Wien hat Verbot von Altkleidercontainern beschlossen

Wien hat Verbot von Altkleidercontainern beschlossen

HUMANA fordert ein gemeinsames Ersatzkonzept

21. MAI 2026 – Der Wiener Landtag hat gestern ohne Debatte, Anhörung und Begutachtung eine Novelle zum Gebrauchsabgabegesetz (GAG) beschlossen: Ab 1. Jänner 2027 ist die Aufstellung von Textil-Sammelcontainer auf öffentlichem Grund verboten. HUMANA Österreich nimmt den Beschluss zur Kenntnis, sieht aber dringenden Handlungsbedarf: Ohne ein tragfähiges Ersatzkonzept droht Wien bundesrechtliche Sammelpflichten zu verletzen, den Anschluss an die EU-Kreislaufwirtschaft zu verlieren und eine bewährte soziale Infrastruktur ersatzlos abzuschaffen.

SO FUNKTIONIERT TEXTILE KREISLAUFWIRTSCHAFT – SEIT 40 JAHREN

Die Sammlung tragbarer Kleidung über Container funktioniert in Österreich seit vier Jahrzehnten. 57 Prozent des Marktes entfallen auf karitative Sammler wie HUMANA, Kolping, Caritas, Rotes Kreuz und Volkshilfe. Allein in Wien geben Bürger*innen jährlich rund 4 Millionen Kilogramm Kleidung in rund 2.200 Sammelcontainer im öffentlichen Raum ab. Die Probleme seit der Corona Zeit im städtischen Raum mit Container-Plünderungen und illegalen Ablagen bekämpft HUMANA mit häufigeren Entleerungen (> 2x wöchentlich) und über die Service-Hotline auf den Containern und die Sags Wien Meldungen: Ablagerungen von Textilien und nicht-textilem Müll werden binnen eines Werktages auf eigene Kosten aufgeräumt.

Was mit der gesammelten Kleidung passiert, zeigt, wie Kreislaufwirtschaft tatsächlich funktioniert: Gemäß Umweltbundesamt können 67 Prozent der gesammelten Stücke direkt weitergetragen werden (Re-Use), 23 Prozent werden zu Putzlappen, Dämmmaterial, Abdeckvliesen und Recyclingfasern verarbeitet. Nur 9,7 Prozent sind Abfall, der thermisch verwertet werden kann. Wer die Container verbietet, gefährdet diesen Kreislauf: Die 4 Millionen Kilogramm müssten größtenteils verbrannt werden, kostbare Ressourcen unwiederbringlich zerstört.

In den 20 HUMANA Second Hand Shops in Wien, Graz und Salzburg werden jährlich mehr als eine Million Kleidungsstücke an Kund*innen verkauft. Das ist textile Kreislaufwirtschaft – konkret, messbar und seit Jahrzehnten bewährt.

EIN PAUSCHALVERBOT, DAS MEHR FRAGEN AUFWIRFT ALS ES LÖST

HUMANA betreut allein 1.027 Container in Wien und sammelte 2025 damit rund 2,24 Millionen Kilogramm Gebrauchtkleidung, bei 55.459 Entleerungen. In den vergangen 38 Monaten wurden lediglich 89 Beschwerden dokumentiert. Insgesamt werden in Wien jährlich rund 5 Millionen Kilogramm Kleidung über Container gesammelt (4 Mio. davon auf öffentl. Grund); davon kommt MA48-Textilsammlung auf ca. 350.000 kg. Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen problematischen und funktionierenden Standorten, sondern beendet alle Bewilligungen pauschal, auch solche, die auf zehn Jahre ausgestellt wurden, mit einer Übergangsfrist von nur fünf Monaten und ohne Härtefallregelung. Altglas, Altpapier und Verpackungen dürfen im öffentlichen Raum bleiben. Alttextilien werden als einzige Kategorie ausgeschlossen, obwohl dieselben gesetzlichen Sammel- und Wiederverwendungspflichten gelten.

§ 28b AWG 2002 verpflichtet seit 1. Jänner 2025 ausdrücklich zur getrennten, flächendeckenden Sammlung von Textilabfällen für die Re-Use und Recycling Behandlung. Die EU-Abfallrahmenrichtlinie (RL 2025/1892) verlangt ab April 2028, dass die Textilhersteller für die Organisation und Finanzierung der Altkleiderbehandlung Sorge tragen. Nach dem Verbot verbleiben stadtweit aber nur noch rund 600 Abgabestellen (anstelle der insgesamt rund 2.800 Abgabestellen heute) für das zukünftige sog. Herstellerverantwortlichkeitssystem; die MA48-Textilsammlung erfasst lediglich rund 350.000 der bisher rund 5 Millionen gesammelten Kilogramm jährlich. Städtische Mistplätze können diese Lücke weder räumlich noch mengenmäßig schließen. Alle anderen österreichischen Landeshauptstädte und die großen deutschen Städte setzen auf Sammelcontainer in der Fläche. Wien wählt den Alleingang.

_„Wien sammelt jährlich fünf Millionen Kilogramm Gebrauchttextilien. Diese Menge verschwindet nicht, weil ein Gesetz es verlangt. Sie landet im Restmüll, wenn wir nicht sofort handeln. Genau das möchten wir verhindern. Statt die Sammelmenge durch ein Verbot zu reduzieren, sollte Wien sie verdoppeln; auf die österreichweiten 5,5 kg pro Kopf.“_, Henning Mörch, Vorstandsmitglied und Geschäftsleitung HUMANA Österreich.

HUMANA HANDELT UND RUFT WIEN ZUR MITWIRKUNG AUF

Das Gesetz ist beschlossen, HUMANA nimmt es zur Kenntnis und hofft auf Kooperation. Die Rechtmäßigkeit des Gesetzesbeschlusses wird jedoch geprüft.

Die Wiener Bevölkerung kann ihre Kleidung auch weiterhin sicher bei HUMANA abgeben: über bestehende Container und über die 20 Second Hand Shops, die ab sofort auch als vollwertige Sammelstellen dienen.

Ein erster Schritt auf politischer Ebene ist getan: Für 2. Juni ist ein Gespräch mit der Stadtregierung vereinbart, bei dem Fragen zu Übergangslösungen im Rahmen des Verbots und zur textilen Kreislaufwirtschaft erörtert werden sollen. HUMANA wird diesen Termin nützen, um konstruktive Lösungen einzubringen. Was dabei herauskommt, bleibt abzuwarten. Der Wille, gemeinsam das Beste aus der Situation zu machen, ist auf unserer Seite jedenfalls vorhanden.

_„Wir bedauern diesen Beschluss ausdrücklich. Er ist ein Rückschritt für die Kreislaufwirtschaft und widerspricht dem, was Europa von uns verlangt. Aber HUMANA bleibt seiner gesellschaftlichen Verantwortung treu. Wir stehen als Sammelpartner weiterhin zur Verfügung, mit unseren Strukturen und dem Know-How“,_ beteuert Henning Mörch, Vorstandsmitglied und Geschäftsleitung HUMANA Österreich.

ÜBER HUMANA PEOPLE TO PEOPLE – VEREIN FÜR ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT

HUMANA Österreich, gegründet 1986, ist ein karitativer Verein mit Sitz in Wien, der sich der Entwicklungszusammenarbeit widmet. HUMANA sammelt und verkauft Second-Hand-Kleidung und unterstützt mit dem Gewinn Entwicklungsprojekte im Globalen Süden und Initiativen in Österreich. In den vergangenen vier Jahren konnten mehr als 2 Mio. Euro für Entwicklungszusammenarbeit verwendet werden. Der Verein beschäftigt ca. 180 Mitarbeiter*innen, betreibt 20 Second Hand Shops in Wien, Salzburg und Graz, und ist heute führend mit Re-Use-Dienstleistungen in der textilen Kreislaufwirtschaft Österreichs. September 2025 erhielt HUMANA Österreich das Social Enterprise Label vom BMWET und der aws (VSE-Zertifikat auf Basis der EU Definition für „Sozialwirtschaftliche Betriebe“).

Lydia Schiroky
HUMANA Österreich | Public Relations Management
1230 Wien | Perfektastraße 83
E-Mail: lydia.schiroky@humana.at
Mobil: +43 664 242 88 65
www.humana.at

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