).
Heute ist das MuseumsQuartier mit rund fünf Millionen Besucher:innen jährlich eines der weltweit größten Kunst- und Kulturareale der Welt. Mit seinen vielfältigen Institutionen und der Gestaltung und Begrünung der Höfe hat es sich als öffentlicher Raum etabliert, in dem Kunst, Kultur und Alltag ineinandergreifen. Es bleibt bis heute ein Ort des Ausverhandelns, ein kultureller Knotenpunkt für künstlerische und gesellschaftliche Diskurse.
Kuratiert von Andreas Nierhaus.
Begleitend zur Ausstellung gibt es einen umfangreichen Katalog.
PRESSEMAPPE, PRESSEBILDER SOWIE PROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG UNTER WWW.MQW.AT/DE/PRESSE/VISION-UND-WIDERSTAND/
OPEN HOUSE „VISION UND WIDERSTAND“
Freier Eintritt in den MQ Freiraum und exklusive Führungen um 16:00 und 18:00
DATUM: 30.06.2026, 10:00 Uhr – 30.06.2026, 20:00 Uhr
ART: Ausstellungen
ORT: MQ Freiraum
URL: https://www.mqw.at/de/programm/events/mq-freiraum/open-house-vision-und-widerstand/20260630-1000/
MuseumsQuartier Wien
Anna Lena Schmidt, MA
Presse & Öffentlichkeitsarbeit
T. +43 1 523 5881 – 1712
M. +43 699 130 60 112
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