Nationalrat einstimmig für stärkere Nutzung von Geothermie

Nationalrat einstimmig für stärkere Nutzung von Geothermie

Rechtliche Rahmenbedingungen für Wärmenutzung und Stromerzeugung sollen verbessert werden

Der Nationalrat sprach sich heute einstimmig für die stärkere und leichtere Nutzung von Geothermie aus. Die aus der Tiefe gewonnene Wärme soll für Fernwärme und Stromerzeugung genutzt werden. Dazu sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert und so der Ausbau dieser Energieform erleichtert werden. Die Abgeordneten befürworteten grundsätzlich diese Energieformen über die Parteigrenzen hinweg. Unterschiedliche Meinungen gab es über das Ausmaß des Potenzials. Auch Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sprach sich für die stärkere Nutzung von Geothermie als Teil der Wärmewende aus.

POTENZIALE DER GEOTHERMIE BESSER NUTZEN

Ausgangspunkt der Debatte war ein Antrag der Grünen, der im Wirtschaftsausschuss mit den Stimmen der Dreierkoalition zwar abgelehnt wurde, darauf basierend brachten jedoch alle fünf Parteien einen gemeinsamen Antrag ein, der einhellige Zustimmung fand. Damit sollen die Rahmenbedingungen zur Nutzung von Geothermie verbessert werden. So wird die Bundesregierung ersucht, die im Regierungsprogramm, im Ministerratsvortrag vom 25. März 2026 sowie in der Industriestrategie vorgesehenen rechtlichen Anpassungen im Bereich der Geothermie – insbesondere im Mineralrohstoffgesetz und im Wasserrechtsgesetz – zeitnah einer Begutachtung zuzuführen. Ziel sollte eine Beschlussfassung noch im heurigen Jahr sein.

STAATSSEKRETÄRIN ZEHETNER: ENERGIEWENDE BRAUCHT WÄRMEWENDE

Geothermie sei ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Energieversorgung und die Energiewende könne ohne eine Wärmewende nicht funktionieren, erklärte Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in der Plenardebatte. Tiefengeothermie könne eine wichtige Rolle bei der lokalen Wärmeversorgung und Energiebereitstellung spielen. Aktuell sei der Anteil an der Fernwärme noch unter 1 %. Das realisierbare Potenzial bis 2030 werde auf rund eine Terrawattstunde geschätzt. Es sei geplant, für bestimmte Tiefengeothermie-Anlagen ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren zu ermöglichen und gesetzliche Erschwernisse zu beseitigen.

FREIHEITLICHE FORDERN LEISTBARE ENERGIEVERSORGUNG

Der Wohlstand Österreichs sei auf günstiger Energie aufgebaut worden, erklärte Paul Hammerl (FPÖ). Aktuell würde aber der Anteil an Menschen, die sich Energie nicht mehr leisten können, steigen. Windkraft und Photovoltaik würden eine solche leistbare Energieversorgung jedenfalls nicht sicherstellen, zeigte sich Hammerl überzeugt. Geothermie könne zwar ein Teil der Lösung sein, sie müsse aber ebenso wirtschaftlich am Markt bestehen können.

Axel Kassegger (FPÖ) sah in der Geothermie ein sinnvolles Potenzial für die Fernwärmeversorgung. Man müsse aber angesichts der erwartbaren Mengen vorsichtig mit den Erwartungshaltungen sein. Damit sei es ein „kleiner Baustein“ zur Erhöhung der Energieresilienz, forderte Kassegger die rasche rechtliche Umsetzung.

ÖVP: GEOTHERMIE NUTZEN, UM UNABHÄNGIGER ZU WERDEN

Die Nutzung von Geothermie habe Potenzial und es sei daher wichtig, die Hindernisse zu beseitigen, zeigte sich Laurenz Pöttinger (ÖVP) für baldige rechtliche Anpassungen zuversichtlich. Dies werde ein Stück dazu beitragen, unabhängiger zu werden.

Wenn es möglich sei, die Wärme zu nutzen und diese punktuell in Strom umzuwandeln, sollte diese Möglichkeit genutzt werden, um den Gesamtenergieaufwand abzufedern, führte Johann Höfinger (ÖVP) aus. Die Abhängigkeit von fossilen Energien würde zu Teuerung und zur Abwanderung von Wertschöpfung in andere Länder führen, kritisierte er und sprach sich für erneuerbare Energien und die damit verbundene Wertschöpfung im Inland aus.

Rudolf Taschner (ÖVP) wies auf die Möglichkeiten von Geothermie zur Wärmeerzeugung hin, sah aber weniger Potenziale für die Stromerzeugung.

SPÖ: ABHÄNGIGKEITEN REDUZIEREN

Die Energiekrise habe die große Abhängigkeit Österreichs von fossilen Energieträgern gezeigt. Geothermie sei nun ein „wichtiger Baustein“, um diese Abhängigkeit zu reduzieren, führte Alois Schroll (SPÖ) aus. Diese könne eine CO2-freie Wärme- und Energieerzeugung für hunderttausende Haushalte ermöglichen.

Tief unter der Erde liege Energie, die niemand „abdrehen“ könne, wies auch Reinhold Binder (SPÖ) auf die stärkere Unabhängigkeit durch Geothermie hin und sah Potenziale für die Wirtschaft und die Beschäftigung.

Auch Franz Jantscher (SPÖ) sprach sich für die Nutzung von Geothermie aus, betonte aber, dass bei der Nutzung die Sicherheit grundsätzlich gewährleistet sein müsse.

NEOS: GEOTHERMIE WICHTIGER BAUSTEIN

Karin Doppelbauer (NEOS) sprach von einem „Meilenstein“ und einem „guten nächsten Schritt“. Es brauche eine Wärmewende, da dieser Bereich aktuell zu über 50 % noch von fossilen Energien abhängig sei. Geothermie sei zur Reduktion dieser Abhängigkeit ein wichtiger Baustein.

Er sei froh, dass Geothermie in Österreich breitflächig zur Realität werde, sagte Michael Bernhard (NEOS). Dies sei die „perfekte Kombination“ aus natürlichen Ressourcen, technologischen Möglichkeiten und marktwirtschaftlicher Umsetzung. Es gebe erste Pilotprojekte in Wien mit dem Ziel 200.000 Haushalte mit dekarbonisierter Fernwärme zu versorgen.

GRÜNE: POTENZIAL VON GEOTHERMIE NUTZEN

Bohrungen nach Öl und Gas seien aktuell rechtlich besser gestellt als Bohrungen nach Wärme, kritisierte Lukas Hammer (Grüne). Geothermie habe aber ein großes Potenzial und würde derzeit zu 80-90 % nicht genutzt. (Fortsetzung Nationalrat) pst

HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand in der Mediathek des Parlaments verfügbar. In der Mediathek finden Sie auch Fotos von Plenarsitzungen.

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