100 Jahre ÖVSV: Ein Jahrhundert Amateurfunk zwischen Pioniergeist, Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung

100 Jahre ÖVSV: Ein Jahrhundert Amateurfunk zwischen Pioniergeist, Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung

Österreichischer Versuchssenderverband feiert 100-jähriges Bestehen

ÖSTERREICHISCHER VERSUCHSSENDERVERBAND FEIERT 100-JÄHRIGES BESTEHEN – AMATEURFUNK VERBINDET SEIT 1926 MENSCHEN, TECHNIK UND FORSCHUNG UND LEISTET BIS HEUTE EINEN WICHTIGEN BEITRAG ZU AUSBILDUNG UND KRISENKOMMUNIKATION.

Vom selbst gebauten Sender der Pionierzeit über weltweite Funkverbindungen und Satellitenkommunikation bis zu digitalen Übertragungsverfahren: Seit mittlerweile 100 Jahren steht der Österreichische Versuchssenderverband (ÖVSV) für die Faszination Amateurfunk. 1926 gegründet, ist der ÖVSV heute die Interessenvertretung der Funkamateur:innen in Österreich. Rund 4.400 MITGLIEDER verbindet dabei weit mehr als ein technisches Hobby: Amateurfunk bedeutet Experimentieren und Forschen, internationale Verständigung, technische Aus- und Weiterbildung – und im Krisenfall die Fähigkeit, auch unabhängig von kommerziellen Kommunikationsnetzen Verbindungen herzustellen.

Das 100-jährige Bestehen des Verbandes steht daher nicht nur im Zeichen eines außergewöhnlichen Jubiläums. Es ist auch Anlass, die Rolle des Amateurfunks in einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Gesellschaft zu betrachten. Den Höhepunkt des Jubiläumsjahres bildet am 21. SEPTEMBER 2026 DER GROSSE FESTAKT IM WIENER VOLKSTHEATER mit der Uraufführung eines eigens für das Jubiläum geschriebenen Theaterstücks.

VON ÖSTERREICH IN DIE GANZE WELT

Was Funkamateur:innen seit jeher antreibt, ist die Möglichkeit, technische Grenzen selbst auszuloten. Anders als bei vielen modernen Kommunikationsangeboten geht es im Amateurfunk nicht nur darum, eine vorhandene Technologie anzuwenden. Funkamateur:innen beschäftigen sich mit den technischen Grundlagen, bauen und optimieren Antennen, erproben Übertragungsverfahren, programmieren, experimentieren und entwickeln bestehende Systeme weiter.

ÖVSV-Präsident MICHAEL KASTELIC sieht darin eine besondere Stärke des Amateurfunks: „Amateurfunk schafft eine Brücke zwischen praktischem Experimentieren und ingenieurwissenschaftlichem Denken. Funk kennt dabei keine Staatsgrenzen. Mit der entsprechenden technischen Ausstattung können Funkamateur:innen Verbindungen zu Menschen auf anderen Kontinenten, über Satelliten und unter besonderen Bedingungen sogar mit Raumstationen herstellen. Internationale Vernetzung gehört deshalb seit den Anfängen zur DNA des Amateurfunks.“

INTERNATIONALE AMATEURFUNK-COMMUNITY ZU GAST IN WIEN

Diese internationale Dimension spiegelt sich auch in der Arbeit des ÖVSV wider. Der Verband ist österreichisches Mitglied der INTERNATIONAL AMATEUR RADIO UNION (IARU). Nur wenige Tage vor dem Jubiläumsfestakt wird Wien auch zum internationalen Zentrum des Amateurfunks: Von 19. BIS 23. SEPTEMBER 2026 findet hier die 27. GENERAL CONFERENCE DER IARU REGION 1 statt. Die International Amateur Radio Union vertritt seit 1925 weltweit die Funkamateur:innen und setzt sich insbesondere für den Erhalt und die Sicherung der für den Amateurfunk notwendigen Frequenzbereiche ein. Bei der General Conference kommen Vertreter:innen der Mitgliedsorganisationen aus der gesamten Region 1 – Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Nordasien – zusammen, um zentrale technische, regulatorische und strategische Fragen des Amateurfunks zu beraten und die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen. Dass diese internationale Konferenz ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen ÖVSV-Jubiläums in Wien stattfindet, unterstreicht die enge internationale Vernetzung des österreichischen Amateurfunks.

BEGEISTERUNG FÜR TECHNIK AN DIE NÄCHSTE GENERATION WEITERGEBEN

Wie aktuell Amateurfunk gerade für junge Menschen sein kann, zeigte im Jubiläumsjahr das internationale YOTA CAMP – YOUNGSTERS ON THE AIR in Wagrain. 100 junge Funkamateur:innen aus 30 Ländern kamen Ende Juli nach Österreich, um gemeinsam technische Projekte umzusetzen, Antennen zu bauen, digitale Kommunikationsformen auszuprobieren, sich international zu vernetzen und gemeinsam zu funken. Der ÖVSV verbindet damit gezielt technische Nachwuchsförderung mit internationalem Austausch.

Für FLORIAN ZWINGL, der an der Organisation des YOTA Camps 2026 beteiligt war, liegt darin eine der großen Chancen des Amateurfunks: „_Junge Menschen werden nicht nur an Technik und unterschiedliche Kommunikationsmöglichkeiten herangeführt, sondern erleben unmittelbar, dass sie mit ihrem eigenen Wissen und ihrer eigenen Ausrüstung weltweite Kontakte herstellen können. Technik wird damit nicht bloß konsumiert, sondern verstanden und praktisch angewandt._“

Einer der Höhepunkte des Camps machte diese Dimension besonders eindrucksvoll sichtbar: Aus Wagrain gelang eine DIREKTE FUNKVERBINDUNG ZUR INTERNATIONALEN RAUMSTATION ISS. Gleichzeitig standen unter anderem Antennenbau, Satellitenfunk, digitale Kommunikation und Emergency Communications auf dem Programm. Der Amateurfunk wird so für junge Menschen zu einem praktischen Zugang zu Elektronik, Physik, Informationstechnologie und Kommunikation – und kann nicht zuletzt Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungswegen und Berufen wecken.

KOMMUNIKATION DANN, WENN ANDERE NETZE AN IHRE GRENZEN KOMMEN

Eine besondere gesellschaftliche Bedeutung erhält der Amateurfunk in Krisen- und Katastrophensituationen. Mobilfunk, Internet und andere Kommunikationsinfrastrukturen sind auf ein komplexes Netz aus Stromversorgung, Datenleitungen, Sendestationen und zentralen Systemen angewiesen. Fallen Teile dieser Infrastruktur aus, können Funkamateur:innen Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellen, die auf anderen technischen Wegen funktionieren.

Der Amateurfunkdienst umfasst in Österreich ausdrücklich auch den Not- und Katastrophenfunk. Der ÖVSV beschäftigt sich deshalb seit vielen Jahren intensiv mit resilienter Kommunikation und übt die Zusammenarbeit mit Behörden und Einsatzorganisationen. Falls Teile dieser Infrastruktur ausfallen, können Funkamateur:innen Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellen, die auf den dem Amateurfunk zugewiesenen Frequenzen abgewickelt werden.

DIPL.-ING. HERBERT KOBLMILLER, Notfunkreferent des ÖVSV, verweist dabei auf einen besonderen Vorteil der Amateurfunk-Community: „_In ganz Österreich gibt es Menschen, die sich intensiv mit Funktechnik beschäftigen, ihre Geräte und deren Möglichkeiten genau kennen und geografisch breit verteilt sind. Dieses Wissen kann im Krisenfall dort eingesetzt werden, wo Kommunikation dringend benötigt wird. Für Funkamateur:innen ist Notfunk deshalb nicht nur eine technische Disziplin, sondern auch Ausdruck der Bereitschaft, mit den eigenen Fähigkeiten einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten._“

100 JAHRE GESCHICHTE – UND EIN BLICK IN DIE NÄCHSTEN 100 JAHRE

Wie lässt sich ein Jahrhundert Amateurfunk erzählen, ohne einen klassischen historischen Festvortrag zu halten? Für den Jubiläumsfestakt im Volkstheater wurde dafür ein ungewöhnlicher Weg gewählt: mit Theater.

Das Stück trägt den Titel „HUNDERT JAHRE GANZ GENAU MIT Ö UND VAU UND ES UND VAU – EINE ZAUBERREISE DURCH VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT“ und führt das Publikum durch drei Zeitebenen. Aufeinander treffen ein Funkpionier aus der Vergangenheit, ein Funkamateur der Gegenwart und eine Funkamateurin aus dem Jahr 2099. Begleitet werden sie von einem Reporter, der die historischen Stationen des Verbandes einordnet. Das Stück schlägt den Bogen von der konstituierenden Generalversammlung des ÖVSV am 7. April 1926 über schwierige Phasen der österreichischen Geschichte, technische Umbrüche und Generationenwechsel bis zum heutigen Amateurfunk. Gleichzeitig erlaubt es sich einen bewusst satirischen Blick auf die kommenden 100 Jahre. Die Zukunftsszenarien reichen bis zu Gedanken- und „Cerebralfunk“ – und machen damit gerade durch ihre Überzeichnung deutlich, wie schwer technologische Entwicklungen vorherzusagen sind. Im Zentrum bleibt letztlich eine zeitlose Faszination: mit technischem Wissen Verbindungen herzustellen und Teil eines weltweiten Netzes von Menschen zu sein.

DAS LETZTE STÜCK VON ÖVSV-EHRENMITGLIED PROF. WOLF HARRANTH

Verfasst wurde das Jubiläumsstück von PROF. WOLF HARRANTH, OE1WHC, einer Persönlichkeit, die österreichische Medien-, Literatur- und Amateurfunkgeschichte miteinander verband. Der 1941 in Wien geborene Harranth war Autor, Übersetzer und Medienjournalist. Über viele Jahre arbeitete er für Radio Österreich International und beschäftigte sich intensiv mit internationalem Rundfunk und Amateurfunk. Als Funkamateur trug er das Rufzeichen OE1WHC. Er initiierte das DOKUMENTATIONSARCHIV FUNK (DOKUFUNK), das sich der Geschichte des Funkwesens mit besonderen Schwerpunkten auf Rundfunk und Amateurfunk widmet. Für sein literarisches und übersetzerisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung.

Mit dem ÖVSV war Harranth über viele Jahre eng verbunden. Der Verband ernannte ihn 2016 zum EHRENMITGLIED. Der ÖVSV würdigte ihn nach seinem Tod als jemanden, der den Amateurfunk nicht nur ausgeübt, sondern gelebt und den Dachverband mit großem persönlichem Engagement unterstützt habe. Harranth starb am 3. AUGUST 2021, wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag.

„_Dass Harranths Stück nun ausgerechnet zum 100. Geburtstag des Verbandes im Volkstheater auf die Bühne kommt, gibt dem Festakt eine besondere zusätzliche Dimension: Der Autor kann die Uraufführung seines Werks nicht mehr selbst miterleben. Mit dem Stück bleibt jedoch seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Menschen und den Eigenheiten des Amateurfunks präsent_“, erklärt CHRISTOPH HUBNER, MA, der als Lektor die historische Aufarbeitung und Anpassung des Textes begleitet. Für die szenische Umsetzung zeichnet PHILIP KAPLAN verantwortlich, der bereits bei der 90-Jahr-Feier des ÖVSV im Jahr 2016 zum Ensemble gehörte und daher mit dem Themenfeld vertraut ist. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Auswahl der Schauspieler:innen und die Gestaltung des Probenprozesses. CLARA MARIA PAMMER gehört zum Ensemble und beschäftigt sich in der Vorbereitung intensiv mit Text, Rolle und der besonderen Verbindung von Theater und technisch-historischem Stoff.

DER HÖHEPUNKT DES JUBILÄUMSJAHRES: FESTAKT IM VOLKSTHEATER

Am 21. SEPTEMBER 2026 erreicht das Jubiläumsjahr seinen Höhepunkt. Bereits tagsüber öffnen mehrere ÖVSV-Standorte ihre Türen. Zwischen 10:00 und 16:00 Uhr können Interessierte unter anderem das DokuFunk, das Dachverbandslokal in Wiener Neudorf sowie das Klublokal des Landesverbandes Wien besuchen und dort Einblicke in Archivarbeit, Funkstationen, Werkstätten und aktuelle Projekte erhalten.

Am Abend folgt der große FESTAKT „100 JAHRE ÖVSV“ IM WIENER VOLKSTHEATER. Einlass ist ab 18:00 Uhr, Beginn um 19:00 Uhr. Neben dem offiziellen Festakt bildet die Uraufführung des Jubiläumsstücks einen zentralen Programmpunkt. Zudem wird anlässlich des Jubiläums eine Sonderpostmarke „100 Jahre ÖVSV“ ausgegeben.

Das Jubiläum soll dabei nicht nur zurückblicken. Die Geschichte des Amateurfunks ist von ständiger technischer Veränderung geprägt – von frühen Funkensendern über Sprache, Morsetelegrafie und selbst gebaute Anlagen bis zu Computertechnik, digitalen Betriebsarten und Satellitenkommunikation. Gerade diese Fähigkeit, Neues auszuprobieren und Wissen weiterzugeben, soll den ÖVSV auch in sein zweites Jahrhundert begleiten.

100 JAHRE NACH SEINER GRÜNDUNG STEHT DER ÖVSV DAMIT FÜR EINE IDEE, DIE NICHTS VON IHRER AKTUALITÄT VERLOREN HAT: MENSCHEN DURCH TECHNIK ÜBER GENERATIONEN UND GRENZEN HINWEG MITEINANDER ZU VERBINDEN UND, WENN ES DARAUF ANKOMMT, AUCH DANN, WENN ANDERE KOMMUNIKATIONSWEGE NICHT MEHR ZUR VERFÜGUNG STEHEN.

ÜBER DEN ÖVSV

Der ÖSTERREICHISCHE VERSUCHSSENDERVERBAND (ÖVSV) wurde 1926 gegründet und ist die Interessenvertretung der Funkamateur:innen in Österreich. Der unabhängige und gemeinnützige Verein fördert den völkerrechtlich geregelten Amateurfunkdienst sowie die technische Aus- und Weiterbildung seiner Mitglieder. Der ÖVSV ist österreichisches Mitglied der International Amateur Radio Union (IARU) und gliedert sich in Landesverbände und Fachreferate. Zu den Tätigkeitsfeldern zählen unter anderem technische Experimente und Eigenbau, weltweiter Funkverkehr, Satellitenkommunikation, digitale Betriebsarten, Nachwuchsarbeit sowie Not- und Katastrophenfunk.

100 JAHRE AMATEURFUNK

ÖVSV-Dachverband
Michael Kastelic
Telefon: 0043 664 3381124
E-Mail: oe1mcu@oevsv.at

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