Alpenverein warnt: Anhaltend gefährliche Lawinensituation im freien Gelände
Alpenverein warnt: Anhaltend gefährliche Lawinensituation im freien Gelände
Dringender Appell an Tourengehende und Variantenfahrende
IN DIESEM JAHR SIND BEREITS 24 PERSONEN DURCH LAWINEN UMS LEBEN GEKOMMEN – DEUTLICH MEHR ALS IM LANGJÄHRIGEN DURCHSCHNITT. IN WEITEN TEILEN ÖSTERREICHS BLEIBT DIE SITUATION ANGESPANNT: DER ÖSTERREICHISCHE ALPENVEREIN WARNT DAHER EINDRINGLICH VOR TOUREN UND VARIANTENABFAHRTEN IM FREIEN GELÄNDE AN DEN KOMMENDEN SCHÖNWETTERTAGEN.
ALTSCHNEEPROBLEM BESONDERS TÜCKISCH
Gerade an sonnigen Wochenenden steigt die Bereitschaft, anspruchsvollere Ziele in Angriff zu nehmen. Der Alpenverein rät jedoch aktuell, ebenso wie der Lawinenwarndienst, zu großer Zurückhaltung: „Wir hatten dieses Jahr schon sehr viele Lawinenabgänge und leider auch schon sehr viele Lawinenopfer“, sagt Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport im Alpenverein. „Die Schwachschichten liegen teils tief in der Schneedecke und sind im Gelände kaum erkennbar. Schneemassen können sich auch von weniger steilen Hängen lösen und zu größeren Lawinen werden. Dazu kommen Triebschneeansammlungen, die lokal sehr leicht auslösbar sind.“
SONNE UND WÄRME: RISIKO STEIGT IM TAGESVERLAUF
Mit zunehmender Sonneneinstrahlung und steigenden Temperaturen nimmt insbesondere die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen zu. Die Schneedecke verliert an Stabilität, vor allem in steilen, sonnseitigen Hängen. Kritisch sind aber auch STEILE SCHATTENHÄNGE in mittleren und hohen Lagen sowie EINGEWEHTE BEREICHE hinter Geländekanten, in Rinnen und Mulden. Der Alpenverein rät daher, differenziert zu planen und KONSEQUENT HÄNGE ÜBER 30 GRAD NEIGUNG zu meiden. Auch ANGRENZENDE HÄNGE müssen in die Planung mit einbezogen werden. „Um es mit den Worten von Christoph Mitterer vom Lawinenwarndienst Tirol zusammenzufassen: Ist die Lawine das Problem, ist das Gelände die Lösung“, sagt Randl und ergänzt: „Also: defensiv entscheiden und im Zweifel ist es besser, umzuplanen oder ganz auf die Tour zu verzichten.“
SÜDSEITIG MIT FRÜHER PLANUNG UNTERWEGS
Grundsätzlich günstigere Bedingungen finden sich in den kommenden Tagen zwar in südseitigen Expositionen, wo sich die Schneedecke durch die Sonneneinstrahlung setzen und stabilisieren kann. Allerdings gilt dies nur bei klarer zeitlicher Disziplin: Ein früher Aufbruch ist entscheidend. Skitouren sollten so geplant werden, dass man sich vor der starken Erwärmung wieder in sicherem Gelände befindet.
„Tourenplanung bedeutet derzeit vor allem Zeitmanagement“, betont Randl. „Wer früh startet, Exposition und Höhenlage bewusst wählt und den tageszeitlichen Temperaturanstieg berücksichtigt, kann das Risiko deutlich reduzieren. Bei späten Gipfelankünften oder Abfahrten in der warmen Phase ist die Gefahr von Nassschneelawinen wesentlich höher.“
DEFENSIVE STRATEGIE BLEIBT OBERSTES GEBOT
Neben einer defensiven Routenwahl sind große Abstände im Aufstieg sowie das Vermeiden von Sammelpunkten in Gefahrenbereichen essenziell. Ebenso wichtig ist das Mitführen einer vollständigen Notfallausrüstung, die im Ernstfall Leben retten kann. Dazu gehören das 3-Antennen-LVS, Sonde, Alu-Schaufel, Mobiltelefon, Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke und Biwaksack. Empfohlen werden zusätzlich Airbag und Helm.
Österreichischer Alpenverein | Presse
Mag. Gerald Zagler
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