„kulturMONTAG“: Urbane Schwimmkultur in Wien, Südtiroler „Feuernacht“ in Telfs, „Saint François d’Assise“ in Salzburg
„kulturMONTAG“: Urbane Schwimmkultur in Wien, Südtiroler „Feuernacht“ in Telfs, „Saint François d’Assise“ in Salzburg
Danach: „Short and Smart – Kurzfilme im Fokus“ – am 3. August, ab 22.30 Uhr, ORF 2 und ORF ON
Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am 3. August 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON spannt einen weiten thematischen Bogen: So widmet sich die Sendung etwa der urbanen Badekultur in Wien, die durch den „Schwimmverein Donaukanal“ neu belebt wird. Weiters ist u. a. die spektakuläre Uraufführung von Felix Mitterers Theaterstück über die Südtiroler „Feuernacht“ bei den Tiroler Volksschauspielen Thema, ebenso wie die bevorstehende Premiere von Olivier Messiaens Oper „Saint François dAssise“ bei den Salzburger Festspielen. Anschließend an das Magazin geht es um „Short and Smart – Kurzfilme im Fokus“ (23.15 Uhr).
Die „Riviera der Arbeiterklasse“ – Urbane Schwimmkultur am Wiener Donaukanal
Die Mitglieder des „Schwimmverein Donaukanal“ haben Erfahrung mit den erfrischenden Temperaturen des heute insgesamt rund 17 Kilometer langen Wiener Arms der Donau, der die Stadt vom Nußdorfer Sporn bis zum Praterspitz durchfließt. Regelmäßig schwimmen sie dort ihre Runden und erleben Wien dabei aus einer völlig anderen Perspektive – ein nicht immer ganz ungefährliches Unterfangen, muss man sich das Gewässer doch unter anderem mit Ausflugsbooten teilen. Bereits vor 120 Jahren war der Donaukanal ein beliebter Ort für alle Wienerinnen und Wiener, die erfrischende Abkühlung in der heißen Stadt suchten. Der Verein will nun die urbane Schwimmkultur neu beleben – so wie es etwa in Kopenhagen oder Paris bereits selbstverständlich ist. Geworben wird unter anderem mit „850.000 Quadratmeter Liquid Public Space”, dazu gibt es ein „Festschwimmen“ und eine „Schwimmparade“. Das Motto: „Baden für alle – mitten in Wien“. Der „kulturMONTAG“ berichtet über Wiener Wasserratten und wirft einen Blick zurück auf die Schwimmgeschichte(n) der Wiener:innen.
Die Südtiroler „Feuernacht“ – Felix Mitterers Stück als historisches Freilufttheater in Telfs
Eine spektakuläre Uraufführung bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs widmet sich den bewegenden Schicksalen und Geschichten von Menschen in Südtirol. Gezeigt wird die Fortsetzung von Felix Mitterers berühmter Dorfgeschichte „Verkaufte Heimat“. Der Titel „Feuernacht“ bezieht sich auf die Sprengung von 37 Strommasten in der Nacht vom 11. auf 12. Juni 1961, mit der die Bozner Industriezone lahmgelegt werden sollte. Ziel des „Befreiungsausschuss Südtirol“ war es, internationale Aufmerksamkeit für die Unterdrückung der deutschsprachigen Südtiroler Bevölkerung zu wecken. Noch heute, 65 Jahre später, wird über Sinn oder Unsinn dieser Taten diskutiert, folgten nach der „Feuernacht“ doch Massenverhaftungen und Folterungen. Die Tiroler Volksschauspiele präsentieren das historische Freilufttheaterstück an einem imposanten Schauplatz: im letzten – kurz vor dem Abriss stehenden – Haus in der Südtiroler Siedlung in Telfs. Multitalent Herbert Pixner – selbst Südtiroler – hat die Musik dazu komponiert und spielt jeden Abend live mit seiner Band. Live zu Gast im „kulturMONTAG“-Studio ist Gregor Bloéb, künstlerischer Leiter der Tiroler Volksschauspiele.
Der Heilige, der zu den Vögeln sprach – Olivier Messiaens Oper „Saint François dAssise“ in Salzburg
Im 800. Todesjahr von Franz von Assisi kehren Regisseur Romeo Castellucci und Dirigent Maxime Pascal am Pult der Wiener Philharmoniker mit „Saint François dAssise“ in die Salzburger Felsenreitschule zurück. Die Oper von Olivier Messiaen – an der der Komponist acht Jahre lang gearbeitet hat, in der Überzeugung, dass es sein letztes Werk sein würde, dessen Uraufführung er dann doch neun Jahre lang überlebte – basiert auf dem Leben und der Spiritualität des heiligen Franz von Assisi – und wurde zu Messiaens Opus summum. Der Franzose – selbst viel gereister leidenschaftlicher Ornithologe, der an die 700 Vogelarten an ihren Rufen und Gesängen erkannt haben soll – betrachtete Franz von Assisi als seinen „Mitbruder, da er mit den Vögeln spricht“. Sechs Stunden samt Pausen dauert das Oeuvre, in dem laut Dirigent Maxime Pascal die wichtigste Rolle Vögel spielen. Der kanadische Bassbariton Philippe Sly singt die Titelpartie. Der „kulturMONTAG“ berichtet über diese als eine der Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts geltende Oper bei den Salzburger Festspielen, deren Premiere Ö1 am 4. August live um 17.00 Uhr überträgt.
Dokumentation „Short and Smart – Kurzfilme im Fokus“ (23.15 Uhr)
Wie erzählt man ein Drama in drei Akten innerhalb von nur acht bis 15 Minuten? Wie bringt man in dieser kurzen Zeit eine Komödie auf den Punkt oder zeichnet ein präzises soziokulturelles Porträt? Der Kurzfilm ist eine besondere Kunstform: kurz – wie der Name schon sagt – in seiner Länge, aber nachhaltig in seiner Wirkung und offen für sämtliche Genres. Gefeiert wird das Medium bei zahlreichen Veranstaltungsreihen in Österreich. So ist das Vienna Shorts Festival seit mehr als zwei Jahrzehnten eine zentrale Plattform für internationale Kurzfilme. Auch das dotdotdot Kurzfilmfestival im Wiener Volkskundemuseum widmet sich seit mehr als zehn Jahren in den Sommermonaten der schillernden Vielfalt des zeitgenössischen Kurzfilmschaffens. Im Westen Österreichs bietet die Alpinale in Bludenz in Vorarlberg internationalen Produktionen, Nachwuchstalenten und einem begeisterten Publikum eine gemeinsame Bühne. Anlass genug für die ORF-TV-Kultur, dem Kurzfilm eine eigene Sendung zu widmen, mit preisgekrönten und entdeckenswerten Arbeiten. Neben Kurzspielfilmen werden Dokumentarfilme, Musikvideos und Animationsfilme präsentiert, die mit bissigem Humor, klugen Beobachtungen und viel Gefühl den Blick auf die Welt richten. „Short and Smart – Kurzfilme im Fokus“ versammelt insgesamt acht außergewöhnliche Arbeiten, die zeigen, wie viel erzählerische Kraft, gesellschaftliche Relevanz und emotionale Tiefe im Kurzfilmformat stecken – ein Streifzug durch die Vielfalt eines Mediums, das in wenigen Minuten ganze Welten eröffnet.
Den Auftakt macht die vielfach ausgezeichnete absurde Komödie „Kollegen“ aus Deutschland. Zwei Tischler aus der Provinz erhalten den Auftrag, Kulissen und NS-Symbole für eine internationale Filmproduktion anzufertigen. Was folgt, ist ein ebenso skurriler wie treffsicherer Blick auf das Aufeinandertreffen von ländlicher Bodenständigkeit und großer Filmwelt.
Im österreichischen Kurzspielfilm „Found & Lost“ steht Tamin, ein 70-jähriger Einwanderer und Reiniger in einem Wiener Club, dessen Hilfsbereitschaft und Eigeninitiative ihn unerwartet in Schwierigkeiten bringen. Als er nach einem Stromausfall eine Brieftasche voller Bargeld und Kokain findet, nimmt eine Reihe von Missverständnissen ihren Lauf, die seine Integrität und seine Existenz bedroht.
Einen nachdenklichen Blick auf die digitale Gegenwart wirft das Musikvideo „Perfect World“ zu Monolinks gleichnamigem Song. In atmosphärischen Bildern thematisiert es die zunehmende Isolation in einer von Bildschirmen geprägten Welt und die Sehnsucht nach echter menschlicher Nähe.
Die österreichische Produktion „Klavir“ von Marlene Mayer erzählt von zwei Menschen, deren Alltag durch die Lieferung eines Klaviers aus dem Gleichgewicht gerät. Der Film beschäftigt sich sensibel damit, wie unterschiedlich Menschen ihr Umfeld wahrnehmen, und zeigt, wie die Kraft von Musik gleichzeitig verbindend sein und Unterschiede sichtbar machen kann.
Mit dem ebenfalls aus Österreich kommenden Musikvideo „KRRRA“ findet auch zeitgenössische Popkultur ihren Platz im Programm. Die Musikerin Nenda eignet sich darin die traditionell männlich geprägte Figur des Krampus auf neue Art und Weise an und verwandelt sie in ein kraftvolles Statement über Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Wandel.
Der niederländische animierte Dokumentarfilm „Swimming With Wings“ (2023) erzählt aus der Sicht eines Kindes von Migration, Fremdsein und dem Ankommen in einer neuen Heimat. Das Schwimmenlernen mit Kleidung – eine typisch niederländische Tradition – wird dabei zum berührenden Symbol für Mut, Anpassung und Zugehörigkeit.
Der Schweizer Animationsfilm „In Tune“ begleitet eine junge Musikerin in eine abgelegene Berghütte, wo sie eigentlich Ruhe und Inspiration für ihre Musik sucht. Stattdessen wird ihr Rückzugsort von bizarren Eindringlingen heimgesucht. Zwischen Stille und Lärm, Kontrolle und Chaos entfaltet sich eine poetische, visuell eindrucksvolle Geschichte über Kreativität und emotionale Selbstbehauptung.
Mit schwarzem Humor und scharfer Gesellschaftskritik erzählt die kanadische Horrorkomödie „Gender Reveal“ (2024) von einer Gender-Reveal-Party, die zunehmend außer Kontrolle gerät. Der Film hinterfragt auf pointierte Weise soziale Normen, Gruppenzwang und starre Vorstellungen von Geschlecht und Identität.
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