Alpenverein: Bettwanzen wandern mit – was Gäste auf Hütten tun können
Alpenverein: Bettwanzen wandern mit – was Gäste auf Hütten tun können
Start einer neuen Informationsoffensive: Österreichischer Alpenverein setzt gemeinsam mit Alpenvereinen aus Deutschland und Südtirol auf Aufklärung statt Tabuisierung
OB NOBELHOTEL, EINFACHE HERBERGE ODER ALPINE SCHUTZHÜTTE, DIE BETTWANZE BREITET SICH WELTWEIT AUS. ÜBER GEPÄCK ODER KLEIDUNG WERDEN DIE INSEKTEN UNABHÄNGIG VOM HYGIENESTANDARD VON ORT ZU ORT VERSCHLEPPT. UM ZU VERHINDERN, DASS BETTWANZEN AUCH VON HÜTTE ZU HÜTTE WEITERGETRAGEN WERDEN, SETZT DER ÖSTERREICHISCHE ALPENVEREIN GEMEINSAM MIT DEN ALPENVEREINEN IN DEUTSCHLAND UND SÜDTIROL AUF UMFASSENDE AUFKLÄRUNG SOWIE AUF DIE ZUSAMMENARBEIT MIT GÄSTEN UND HÜTTENWIRTSLEUTEN. WIE WANDERNDE SELBST DAZU BEITRAGEN KÖNNEN, DIE VERBREITUNG VON BETTWANZEN ZU VERHINDERN, ZEIGEN EINFACHE PRAXISTIPPS.
Die Bettwanze erlebt ein Comeback. Die Hütten der Alpenvereine stellen dabei leider keine Ausnahme dar: Die 1 bis 8 mm großen Wanzen können über Gepäck, Kleidung oder Ausrüstung von Hütte zu Hütte mitwandern. Zwar übertragen sie keine Krankheitserreger, doch ihre Bisse können Hautreaktionen wie Juckreiz oder manchmal rote Quaddeln und Blasen auslösen. Um die Verschleppung von Bettwanzen möglichst zu reduzieren, setzt der Österreichische Alpenverein gemeinsam mit den Alpenvereinen in Deutschland und Südtirol auf gezielte Information und Sensibilisierung. DAMIT DIE INSEKTEN NICHT VON HÜTTE ZU HÜTTE ODER GAR INS EIGENE ZUHAUSE MITGETRAGEN WERDEN, KÖNNEN GÄSTE MIT EINFACHEN MASSNAHMEN EINEN WICHTIGEN BEITRAG LEISTEN:
* Vor Ort die Vorgaben der Hütte zur Prävention beachten.
* Fest verschließbare Beutel zur Aufbewahrung des Rucksacks innerhalb der Hütte selbst mitnehmen. Gerade getragene Wäsche in fest verschlossenen Beuteln (z. B. Drybags) aufbewahren, um Wanzen nicht durch den Körpergeruch anzulocken.
* Rucksack immer gut verschließen und in größtmöglicher Entfernung zum Schlafplatz aufbewahren.
* Sichtungen von Bettwanzen, Häutungsresten, Kotspuren (kleine schwarze Punkte), winzigen Blutflecken auf Bettwäsche oder Schlafsäcken (durch das Zerdrücken der Tiere) sowie Bisse am eigenen Körper (meist mehrere nebeneinander) sollten dem Hüttenpersonal gemeldet werden.
* Gepäck vor und nach der Tour auf Befall kontrollieren, idealerweise durch Ausschütten in Badewanne oder Dusche.
* Kleidung bei mindestens 40 °C waschen oder alternativ drei Tage bei -18 °C einfrieren.
Einige Hütten haben eigene Präventionsmaßnahmen gegen Bettwanzen eingeführt und informieren bereits bei der Reservierung oder auf ihrer Website darüber. So kann beispielsweise vorgeschrieben sein, dass keine eigenen Hüttenschlafsäcke verwendet werden dürfen.
„WEGSCHAUEN IST KEINE LÖSUNG“: ALPENVEREINE SETZEN AUF NEUE INFORMATIONSANGEBOTE
„Wir sind davon überzeugt, dass ein bewusster Umgang mit dem Thema wesentlich dazu beiträgt, Gäste zu sensibilisieren und Hütten besser zu schützen. Wegschauen ist beim Thema Bettwanzen keine Lösung“, erklärt CAROLIN SCHARFENSTEIN VON DER ABTEILUNG HÜTTEN UND WEGE IM ÖSTERREICHISCHEN ALPENVEREIN. Mit einer umfassenden und offenen Aufklärung leistet der Österreichische Alpenverein in Zusammenarbeit mit den Alpenvereinen in Deutschland und Südtirol einen Beitrag zur Enttabuisierung eines Problems, das oft mit Scham verbunden ist. „Was wir jedoch nicht für zielführend halten, ist, einzelne betroffene Hütten an den Pranger zu stellen. Ein Befall kann grundsätzlich jeden Beherbergungsbetrieb treffen“, ergänzt SCHARFENSTEIN.
Ergänzend zum Hüttenteam, das auf der Hütte selbst wichtige Aufklärungsarbeit leistet, werden die Gäste über einen neuen Flyer, neu gestaltete Aushänge und Beiträge in den Vereinsmedien auf die Problematik aufmerksam gemacht. Die Hüttenwirtsleute werden im Rahmen von Online-Vorträgen und mit einem eigenen Ratgeber geschult.
FRÜHERKENNUNG IST ENTSCHEIDEND
Trotz aller Vorsicht und Aufklärung kann ein Befall nicht immer verhindert werden. Im vergangenen Jahr erhielt der Österreichische Alpenverein fünf Verdachtsmeldungen – bei insgesamt 223 Hütten. Sobald ein erster Verdacht besteht, werden umgehend alle erforderlichen Maßnahmen – dazu gehören u. a. eine sofortige professionelle Bekämpfung, die Information der Hüttengäste und ein Monitoring – eingeleitet, um einen möglichen Befall einzudämmen und zu beseitigen.
Für Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte sowie die hüttenbesitzenden Sektionen bedeutet ein Bettwanzenbefall hohe Kosten und großen Aufwand. Je früher ein Befall erkannt wird, desto gezielter kann er behandelt werden. Dabei helfen neben Expertinnen und Experten auch speziell ausgebildete Wanzenspürhunde, die die Insekten erschnüffeln. Zur Bekämpfung müssen aufgrund der besonderen Begebenheiten auf Hütten Fachfirmen zur Schädlingsbekämpfung herangezogen werden – Verfahren, die kostenintensiv und zeitaufwendig sind.
PODCAST BEGLEITET BETROFFENE HÜTTENWIRTIN
In einer eigenen Podcast-Folge geht der Österreichische Alpenverein den Fragen auf die Spur, warum Bettwanzen nach Jahrzehnten wieder auf dem Vormarsch sind und wie die Alpenvereine gemeinsam gegen sie vorgehen. Außerdem wird beleuchtet, wie sich Gäste auf ihrer nächsten Tour schützen können. Die Folge begleitet auch eine Hüttenwirtin und zeigt die emotionale Belastung, die ein Bettwanzenbefall mit sich bringt. alpenverein.at/basecamp
INFORMATIONSSEITE: www.alpenverein.at/bettwanzen
FLYER „BETTWANZEN WANDERN MIT!“: Online-Version
PODCAST „DIE RÜCKKEHR DER BETTWANZE“: alpenverein.at/basecamp
Mag. Peter Neuner-Knabl
Österreichischer Alpenverein
E-Mail: presse@alpenverein.at
Mobil: +43/664/88970005
Website: www.alpenverein.at
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