Rheinischer Präses ruft zum Widerstand gegen israelbezogenen Antisemitismus auf – Aufgabe für alle Manfred Rekowski plädiert zugleich für „Diskursfähigkeit“ mit Blick auf die Politik Israels

Köln (ots) – Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat dazu aufgerufen, israelbezogenem Antisemitismus entgegenzutreten und entschieden zu widersprechen. „Das ist nicht etwa die Sache der jüdischen Gemeinden, sondern unser aller Aufgabe“, sagte der 61-Jährige dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag-Ausgabe). „Unsere Gesellschaft als ganze nimmt Schaden, wo Antisemitismus Raum gewinnt.“ Über die Politik Israels könne, dürfe und müsse diskutiert werden, betonte Rekowski. Diese „Diskursfähigkeit“ sei ihm sehr wichtig. Zum Beispiel lehne die rheinische Kirche Boykott-Aktionen gegen Israel ab. „Aber mit den Argumenten der Befürworter müssen wir uns doch auseinandersetzen. Tabus tun der Sache überhaupt nicht gut.“ Rekowski mahnte an, die Lage zum Beispiel der palästinensischen Christen in Israel nicht aus den Augen verlieren. „Da sehen wir uns in einer doppelten Solidarität.“ Umso genauer gelte es deshalb zu unterscheiden, „an welchen Aussagen das Etikett ‚Antisemitismus‘ zu Recht klebt und an welchen nicht.“

Die Evangelische Kirche im Rheinland ist mit knapp 2,5 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Landeskirche innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Rekowski steht ihr als leitender Geistlicher seit 2013 vor.

Sie hatten auf der Synode den Vize-Präsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, zu Gast. Er hat sich sehr deutlich dagegen gewandt, Israel an den Pranger zu stellen. Selbst wenn das gar nicht antisemitisch gemeint sei, stärke es Antisemiten den Rücken. Fühlt sich die Evangelische Kirche im Rheinland von dieser Warnung angesprochen?
Abraham Lehrer hat in seinem Grußwort das Verhältnis zwischen evangelischen Christen und Juden sehr gewürdigt, und er hat uns gesagt: Über die Politik Israels kann, darf und muss diskutiert werden. Diese Diskursfähigkeit ist mir schon sehr wichtig. Zum Beispiel lehnen wir als rheinische Kirche Boykott-Aktionen gegen Israel ab. Aber mit den Argumenten der Befürworter müssen wir uns doch auseinandersetzen. Tabus tun der Sache überhaupt nicht gut. Deshalb sollten wir die Lage zum Beispiel der palästinensischen Christen in Israel nicht aus den Augen verlieren. Da sehen wir uns in einer doppelten Solidarität. Umso genauer müssen wir deshalb unterscheiden, an welchen Aussagen das Etikett „Antisemitismus“ zu Recht klebt und an welchen nicht.
Die Sorge der jüdischen Gemeinschaft ist ja, dass scheinbare Kritik am Staat Israel in Wahrheit der alte Antisemitismus in neuem Gewand ist.
Wie jeder Art von Antisemitismus ist auch der israelbezogenen Form entgegenzutreten und entschieden zu widersprechen. Und das ist nicht etwa die Sache der jüdischen Gemeinden, sondern unser aller Aufgabe.

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