Projekt MetaFung zeigt die bisher unentdeckte Pilzvielfalt in Österreichs Großschutzgebieten

Projekt MetaFung zeigt die bisher unentdeckte Pilzvielfalt in Österreichs Großschutzgebieten

BEI DER ABSCHLUSSPRÄSENTATION DES FORSCHUNGSPROJEKTS METAFUNG IM BUNDESMINISTERIUM FÜR LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT, KLIMA- UND UMWELTSCHUTZ, REGIONEN UND WASSERWIRTSCHAFT (BMLUK) WURDEN NEUE ERGEBNISSE ZUR VIELFALT VON BODENPILZEN UND BODENARTHROPODEN IN ÖSTERREICHISCHEN GROSSSCHUTZGEBIETEN VORGESTELLT. DIE STUDIE MACHT SICHTBAR, WIE GROSS DIE BISLANG KAUM ERFORSCHTE BIODIVERSITÄT IM BODEN IST – UND WELCHE BEDEUTUNG SCHUTZGEBIETE FÜR FORSCHUNG, NATURSCHUTZ UND ZUKÜNFTIGES BIODIVERSITÄTSMONITORING HABEN.

Ein großer Teil der biologischen Vielfalt bleibt dem menschlichen Auge verborgen. Gerade im Boden finden jedoch zentrale Prozesse statt, die für funktionierende Ökosysteme unverzichtbar sind. Im Forschungsprojekt MetaFung wurde diese verborgene Welt erstmals in österreichischen Großschutzgebieten großflächig mit modernen eDNA-Methoden untersucht. Umgesetzt wurde die Erhebung im Nationalpark Thayatal, Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel, Nationalpark Donau-Auen, Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark Gesäuse, Nationalpark Hohe Tauern, Biosphärenpark Wienerwald und Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal.

Mehrere Wissenschaftler:innen waren an der Erhebung in den Lebensräumen der Schutzgebiete beteiligt. Alexander Urban von der Universität Wien – Department für Botanik und Biodiversitätsforschung führte die Erhebung und Auswertung der Pilze durch, Markus Gorfer vom Austrian Institute of Technology (AIT) übernahm die genetische Analyse, Kerstin Michel und Barbara Kitzler vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) analysierten die Bodenproben und Irmgard Krisai-Greilhuber von der Universität Wien war an der Diskussion der Ergebnisse beteiligt.

Pilze übernehmen in Ökosystemen zentrale Aufgaben: als Destruenten bauen sie abgestorbenes Holz, Laub sowie andere organische Stoffe ab und machen damit Nährstoffe für andere Organismen wieder verfügbar. Viele Arten leben außerdem als Mykorrhiza-Pilze in engem Austausch mit Pflanzenwurzeln, wo sie durch den Austausch von Photosyntheseprodukten, Wasser und Nährstoffen essenzielle Leistungen erbringen. So prägen Pilze nicht nur Stoffkreisläufe oder Humusbildung, sondern auch die Stabilität ganzer Lebensräume.

Die Ergebnisse der MetaFung-Studie zeigen, wie groß die Wissenslücke zur Pilzvielfalt bislang war: In Österreich sind derzeit etwa 13.000 Pilzarten bekannt, nur etwa 4.500 Arten sind bisher genetisch analysiert. Im Rahmen von MetaFung wurden in 320 Bodenproben aus 190 Probeflächen 15.695 GENETISCH UNTERSCHEIDBARE PILZEINHEITEN entdeckt. 5.101 dieser Einheiten konnten vorläufig einer bekannten Art zugeordnet werden. Außerdem wurden 205 Arten aus der österreichischen Roten Liste dokumentiert, darunter 25 vom Aussterben bedrohte Pilzarten.

Diese hohe Zahl an genetisch unterscheidbaren Einheiten übersteigt die Zahl der bisher bekannten Pilzarten in Österreich. Diese unterscheidbaren Einheiten, sogenannte Operational Taxonomic Units, werden anhand ähnlicher DNA-Sequenzen zusammengefasst – dadurch wird in grober Annäherung die vorkommende Artenzahl abgebildet, auch wenn diese nicht automatisch den tatsächlich vorkommenden Arten entspricht. In den beeindruckenden 15.695 genetisch unterscheidbaren Pilzeinheiten sind dementsprechend sowohl bekannte Großpilze wie Parasol oder Fliegenpilz ebenso wie Schimmelpilze und Hefen dabei, aber auch Einheiten, die nicht als Arten beschrieben werden können.

Finanziert wurde MetaFung durch den Biodiversitätsfonds des BMLUK. Bei der Abschluss­veranstaltung hob Sektionschef Dr. Jürgen Schneider, Leiter der Sektion VI – Umwelt und Klima im BMLUK, die Bedeutung wissenschaftlicher Grundlagen für den Schutz der Biodiversität hervor: „Die Biodiversitätskrise betrifft nicht nur sichtbare Arten und Lebensräume, sondern auch jene Vielfalt, die verborgen liegt. Projekte wie MetaFung zeigen, wie moderne Methoden helfen können, Biodiversität besser zu erfassen und damit langfristig zu sichern.“

„Neben der naturwissenschaftlichen Erforschung von Tieren und Pflanzen fand die Pilz-Forschung lange Zeit deutlich weniger Beachtung. Erst in den letzten Jahren steigt, unterstützt durch neue Forschungstechnologien, die Zahl der Untersuchungen des Pilz-Reiches. Auch in den Nationalparks lag bisher das Hauptaugenmerk der Forschung bei den Tieren und Pflanzen. Die Ergebnisse dieser Studien machten deutlich: die österreichischen Nationalparks sind Hotspots der Biodiversität. Mehr als zwei Drittel der Pflanzenarten und mehr als vier Fünftel der Wirbeltierarten Österreichs konnten bisher in den österreichischen Nationalparks nachgewiesen werden. Es freut uns, dass bei dieser ersten Pilz-Erhebung ebenso eine außerordentliche Vielfalt an Pilzen nachgewiesen werden konnte. 5.101 bekannte Arten (39% der Pilzarten in Österreich) und insgesamt mehr als 15.695 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten in den österreichischen Großschutzgebieten unterstreichen die Bedeutung des Schutzes natürlicher und naturnaher Lebensräume in Österreich.“ freut sich Christian Übl, Direktor des Nationalparks Thayatal, der das Projekt initiiert hat, über die Ergebnisse.

Ein besonderer Schwerpunkt der Methodik lag auf eDNA-Metabarcoding. Dabei werden nicht die Organismen selbst untersucht, sondern ihre genetischen Spuren in Bodenproben. Dadurch lassen sich auch Pilze und Bodentiere nachweisen, die mit freiem Auge nicht sichtbar sind, nur selten Fruchtkörper bilden oder mit klassischen Methoden schwer zu erfassen sind.

„Klassische Kartierungen bleiben unverzichtbar, erfassen aber immer nur einen Teil der tatsächlichen Pilzvielfalt. Mit eDNA-Methoden können wir erstmals sehr tief in die verborgene Biodiversität der Böden blicken. Das Projekt erbrachte wesentliche neue Daten zu schwierig zu erforschenden und wenig bekannten Pilzgruppen – stellvertretend für viele andere seien hier die trüffelartigen Pilze (Hypogäen) sowie insektenpathogene Pilze genannt. Besonders spannend: bei den Hypogäen (trüffelähnliche Pilze) fanden sich auch Neuentdeckungen für Österreich, mit der Großsporigen Trüffel (_Tuber macrosporum_) auch eine kulinarisch wertvolle Art.“, erklärt Dr. Alexander Urban von der Universität Wien.

Julian Haider, Projektleiter und Biologe im Nationalpark Thayatal, hebt außerdem die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor: „MetaFung zeigt, dass jedes Schutzgebiet eine eigene, unverwechselbare Pilzwelt besitzt. Gerade deshalb ist es wichtig, Schutzgebiete als verbundenes Netzwerk unterschiedlicher Lebensräume zu betrachten. Jedes Gebiet trägt einen eigenen Teil zur biologischen Vielfalt Österreichs bei.“

Die Untersuchungen machten deutlich, dass die acht Großschutzgebiete Österreichs jeweils eigene Pilzgemeinschaften beherbergen. Viele Pilzgruppen sind eng an bestimmte Bodeneigenschaften, Baumarten oder ökologische Prozesse gebunden und müssen dementsprechend in ihrer Gesamtheit geschützt werden. Die Ergebnisse liefern damit eine wichtige Grundlage für zukünftiges Biodiversitätsmonitoring und zeigen, wie wertvoll naturnahe Schutzgebiete auch für jene Vielfalt sind, die im Verborgenen lebt. Um die hier gewonnenen Einblicke in die Pilzwelt weiterzugeben, wurde im Rahmen des Projekts eine Broschüre erstellt, welche die Ergebnisse unter dem Titel „Verborgene Vielfalt – Die unsichtbare Welt der Pilze“ nun veröffentlicht.

Nationalpark Thayatal GmbH
Julian Haider, MSc
Telefon: 02949 7005
E-Mail: office@np-thayatal.at
Website: https://www.np-thayatal.at

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