Flexibler Netzzugang: Wie Österreichs Verteilernetzbetreiber trotz Engpässen anschließen – und die Fristen halten
Flexibler Netzzugang: Wie Österreichs Verteilernetzbetreiber trotz Engpässen anschließen – und die Fristen halten
Der Andrang auf neue Netzanschlüsse ist groß: Photovoltaik, Wärmepumpen und E-Mobilität wachsen schneller, als sich viele Stromnetze ausbauen lassen. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) schafft dafür ein Instrument, das Verteilernetzbetreibern mehr Spielraum gibt – und sie zugleich stärker in die Pflicht nimmt: den flexiblen Netzzugang.
Das ElWG ist seit 1. Jänner 2026 in Kraft und löst das ElWOG 2010 ab. Viele Detailregeln werden erst nach und nach über Verordnungen wirksam. Die Richtung steht aber fest: Netzanschlüsse sollen schneller und flexibler werden.
WAS DER FLEXIBLE NETZZUGANG BEDEUTET
Bisher galt oft: Wo das Netz an seine Grenzen kommt, muss ein Anschluss warten – manchmal jahrelang, bis der nötige Ausbau abgeschlossen ist. Der flexible Netzzugang dreht diese Logik um. Er erlaubt es, Erzeugungsanlagen auch dann anzuschließen, wenn das Netz noch nicht vollständig ausgebaut ist.
Der Kern der Idee: Die Einspeiseleistung kann in Engpasssituationen vorübergehend begrenzt werden, während der Netzbetreiber den Ausbau parallel vorantreibt. So kommen mehr Anlagen früher ans Netz, ohne die Netzstabilität zu gefährden. Die Begrenzung kann dabei statisch oder dynamisch erfolgen – dynamisch mit dem Ziel, die vorhandene Netzkapazität möglichst vollständig auszunutzen.
DIE NEUE PFLICHT: VOLLER NETZZUGANG IN 24, 18 ODER 12 MONATEN
Für Verteilernetzbetreiber ist der flexible Netzzugang kein Dauerzustand, sondern eine Übergangslösung mit klarer Frist. Der volle, unbeschränkte Netzzugang muss je nach Netzebene hergestellt werden:
* innerhalb von 24 Monaten in der Hochspannung,
* innerhalb von 18 Monaten auf der Umspannebene Hochspannung–Mittelspannung sowie in der Mittelspannung,
* innerhalb von 12 Monaten auf der Umspannebene Mittelspannung–Niederspannung sowie in der Niederspannung.
Nur wenn Verzögerungen nicht vom Netzbetreiber zu verantworten sind, ist ein längerer Zeitraum möglich. Hinzu kommt eine Transparenzpflicht: Verfügbare Kapazitäten und Ausbaupläne gehören künftig auf eine gemeinsame Internetplattform, damit alle Beteiligten wissen, woran sie sind.
WAS DAS FÜR VERTEILERNETZBETREIBER PRAKTISCH HEISST
Der flexible Netzzugang macht den Anschluss nicht nur schneller, sondern auch anspruchsvoller. Denn wer Anlagen unter Vorbehalt anschließt und zugleich verbindliche Ausbaufristen einhalten muss, braucht vor allem eines: einen belastbaren Überblick über das eigene Netz.
Konkret bedeutet das:
freie Netzkapazitäten verlässlich bewerten, statt auf grobe Schätzungen zu setzen, Anschlussprüfungen standardisieren und beschleunigen, klare Regeln für Leistungsbegrenzungen definieren, gegenüber Kundinnen und Kunden transparent kommunizieren, und Netzplanung und Netzbetrieb eng verzahnen, damit Fristen nachweisbar eingehalten werden.
Manuelle Prozesse und über Jahre gewachsene Insellösungen stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Die Zahl der Anfragen steigt, die Fristen laufen – und jede Entscheidung muss nachvollziehbar dokumentiert sein.
WIE SICH DAS BEWÄLTIGEN LÄSST
Genau hier setzen digitale Netzmodelle an. Auf Basis eines digitalen Zwillings des Verteilnetzes lassen sich freie Kapazitäten automatisiert bewerten, Anschlussanfragen schnell und einheitlich prüfen und Engpässe frühzeitig erkennen. So wird der flexible Netzzugang von einer regulatorischen Pflicht zu einem beherrschbaren Standardprozess.
Die Intelligent Grid Platform (IGP) von envelio bildet dafür Netzplanung und Netzbetrieb auf einem gemeinsamen digitalen Netzmodell ab. Mit dem Netzanschlussnavigator können Verteilernetzbetreiber freie Kapazitäten prüfen und bewerten – die Grundlage, um Anschlüsse verlässlich zu vergeben und Fristen im Blick zu behalten. Mehr als 90 Netzbetreiber in Deutschland und Europa – darunter Kunden in Tschechien, Finnland, Polen und der Schweiz – setzen die Plattform bereits im produktiven Betrieb ein.
Anna Müller
Telefon: 017660067002
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender