Ferien verkürzen, Betreuung verbessern: Wiener Unternehmerinnen fordern praxistaugliche Lösungen
Ferien verkürzen, Betreuung verbessern: Wiener Unternehmerinnen fordern praxistaugliche Lösungen
FiW-Wien-Umfrage zeigt: Für 61 Prozent sind die Sommerferien zu lang – gleichzeitig scheitert Vereinbarkeit vor allem an Kosten, fehlenden Plätzen und unflexiblen Betreuungszeiten
Wien, 15. September 2026 – Die aktuelle Debatte über eine Verkürzung der Sommerferien trifft einen Nerv bei Wiens Unternehmerinnen. Nachdem WKÖ-Präsidentin Martha Schultz eine Verkürzung der Sommerferien von neun auf sechs Wochen vorgeschlagen hat, legt Frau in der Wirtschaft Wien nun konkrete Zahlen aus Wien vor: Eine aktuelle Befragung unter selbstständigen Wienerinnen mit Betreuungspflichten zeigt deutlich, wie stark die langen Ferien den unternehmerischen Alltag belasten.
„Die Diskussion über sechs statt neun Wochen Ferien ist absolut legitim. Die Befragung untermauert: Viele Unternehmerinnen erleben die neun Wochen tatsächlich als zu lang. Aber wir dürfen die Diskussion nicht bei der Länge der Ferien beenden. Für Selbstständige geht es um die gesamte Betreuungslücke – und darum, ob Betreuung leistbar, verlässlich und mit dem Arbeitsalltag vereinbar ist“, sagt Verena Wiesinger, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien.
61 PROZENT EMPFINDEN SOMMERFERIEN ALS ZU LANG
Die Ergebnisse der von UMFRAGO im Auftrag von Frau in der Wirtschaft Wien durchgeführten Befragung sprechen eine klare Sprache: 61 Prozent der 471 befragten Unternehmerinnen bewerten die Sommerferien als zu lang. Gleichzeitig benötigen 69 Prozent zumindest fünf Wochen Ferienbetreuung, 41 Prozent sogar mehr als sechs Wochen.
Damit zeigt sich ein strukturelles Problem: Der Betreuungsbedarf endet nicht nach wenigen Ferienwochen – und lässt sich für viele Unternehmerinnen auch nicht langfristig und starr planen.
FEHLENDE BETREUUNG WIRD ZUM WIRTSCHAFTLICHEN PROBLEM
Die fehlende Ferienbetreuung bleibt nicht auf die Familie beschränkt, sondern wirkt unmittelbar auf die Unternehmen.
Im Durchschnitt bewerten die Unternehmerinnen die Beeinträchtigung ihres Unternehmens mit 3,5 von 5 Punkten. Die Hälfte gibt eine starke oder sehr starke Beeinträchtigung an.
Die konkreten Folgen:
* 64 Prozent können administrative Aufgaben nicht wie gewohnt erledigen.
* 63 Prozent mussten bereits Termine verschieben.
* 60 Prozent haben Urlaub genommen, obwohl eigentlich Arbeit notwendig gewesen wäre.
* 51 Prozent haben weniger Zeit für die Akquise.
* 45 Prozent haben weniger Zeit für die Betreuung ihrer Kundinnen und Kunden.
* 37 Prozent berichten von Umsatzverlusten.
* 32 Prozent mussten bereits Aufträge oder Kundinnen und Kunden ablehnen.
„Für Unternehmerinnen kann Urlaub, der eigentlich der Kinderbetreuung dient, bedeuten, dass Aufträge nicht angenommen werden können und Umsatz verloren geht. Genau deshalb müssen wir Ferienbetreuung auch als Wirtschafts- und Standortthema betrachten“, so Wiesinger.
KOSTEN SIND GRÖSSTE HÜRDE
Die größte Herausforderung ist laut Befragung die Leistbarkeit: 73 Prozent nennen hohe Kosten als Problem. Jeweils 37 Prozent nennen kurzfristigen Betreuungsbedarf und die fehlende Vereinbarkeit mit ihren Arbeitszeiten. 38 Prozent der Befragten zahlen bereits 200 Euro oder mehr pro Betreuungswoche. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass viele Frauen deshalb bewusst auf kostenpflichtige Angebote verzichten und Betreuung selbst oder innerhalb der Familie organisieren.
Besonders gefragt sind daher konkrete Unterstützungen:
* 77 Prozent würden vergünstigte Feriencamps nutzen.
* 68 Prozent wünschen sich finanzielle Unterstützung für Ferienbetreuung.
* 50 Prozent wünschen sich eine zentrale Übersicht verfügbarer Ferienbetreuungsplätze.
* 41 Prozent würden ein Netzwerk zur Organisation von Kinderbetreuung nutzen.
* 29 Prozent sehen Bedarf an kurzfristiger Notfallbetreuung.
FIW WIEN: FERIEN UND BETREUUNG GEMEINSAM NEU DENKEN
Frau in der Wirtschaft Wien will deshalb die aktuelle Debatte über die Ferienlänge mit einer konkreten Forderung nach einem besseren Betreuungssystem verbinden. „Wenn wir wollen, dass Frauen gründen, Unternehmen führen und wachsen können, müssen wir ihnen auch die Rahmenbedingungen dafür geben. Dazu gehört eine Ferienregelung, die zur Lebensrealität von Familien passt – und gleichzeitig eine Betreuung, die auch zum Arbeitsalltag von Unternehmerinnen passt“, sagt Wiesinger.
FIW WIEN SPRICHT SICH DAHER FÜR EINE GESAMTLÖSUNG AUS DREI SÄULEN AUS:
1. Sommerferien neu denken:
Wirtschaftskammer Wien
Mag. Anna Trummer
Telefon: 0660 4816667
E-Mail: anna.richter-trummer@wkw.at
Website: https://www.wko.at/wien/news
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