PHAGO zum Heilmittelreport 2026: Engpässe verschwinden nicht, sie werden abgefedert
PHAGO zum Heilmittelreport 2026: Engpässe verschwinden nicht, sie werden abgefedert
Arzneimittel-Vollgroßhandel fängt Lieferengpässe ab, bevor sie Patient:innen erreichen – PHAGO fordert Sichtbarkeit und stabile Finanzierung
Der erste Heilmittelreport 2026 des Dachverbands der Sozialversicherungsträger bestätigt eine hohe Versorgungsqualität in Österreich. Er blendet jedoch weitgehend aus, wie diese trotz anhaltender Lieferprobleme sichergestellt wird: Arzneimittel-Vollgroßhändler gleichen durch logistische Höchstleistungen täglich knappe Bestände aus, beschaffen Alternativen und verteilen Medikamente rasch und treffsicher an Apotheken.
„Dass Patientinnen und Patienten von den meisten Engpässen nichts bemerken, ist kein Zufall“, betont PHAGO-Generalsekretärin Monika Vögele. „Unsere fünf Mitgliedsunternehmen sorgen täglich dafür, dass Patientinnen und Patienten trotz fehlender Lieferungen vom Hersteller versorgt werden können. Diese Leistung kommt im Bericht schlicht nicht vor.“
1.220 ARZNEIMITTEL VON LIEFERPROBLEMEN BETROFFEN – GROSSHANDEL SCHLIESST LÜCKE
Während der Report eine vermeintlich entspannte Liefersituation zeichnet, warnt PHAGO vor einer Verharmlosung der Realität: Bei rund 1.220 Arzneimitteln, das entspricht 11,4 Prozent des Gesamtmarktes, bestehen Probleme beim Nachschub. Betroffen sind unter anderem Augentropfen, Antidiabetika sowie Medikamente gegen Blut- und Hauterkrankungen. Sie treffen verspätet, nur in Teilmengen oder gar nicht ein.
„Wenn ein Medikament beim Hersteller nicht verfügbar ist, tun wir alles, um die Lücke durch unsere Sicherheitsbestände, unser Zuteilungsmanagement und unsere Logistik zu schließen“, so Monika Vögele. „Schnelle Verfügbarkeit in der Apotheke bedeutet also nicht, dass es keine Engpässe gibt. Sie zeigt, dass diese erfolgreich abgefedert werden.“
GROSSHANDEL BEKOMMT FÜR MEHR ALS ZWEI DRITTEL DER ARZNEIMITTEL UNTER 1 EURO PRO PACKUNG
Der Heilmittelreport zeigt zugleich die angespannte wirtschaftliche Situation des Vollgroßhandels. Bei 70 Prozent der Packungen betrug die Großhandelsspanne weniger als das Porto einer Inlandsbriefmarke, also unter einem Euro. Damit müssen Lagerung, Kühlketten, Transport, Fuhrpark, Personal, IT-Sicherheit und das zunehmend aufwendige Engpassmanagement finanziert werden.
„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Lagern und in der Zustellung machen diesen Job aus Überzeugung, weil sie wissen, dass am Ende jemand in der Apotheke auf sein Medikament wartet“, erklärt die stellvertretende PHAGO-Generalsekretärin Mila Pohl. „Aber Überzeugung ist keine Vergütung.“
Die gesetzlich geregelten Spannen wurden seit rund zwei Jahrzehnten nicht angepasst, während Energie-, Personal- und Logistikkosten massiv gestiegen sind.
VERSORGUNGSSICHERHEIT BRAUCHT STABILE VOLLGROSSHÄNDLER
„Wer einen fairen Beitrag aller Akteurinnen und Akteure zur Stabilität des Gesundheitssystems einfordert, muss auch jene fair vergüten, die die Versorgung täglich absichern“, warnt Pohl. „Die Bedeutung dieser Infrastruktur darf nicht erst sichtbar werden, wenn Arzneimittel in den Apotheken fehlen.“
Die PHAGO fordert daher, die Rolle des Arzneimittel-Vollgroßhandels in künftigen Berichten vollständig abzubilden und die gesetzliche Vergütung an die heutigen Kosten und Anforderungen anzupassen.
PHAGO – Verband der Österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler
Dr. Monika Vögele
Mag. Mila Pohl
Telefon: +43 (0) 1 71 72 8 794
E-Mail: office@phago.at
Website: https://www.phago.at
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