AIT und Stadt Wien: Innovative Sprachförderung im Kindergarten
AIT und Stadt Wien: Innovative Sprachförderung im Kindergarten
WISPER unterstützt spielerisch und individuell Kindergartenkinder, Deutsch zu lernen – Kinder haben Spaß und Sprachförderkräfte sind entlastet.
Sprache eröffnet Kindern die Welt. Sie ermöglicht ihnen, sich auszudrücken, Beziehungen aufzubauen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Gerade in den ersten Lebensjahren werden wichtige Grundlagen für den späteren Bildungsweg gelegt. Mit WISPER (WIener SPrachERfahrung) hat das AIT Austrian Institute of Technology in enger Kooperation mit der Stadt Wien – Kindergärten eine KI-basierte Lösung entwickelt, die Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren spielerisch beim Spracherwerb unterstützt. Dabei flossen die fachliche Expertise der Stadt im Bereich der Elementarpädagogik sowie der sprachlichen Bildung in die Entwicklung und Umsetzung des Projekts ein.
In Wiens Kindergärten ist der Bedarf an Sprachförderung groß: Rund 26.000 der insgesamt etwa 88.000 Kindergartenkinder – das sind rund 30 Prozent – haben eine andere Erstsprache als Deutsch. Bei der Unterstützung der Mitarbeiter:innen setzt das Projekt WISPER an: Die Technologie soll bestehende Sprachförderangebote ergänzen, pädagogische Fachkräfte entlasten und Kindern zusätzliche Möglichkeiten geben, Sprache in ihrem eigenen Tempo anzuwenden. „Bei WISPER geht es nicht darum, Technologie an die Stelle von Pädagogik zu setzen. Es geht darum, Kindern zusätzliche Räume zum Sprechen zu eröffnen und gleichzeitig die wertvolle Arbeit der Sprachförderkräfte zu unterstützen“, erklärt Georg Regal, Projektleiter am AIT Center for Technology Experience.
Christian Vogelauer, Projektleiter von WISPER und Digital Officer der Stadt Wien –Kindergärten erklärt: „Jedes dritte Kind in den Wiener Kindergärten hat erhöhten Sprachförderbedarf. Mit WISPER geben wir den Sprachförderkräften ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug an die Hand. WISPER zeigt für mich, wie digitaler Humanismus konkret aussieht: Die Technik steht im Hintergrund, im Vordergrund stehen das Kind, seine Neugier und seine ersten Sätze.“ WISPER wurde für den eAward 2026 in der Kategorie „Bildung und Soziales“ nominiert.
EIN TELEFON, DAS ZUHÖRT
Die Idee hinter WISPER ist bewusst einfach: Ein Kind nimmt einen Telefonhörer ab und beginnt zu erzählen. Eine freundliche, geduldige Stimme hört zu, antwortet, stellt Fragen und entwickelt gemeinsam mit dem Kind Schritt für Schritt eine Geschichte – genau wie das Kind es sich wünscht, der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Orte oder Figuren der Geschichte sowie die Handlung entstehen im Lauf des Gesprächs.
Ausgehend von ersten Konzepten wie einer „sprechenden Puppe“ oder einer „sprechenden Eisenbahn“ erwies sich im Projektverlauf ein kindgerecht gestaltetes, „klassisches“ Telefon mit Hörer zum Abnehmen als besonders geeignete Hardware. Im Mittelpunkt stand dabei von Beginn an eine User Experience, die den Bedürfnissen und Fähigkeiten von Kindergartenkindern entspricht. Das AIT Center for Technology Experience besitzt hier langjährige Erfahrung: Der Mensch steht im Mittelpunkt der Technologie-Entwicklung und Technologien sollen den Menschen individuell zugutekommen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der menschzentrierte AI-Einsatz, „wir sprechen hier auch von Human-AI-Experience“, erklärt AIT-Projektleiter Georg Regal. Dabei wird auch auf adäquaten Datenschutz geachtet. Die Daten bzw. Gespräche liegen auf Servern des AIT in Wien und werden ausschließlich für WISPER verwendet.
JEDES MAL EINE NEUE GESCHICHTE
Was wie ein einfaches Gespräch wirkt, basiert auf einem präzise entwickelten pädagogischen und technischen Konzept. WISPER wurde gemeinsam mit den Sprachförderkräften der Kindergärten der Stadt Wien nach den Prinzipien des User Centered Designs und des Interaktionsdesigns entwickelt. Aktuelle Erkenntnisse zum Spracherwerb flossen ebenso ein wie moderne KI-Technologie. WISPER passt das Gespräch und die Geschichte in Echtzeit an das Sprachniveau der Kinder an.
Dabei steht die spielerische Beschäftigung mit Sprache im Vordergrund. Das Kind entscheidet selbst, wie lange es „telefonieren“ und seine Geschichte weiterentwickeln möchte. Zum Abschluss wird als kleine Belohnung ein Bild zur entstandenen Geschichte über den integrierten Drucker des Telefons ausgegeben.
INDIVIDUELLE, KINDGERECHTE SPRACHFÖRDERUNG
Eine besondere Rolle spielt der Umgang mit Mehrsprachigkeit – denn die Kinder sprechen viele verschiedene Familiensprachen, etwa rumänisch, türkisch, arabisch oder ukrainisch. Egal, welche Sprache verwendet wird, WISPER kann Äußerungen in all diesen Sprachen verstehen, antwortet jedoch konsequent auf Deutsch. Wenn einem Kind ein deutsches Wort fehlt, kann es vorübergehend auf seine Erstsprache zurückgreifen, ohne dass der Gesprächsfluss abreißt.
Damit soll WISPER eine Gesprächssituation schaffen, in der Kinder ohne Angst vor Fehlern sprechen können. Im Mittelpunkt stehen Redefluss, Vertrauen und die Erfahrung, verstanden zu werden. Auf diese Weise geht es nicht nur um den Aufbau von Sprachkompetenz, sondern auch um Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit.
UNTERSTÜTZUNG FÜR PÄDAGOG:INNEN UND SPRACHFÖRDERKRÄFTE
WISPER versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz für Sprachförderkräfte oder Elementarpädagog:innen. Vielmehr soll die Technologie zusätzliche Übungsmöglichkeiten schaffen und Fachkräfte entlasten. Dadurch kann mehr Zeit für jene Kinder zur Verfügung stehen, die eine besonders intensive persönliche Begleitung benötigen.
Darüber hinaus können die Gespräche Informationen über die individuellen Sprachentwicklungsverläufe liefern. Diese Daten sollen eine evidenzbasierte Grundlage schaffen, um Sprachförderung noch gezielter auf die Bedürfnisse einzelner Kinder abzustimmen.
PILOTBETRIEB IN WIEN IM LAUFEN
Aktuell befindet sich WISPER im Pilotbetrieb in einem Kindergarten in Wien-Floridsdorf. Damit wird die Innovation unmittelbar im pädagogischen Alltag erprobt und unter realen Bedingungen weiterentwickelt. Das AIT Center for Technology Experience begleitet den Einsatz methodisch und evaluiert, wie Kinder mit dem System interagieren, welche Nutzungsmuster entstehen und wo Weiterentwicklungsbedarf besteht.
Die Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Lösung ein. Für 2026 ist ein erweiterter Testbetrieb in Kindergärten in ganz Wien vorgesehen.
ÜBER DAS PROJEKT WISPER
Das Projekt WISPER – WIENER SPRACHERFAHRUNG, eingereicht von Stadt Wien – Kindergärten und dem AIT Austrian Institute of Technology, wurde im Rahmen des Call 8 des Innovationsmanagements im Magistrat der Stadt Wien von der Jury zur Unterstützung ausgewählt. Das Projekt lief von 1. März 2025 bis 31. August 2026.
Die Stadt Wien übernahm dabei nicht nur eine zentrale fachliche Rolle, sondern finanzierte auch die Umsetzung des Pilotprojekts. Damit wurden Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das neue Tool im Kindergartenalltag getestet, evaluiert und weiterentwickelt werden kann.
WISSENSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE PROJEKTLEITUNG:
Mag. Dr. Christine Wahlmüller-Schiller
AIT Communiction
AIT Austrian Institute of Technology
Center for Technology Experience
+43 50550-2201
christine.wahlmueller-schiller@ait.ac.at I www.ait.ac.at
Mirjana Savic
Stadt Wien – Kindergärten
Unternehmenskommunikation
+43 1 4000 90295
unternehmenskommunikation@ma10.wien.gv.at
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