Greenpeace: Erstmals Asbest auf Wiener Straßen nachgewiesen

Greenpeace: Erstmals Asbest auf Wiener Straßen nachgewiesen

Regierung versagt bei Aufklärung des Asbest-Skandals – Umweltschutzorganisation richtet Meldestelle für Asbestfunde ein, schon 65 bestätigte Asbestfunde

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hat Greenpeace erstmals auf acht Straßen in Wien und Umgebung Asbest-Asphalte gefunden. Bei zwei der betroffenen Straßen (Rosenhügelstraße und Stieglergasse) wurden die verdächtigen Einschlüsse aus dem Straßenbelag im Labor analysiert. Das Ergebnis: Es handelt sich um nahezu reinen, hoch krebserregenden Amphibolasbest. Die ungarischen Behörden erstellen mit Hilfe der Bevölkerung einen Asbestkataster. Im Burgenland, wo seit einem halben Jahr eine Taskforce eingesetzt ist, ist nach wie vor unklar, wo das Material überall liegt. Da die Regierung und die Taskforce säumig sind, hat nun Greenpeace eine interaktive Online-Karte erstellt, in der Menschen Asbestfunde melden können. Greenpeace fordert die Asbest-Arbeitsgruppe von Bundeskanzler Stocker auf, wie in Ungarn entsprechende Untersuchungen einzuleiten. Zudem müssen für die Opfer des Asbest-Skandals Mittel aus dem Katastrophenfonds bereitgestellt werden.

Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace Investigativ-Teams: _“Seit Monaten melden sich besorgte Menschen bei uns mit Hinweisen auf asbestbelastete Straßen, Einfahrten und Spielplätze. Jetzt ist auch Wien betroffen, denn wir haben Asbest-Asphalte in dicht besiedelten Gebieten und sogar auf stark befahrenen Straßen entdeckt. Doch die Regierung ist noch immer untätig. Deshalb können jetzt bei uns Asbest-Funde direkt in einer interaktiven Online-Karte gemeldet werden. So wird das Ausmaß dieses beispiellosen Umweltskandals endlich sichtbar.”_

Der vom Burgenland ausgehende Asbest-Skandal hat sich auf die Steiermark, Niederösterreich und Ungarn (mehr als 300 Orte sind betroffen) ausgeweitet. Nun hat Greenpeace Asbest-Asphalte auch in Wien in folgenden Straßen dokumentiert: Wernergasse, Bertegasse, Wastlgasse, Stieglergasse, Anton-Freunschlag-Gasse und die Reibergasse in Wien-Liesing. An der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich ist knapp ein Kilometer der viel befahrenen Triester Straße betroffen. Auch im niederösterreichischen Wiener Umland wurde Asbest-Asphalt in Breitenfurt bei Wien und eine Spielstraße in Wiener Neudorf gefunden.

Greenpeace schätzt, dass die dort verwendeten Asphalte zu ein bis fünf Prozent aus Asbest bestehen. Das entspricht einem asbesthaltigem Fliesenkleber, der bei einer Asbestsanierung die Einhaltung schwerster Schutzmaßnahmen bedeuten würde. Bereits ein sanfter Druck mit einem Kugelschreiber reicht aus, um die krebserregenden Amphibol-Asbeste zu zerbröseln. Bei einer stark befahrenen Hauptstraße mit Schwerverkehr werden so bei jedem Drüberfahren potentiell Asbestfasern freigesetzt.

Greenpeace hat seit Aufdecken des Asbest-Skandals mehr als 300 Meldungen aus der Bevölkerung von Asbestfunden in Vorgärten, Straßen, Kinderspielplätzen, Krankenhäusern, Siedlungsstraßen und Wegen erhalten. Deswegen können ab sofort mittels Online-Formular bei Greenpeace Asbestfunde gemeldet werden. Nach einer Prüfung werden die gemeldeten Verdachtsflächen auf der Interaktiven Karte von Greenpeace dargestellt.

_“Greenpeace hat bei mehr als 65 Orten Asbestfunde dokumentiert und es haben sich hunderte Betroffene gemeldet. Sie werden bei der Asbest-Entsorgung und der Finanzierung für die Sanierung im Stich gelassen. Greenpeace fordert Kanzler Stocker auf, Gelder aus dem Katastrophenfond für die vielen Opfer des Asbest-Skandals bereitzustellen und eine kostengünstige Entsorgungsmöglichkeit für den Asbestschotter zu schaffen“_, so Stadler.
Das Factsheet zu den Asbest-Funden in Wien: https://bit.ly/4vxoVgZ

Stefan Stadler
Sprecher Investigativ-Team
Greenpeace Österreich
Tel.: +43 (0)664 183 2882
E-Mail: stefan.stadler@greenpeace.org

Annette Stolz
Leitung Pressearbeit
Greenpeace Österreich
Tel.: +43 (0)664 61 26 725
E-Mail: annette.stolz@greenpeace.org

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